Leistungsangaben und Leistungsmessung bei Gitarrenverstärkern?

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Stratitis
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Leistungsangaben und Leistungsmessung bei Gitarrenverstärkern?

#1

Beitrag von Stratitis » 05.03.2021, 13:53

Wer kann mir mit Informationen zum Thema "Leistungsangaben und Leistungsmessung bei Gitarrenverstärkern" weiter helfen?

Bei einem HiFi-Verstärker würde ich ein Sinussignal an den Eingang legen und eine Dummy-Last (Lastwiderstand) mit mindestens der zu erwartenden Leistung und ein Oszilloskop am Ausgang anschließen (oder parallel dazu ein Klirrfaktormessgerät).
Dann langsam die Aussteuerung hochregeln, bis am Ausgang ein maximal tolerierbarer Betrag an Verzerrungen auftritt (Klirrfaktor <1% oder was auch immer in der Norm steht, bzw. was am Oszilloskop noch sinusförmig aussieht).
Berechnung der Leistung (Sinus) nach Prms = Urms * Irms bzw. = (Urms)² /Rlast.

Bei einem gewünscht verzerrendem Gitarrenverstärker ist das natürlich relativ sinnlos.
Also, wie macht man das mit einem Gitarrenverstärker?

Einfach alle Volume-, Gain-, und Master-Regler auf Rechtsanschlag und ein maximal mögliches (sinnvolles) Eingangsignal in den Amp reinprügeln?
Wo ist da die Grenze? 100mVss, 1Vss, 5Vss?
Bei passiven Pickups habe ich schon Transienten von mehreren Volt gemessen, auch wenn das eigentliche Tonsignal dann ganz schnell in den Bereich von 100mVss gefallen war.

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Re: Leistungsangaben und Leistungsmessung bei Gitarrenverstärkern?

#2

Beitrag von 12stringbassman » 05.03.2021, 14:44

Servus Stratitis,

ich hänge ein Oszilloskop paralell zum Lastwiderstand an den Lautsprecherausgang. Master halb bis ganz auf, Gain zunächst ganz zu, Sinus mit 10-100mV an den Eingang, Gain langsam aufdrehen und am Oszi schauen, wann der Sinus begrenzt wird. Ggf. Master und/oder Gain und/oder Generator-Out nachregeln, um zu sehen, ob die Begrenzung von der Vor- oder Endstufe kommt. Oder gleich in den FX-return reingehen, falls vorhanden.
Evt. auch mal mit der Frequenz rumspielen, da der Ausgangsübertrager ja nicht überall gleich gut funktioniert.

1% Klirrfaktor kannst bei einem Gitarrenverstärker eh vergessen und andere HiHi-üblichen Normen auch. Wenn der Sinus eckig wird ein bissl zurückdrehen und U-Spitzenwert/sqr(2) nehmen.

Grüße

Matthias
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Re: Leistungsangaben und Leistungsmessung bei Gitarrenverstärkern?

#3

Beitrag von capricky » 05.03.2021, 15:00

Die Ausgangsleistung von Gitarrenverstärkern ist eh immer eine marketingpolitische Zahl, es gibt da auch keine standardisierte Meßmethode , nach der sich sämtliche Hersteller orientieren würden.
Du kannst vorgehen wie du möchtest, zum Vergleich mit publizierten Leistungsangaben anderer Amps nutzen dir deine Messwerte nicht, es sei denn du hast die selbst gemessen.

capricky

edit: Ich hatte vor nicht allzulanger Zeit eine Reihe von alten Dynacord DA15 bis DA20 Amps auf dem Tisch. Die hatte ich alle mal aus Jux mit Sinus, Dreieck und Rechteck angesteuert. Bei Austeuerung auf einem Lastwiderstand änderten sich kaum noch die Ausgangsleistungen, egal wie weit ich Ausgangsspannung des Funktionsgenerators aufgedreht hatte, alle lagen bei 16 Watt, errechnet aus Lastwiderstand und Ausgangsspannung (trms).
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Re: Leistungsangaben und Leistungsmessung bei Gitarrenverstärkern?

#4

Beitrag von Stratitis » 05.03.2021, 15:29

Ja, das habe ich befürchtet.

Und nochmals ja, es geht um eigenen Messungen.

Der Hintergrund: Der Ausgangstrafo des Bugera G5 sieht eher nach 2W aus (EI-Kern ca. 40x35x16mm), als nach 5W.
Das ist aber ein reines Bauchgefühl, deshalb wollte ich das mal messen, wenn die bestellten Ersatzteile (MOSFETs für den Phaseninverter) endlich da sind. Bei der Gelegenheit zeigt sich dann auch, ob die PI-MOSFETs wieder abrauchen... ;-)

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Re: Leistungsangaben und Leistungsmessung bei Gitarrenverstärkern?

#5

Beitrag von capricky » 05.03.2021, 15:38

Noch ein Beispiel, letztes Jahr hatte ich mir einen Boss Katana 100 zugelegt. Mit dessen (gemessenen) Betriebspannungen ist theoretisch nur eine Leistung (rms) von 55 Watt möglich, aber alle Welt spricht von "100 Watt"! 8)

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Re: Leistungsangaben und Leistungsmessung bei Gitarrenverstärkern?

#6

Beitrag von capricky » 05.03.2021, 15:45

Stratitis hat geschrieben:
05.03.2021, 15:29
Bei der Gelegenheit zeigt sich dann auch, ob die PI-MOSFETs wieder abrauchen... ;-)
Die Mosfets rauchen nicht ab, wenn du die auf einem Kühlkörper montierst und die Drainwiderstände wenigstens verdoppellst. Bei deren Verlustleistung könnte man ja glauben, die Endröhre(n) wären leistungsgesteuert, nicht spannungsgesteuert.

capricky

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Re: Leistungsangaben und Leistungsmessung bei Gitarrenverstärkern?

#7

Beitrag von Stratitis » 05.03.2021, 17:14

capricky hat geschrieben:
05.03.2021, 15:45
Bei deren Verlustleistung könnte man ja glauben, die Endröhre(n) wären leistungsgesteuert, nicht spannungsgesteuert.
capricky
Ja, es hat mich auch gewundert, daß da Leistungs-MOSFETs drin sind, die 4,5-7A "können", um damit leistungslos die Gitter der Endstufenröhre zu bedienen.

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