[Akustisch] Konzertgitarre aus Recyclingholz

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Re: [Akustisch] Konzertgitarre aus Recyclingholz

#126

Beitrag von penfield » 25.05.2019, 22:24

Tolle Arbeit (clap3)
SGmaster, Peacemaster 3P90, Double neck fretless/fretted,
Quickbird, Basslownia, FrameBird, Violin Bass Bausatz.
Sollte an Les Paulownia arbeiten, hat aber den Umbau der Mystery Guitar und jetzt noch der Semmelblonden JMs eingeschoben...

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Randeinlagen

#127

Beitrag von Sven2 » 25.05.2019, 22:55

Schritt für Schritt geht es weiter.
Heute waren die Randeinlagen für die Decke an der Reihe. Zunächst einmal habe ich alles auf die korrekte Länge zugeschnitten und den Stoß der Randeinlagen am Endklotz eingepasst. Anschließend habe ich in einem Trockenlauf alles lose mit ein paar Klebestreifen fixiert und inspiziert.
Man kann schon gut sehen, wo die Reise farblich hingeht.
Danach ging es ans Verleimen. Fotos gibt's davon keine. Nur vom Endzustand.
Die Randeinlagen sind zuerst rundherum mit Klebestreifen fixiert und dann noch zusätzlich mit dem Gummiband angepresst.
Morgen geht es dann ans auspacken...

Sven

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Auspacken

#128

Beitrag von Sven2 » 26.05.2019, 18:30

Nach dem Auspacken habe ich mit dem Einhandhobel die Überstände abgetragen. Das Hobeleisen habe ich vorher nochmal sorgfältig geschärft, da ich sicher gehen wollte, keine Stücke aus der Deckeneinlage herauszubrechen. Das hat dann auch gut funktioniert. Einige der Hobelspäne haben mich an Filmstreifen erinnert.
Das Ergebnis der Verleimung war allerdings durchwachsen. In der Regel sah es ganz gut aus.
Diese Stelle ist aber richtig schlecht. Da werde ich wohl auch nichts mehr retuschieren können.
Als nächstes kommt die Einlage, die über den Endklotz läuft, an die Reihe. Hier werde ich die hellen Streifen um die Ecke führen.
Sven

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Re: [Akustisch] Konzertgitarre aus Recyclingholz

#129

Beitrag von bea » 27.05.2019, 11:46

An der schlechten Stelle mit einem Kerbmesser aufschneiden, ggf etwas kürzen und die Lagen einzeln wieder sauberer anleimen geht nicht? Das wird man dann zwar auch sehen, aber möglicherweise nicht so deutlich.
LG

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Re: [Akustisch] Konzertgitarre aus Recyclingholz

#130

Beitrag von liz » 27.05.2019, 13:37

Dein Verleimsetup für die Randeinlagen ist nicht optimal. Erstens bringt es keinen Vorteil, zu tapen UND zu wickeln - es macht nur mehr Arbeit. Was beim Tapen an Ungenauigkeit vorhanden ist, wirst du mit dem Gummi nicht mehr ausgleichen können, da in diesen Bereichen der Rand dann "zu lang" ist. Zweitens drückt dein Gummi nur nach unten - in Zargenrichtung, nicht aber nach innen.
Mein Tipp: nicht tapen, sondern gleich wickeln, und zwar so, dass der Druck auch wirklich in den Falz geht, z.B. mit einem Nagelbett:
Lg liz

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Re: [Akustisch] Konzertgitarre aus Recyclingholz

#131

Beitrag von bea » 27.05.2019, 14:06

Stellt sich die Frage, wie man mit dem realen Ergebnis am besten umgeht. Das mit dem Aufschneiden und vorsichtigen Kürzen durfte ich bei meiner Archtop an mehreren Stellen machen - an einem weißen Kunststoffbinding, an dem man die Fehler besonders gut sieht. Trotzdem empfinde ich das als das kleinere Übel. Oder wäre es eine Option, das Binding wieder abzulösen und erneut und besser einzuleimen (ich bin wie immer fürs Reparieren anstatt Abfall zu erzeugen...)?
LG

Beate

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Re: [Akustisch] Konzertgitarre aus Recyclingholz

#132

Beitrag von liz » 27.05.2019, 14:32

bea hat geschrieben:
27.05.2019, 14:06
Stellt sich die Frage, wie man mit dem realen Ergebnis am besten umgeht. Das mit dem Aufschneiden und vorsichtigen Kürzen durfte ich bei meiner Archtop an mehreren Stellen machen - an einem weißen Kunststoffbinding, an dem man die Fehler besonders gut sieht. Trotzdem empfinde ich das als das kleinere Übel. Oder wäre es eine Option, das Binding wieder abzulösen und erneut und besser einzuleimen (ich bin wie immer fürs Reparieren anstatt Abfall zu erzeugen...)?
Ich persönlich würde es wieder rausfräsen und neu machen. Aber ja, warum nicht lösen, einen Versuch ists wert!

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Einlage am Endklotz

#133

Beitrag von Sven2 » 27.05.2019, 21:50

Um an der Einlage am Endklotz gut arbeiten zu können, habe ich die Gitarre stehend fixiert. Unten steht sie auf ihrer Kopfsocke und die Zwingen oben sind nicht angezogen, sondern nur seitlich auf den Rand der Gitarre geschoben. Gerade genug, dass die Gitarre nicht umfallen kann.
Für die Einlage habe ich zwei Verschnittreste genommen und mit dem Einhandhobel immer schmaler gehobelt, so dass sie nebeneinander den Graben füllen konnten.
Durch häufiges Einpassen habe ich sehr genau steuern können, wann sie passen. Außerdem habe ich die Teile mit einem Kreis markiert, damit ich sie immer gleich aneinanderlegen konnte und auch wusste, welche Seite zur Decke zeigt.
Dann habe ich die Furnierstreifen der Decken- und Boden-Randeinlage vorsichtig im 45° Winkel ausgestochen.
Nachdem die Breite gepasst hat, habe ich die Streifen mit ein paar Tropfen Sekundenkeber aneinandergeheftet.
Als nächstes habe ich die Enden mit dem Tellerschleifer genau rechtwinklig gemacht und anschließend die Furnierstreifen an den Ecken auf 45° angewinkelt.
An die Länge habe ich mich langsam herangearbeitet. Beim ersten Anlauf ist das sogar schiefgegangen und ich musste eine zweiten Streifen machen.
Den Steifen habe ich einen Ticken länger als nötig gemacht.
Beim Einleimen habe ich den Streifen dann über ein kleines Lineal gelegt. an den Enden vorsichtig so heruntergedrückt, dass die Enden in den Graben eingetaucht sind und dann das Lineal mit einem Ruck herausgezogen. Durch die leichte Überlänge wurde der Streifen dann gut in die Stirnseiten gedrückt.
Verwendet habe ich wieder Fischleim. Zum Schluss habe ich den Streifen dann noch mit heißer Gelatine geflutet, weil ich sie gerade greifbar hatte.
Die Ecke links oben ist nicht so sauber geworden, aber sonst bin ich zufrieden. Wenn Morgen nach dem Beischleifen keine Spalten aufgegangen sind, bin ich noch zufriedener...

Sven

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Re: [Akustisch] Konzertgitarre aus Recyclingholz

#134

Beitrag von Sven2 » 27.05.2019, 21:55

bea hat geschrieben:
27.05.2019, 11:46
An der schlechten Stelle mit einem Kerbmesser aufschneiden, ggf etwas kürzen und die Lagen einzeln wieder sauberer anleimen geht nicht? Das wird man dann zwar auch sehen, aber möglicherweise nicht so deutlich.
Ich hab's jetzt mit Schleifstaub und heißer Gelatine retuschiert.
Das Ergebnis sieht nach dem Beischleifen so aus:
Das ist für mich in Ordnung so.

Aber wie Liz schon geschrieben hat, hätte ich richtig wickeln sollen, dann wäre die Leiste auch richtig angepresst worden.

Sven

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Re: [Akustisch] Konzertgitarre aus Recyclingholz

#135

Beitrag von Sven2 » 28.05.2019, 18:44

liz hat geschrieben:
27.05.2019, 13:37
[...]
Mein Tipp: nicht tapen, sondern gleich wickeln, und zwar so, dass der Druck auch wirklich in den Falz geht, z.B. mit einem Nagelbett:
Vielen Dank für den Tipp!
Ich hätte auch gerne noch einen zweiten Tipp ;-)
Wo bekommt man so ein Gummiband her?
Ich habe meines aus alten Fahradschläuchen zusammengeschustert, weil ich nichts besseres gefunden habe.

Sven

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Zwischenstand

#136

Beitrag von Sven2 » 28.05.2019, 21:41

Heute, nach dem Beischleifen, sah das Ganze dann so aus:
Damit sind die Randeinlagen abgeschlossen. Ich bin mit der Farbe des gerösteten Ahorn immer mehr zufrieden, obwohl ich Anfangs nicht sicher war, ob es eine gute Wahl für die Ränder ist.
Kann sich noch jemand erinnern, dass die Zargen mal zu schmal waren? :-)
Nachdem der Wettbewerb seine Halbzeit erreicht hatte, war ich etwas in Sorge. Inzwischen habe ich aber wieder gut Zeit aufgeholt und denke, dass ich die Gitarre sicher innerhalb der restlichen Zeit fertig bekommen werde.
Als nächstes ist das Griffbrett an der Reihe und anschließend der Steg.
Trotzdem muss ich die Wettbewerbsgitarre ein wenig zurückstellen, da ich ja noch meinen großen Bauthread mit den 4 Gitarren habe und die letzten zwei jetzt schon seit einiger Zeit fast fertig am Haken hängen.

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Re: [Akustisch] Konzertgitarre aus Recyclingholz

#137

Beitrag von Poldi » 29.05.2019, 05:12

(clap3) (clap3)

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Re: [Akustisch] Konzertgitarre aus Recyclingholz

#138

Beitrag von liz » 29.05.2019, 09:21

Sven2 hat geschrieben:
28.05.2019, 18:44

Wo bekommt man so ein Gummiband her?
Gekauft als Großbestellung bei der Firma Hostra in Graz. Ob die Kleinmengen liefern weiß ich nicht. Du kannst alternativ aber auch Schnur oder Wäscheleine nehmen.

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Re: [Akustisch] Konzertgitarre aus Recyclingholz

#139

Beitrag von glambfmbasdler » 30.05.2019, 09:45

(clap1) (clap1)
Grüße
Eduard

Letzter Baubericht: Harp Guitar
Letztes fertiges Instrument: 00 Steelstring
Meine gesammelten Werke: Der Glambfmbasdler

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Griffbrett

#140

Beitrag von Sven2 » 01.06.2019, 00:17

Heute habe ich mich mal an das Griffbrett gemacht.
Zunächst habe ich die Breite am Sattel (54mm) und die Breite am 12. Bund (64mm) eingezeichnet.
Dann habe ich das überschüssige Holz mit dem Hobel abgetragen. Mit der Säge wollte ich das nicht machen, weil das schonmal fast daneben gegangen ist. Mit dem Hobel dauert das auch nicht so lange und ich konnte mich schön kontrolliert an die weiße Gerade heranarbeiten.
Mir gefällt es, dass das Ebenholz nicht ganz schwarz ist.
Anschließend habe ich die Rundung vom Schalloch von der Unterseite eingezeichnet.
Gesägt habe ich mit der Laubsäge. Danach habe ich die Rundung dann noch etwas geschliffen.
So würde das später dann aussehen, aber noch ist es nicht soweit.
Sven

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Griffbrett aufleimen

#141

Beitrag von Sven2 » 03.06.2019, 23:19

Heute nur kurz. Nachdem ich noch etwas an der Schalllochrundung des Griffbretts manikürt habe, war heute nur noch das Aufleimen an der Reihe.
Sven

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Und putzen

#142

Beitrag von Sven2 » 04.06.2019, 22:28

Heute war Putzen angesagt. Den Hals mache ich immer mit etwas Überstand zum Griffbrett. Diesen Überstand habe ich nun abgetragen und verschliffen. Bei der Gelegenheit habe ich noch am endgültigen Halsprofil gearbeitet und dabei mehr Rundung hineingearbeitet.
Ich finde, dass man dabei sehr gut mit der Ziehklinge arbeiten kann. Man kann mehr Holz abtragen, als mit grobem Schleifpapier, aber weniger als mit einem Schweifhobel. Und man kann sie zwischendurch als gerade Kante verwenden, um zu prüfen, dass der Hals noch gerade verläuft. Es sollte aber eine dicke Ziehklinge sein, die sich nur wenig biegt und sie muss natürlich so scharf sein, dass sie einen echten Span produziert und nicht nur Krümel.
Damit sind die Seiten des Griffbretts fertig. Nun ist die Oberseite an der Reihe, in die noch der Winkel hineingearbeitet werden muss.
Bevor ich damit anfange, will ich aber noch den oberen Bereich der Decke, insbesondere neben dem Griffbrett, mit Schellack verschließen, damit kein schwarzer Schleifstaub vom Griffbrett in das hellere Holz gerät. Das bekommnt man später so schlecht wieder heraus.

Sven

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Griffbrett abrichten

#143

Beitrag von Sven2 » 06.06.2019, 01:06

Nun ging es ans Abrichten des Griffbretts.
Das Griffbrett war natürlich überall gleich hoch und damit parallel zur Decke. Ich wollte aber, dass das Griffbrett vom Sattel aus Richtung Steg leicht bergab geht. Ich wollte also das Griffbrett so absenken, dass es am Sattel seine Höhe behielt und am Schalloch niedriger war.
Dafür habe ich mir erst mal auf der Decke eingezeichnet, wo der Steg ist. Genauer gesagt, wo die Stegeinlage ist und zwar für die Diskantseite und für die Bassseite.
Anschließend habe ich ein Alulineal jeweils auf der Diskant- und auf der Bassseite auf das Griffbrett gestellt und geprüft in welcher Höhe die gedachte Verlängerung des Griffbretts bei der Stegeinlage ankommen würde.
Der kleine 3,3mm dicke Abstandshalter ist meine Vorgabehöhe. Wie man sieht, ist da noch einiges an Luft dazwischen.
Also habe ich begonnen Material von der Oberseite des Griffbretts abzutragen. Normalerweise mache ich das mit dem Hobel, aber das hat mir dieses Ebenholz nicht erlaubt. Ich bekam sofort Ausbrüche, in beiden Hobelrichtungen. Also bin ich auf 60er Schleifpapier mit einem langen Schleifklotz umgestiegen. Das hat zwar länger gedauert, hat mich aber nicht weiter gestört. Während des Schleifens habe ich regelmäßig die Annäherung an die Vorgabehöhe geprüft. Außerdem habe ich regelmäßig geprüft, ob mein Griffbrett über die Länge noch plan ist.
Schließlich war ich auf der Diskantseite bei 3,3mm angekommen.
Auf der Bassseite habe ich aber eine Vorgabehöhe von 2,5mm, musste also mehr Material wegnehmen. Das ist notwendig, weil die Basssaiten weiter ausschwingen als die Diskantsaiten und daher einen größeren Abstand zum Griffbrett brauchen.
Ich habe also das Griffbrett vom Sattel aus wie eine Rampe abgesenkt und dann auf der Bassseite seitlich wegkippen lassen.
Gelernt habe ich das aus einem Video von Pablo Requena:
https://www.youtube.com/watch?v=gtZ3SVHvMLo

Da das Griffbrett nun in Richtung Schallloch deutlich flacher geworden war, musste ich natürlich einen Teil der Bundschlitze nachsägen.
Danach habe ich das Griffbrett mit feinem Schleifpaper bis 2000er Körnung schöngeschliffen, mit dem Staubsauger mit Bürstenaufsatz dabei immer schön den Schleifstaub entfernt und zum Schluss die Oberfläche mit einem Papiertuch und Naphta gereinigt.
Gefällt mir!
Jetzt konnte ich auch erstmals die Maserung richtig gut erkennen. Kein Wunder, dass sich das nicht hobeln ließ.
Sven

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Re: [Akustisch] Konzertgitarre aus Recyclingholz

#144

Beitrag von Poldi » 06.06.2019, 05:34

Sehr schön.
Warum machst Du das mit dem GB, ich meine die Schräge anschleifen. Damit die Stegeinlage nicht zu hoch rauskommt?

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Re: [Akustisch] Konzertgitarre aus Recyclingholz

#145

Beitrag von Sven2 » 06.06.2019, 19:07

Poldi hat geschrieben:
06.06.2019, 05:34
Sehr schön.
[...]
Danke! :-)
Poldi hat geschrieben:
06.06.2019, 05:34
[...]
Warum machst Du das mit dem GB, ich meine die Schräge anschleifen. Damit die Stegeinlage nicht zu hoch rauskommt?
Zunächst: Da die Saiten in der Mitte am weitesten ausschwingen, ist es sinnvoll ihnen dort mehr Platz zu verschaffen. Das ist klar.
Das kann man zum Beispiel mit einem Halswinkel erreichen. Dabei leimt man den Hals so ein, dass er bereits in einem bestimmten Winkel zur Decke steht. Wenn man dann das Griffbrett aufleimt, muss man diesen Winkel (eigentlich Knick mit Winkel) in die Unterseite des Griffbretts arbeiten, damit man es überhaupt aufleimen kann. Danach steht die Griffbrettoberseite in einem bestimmten Winkel zur Decke.

Ich finde das zu umständlich. Ich leime den Hals ohne Winkel parallel zur Decke und das Griffbrett einfach oben drauf. Und danach arbeite ich den Winkel aus dem Griffbrett heraus. Das Ergebnis ist das gleiche, aber ich habe den Vorteil, dass dieser Winkel die notwendige Korrektur durch die Deckenwölbung bereits mit einschließt, da meine Messpunkte ja auf der Wölbung liegen.
Ich muss also weder die Höhe der Deckenwölbung wissen (die durch Zurückfedern nach dem Verleimen der Fächerbalken nicht immer gleich ist), noch muss ich wissen, wie groß der Winkel der Griffbrettoberseite zur Decke nun eigentlich ist.
Und da ich immer die gleichen Vorgabehöhen verwende, wird auch der Steg immer gleich hoch (bei gleicher Saitenhöhe am 12. Bund).

Vielleicht erkläre ich das auch nicht richtig. Für mich war das Video von Pablo Requena überzeugend und plausibel. Aber als ich es dann das erste mal selbst so gebaut habe, habe ich es erst so richtig verstanden.

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Steg

#146

Beitrag von Sven2 » 10.06.2019, 23:05

Nun wurde es Zeit für den Steg.
Dafür hatte ich kein Recyclingholz, also habe ich zu meinem Ovangkolklotz gegriffen.
Das Problem war aber, dass der Klotz nicht senkrecht zu den Jahresringen gesägt war, sondern in einem Winkel von etwa 40°.
Da ich von meiner vierten Gitarre den Steg wieder herunternehmen musste, weil die Jahresringe zu flach lagen, wolte ich hier auf Nummer sicher gehen.
Zunächst mal habe ich mir ein 17cm langes Stück abgesägt.
Dann habe ich den kippbaren Tisch meiner Bandsäge genutzt, um mir aus dem Stück einen Stegrohling mit günstigerer Richtung der Jahresringe herauszusägen.
Das Ergebnis sah dann so aus. Nicht perfekt senkrecht, aber viel besser.
Nun hatte ich einen Rohling, aus dem ich meinen Steg machen konnte.
Als erstes habe ich mit meiner Feinkreissäge die Längsschlitze für Knüpfblock und Stegeinlage gesägt. Zum Einstellen der Säge habe ich eine Vorlage aus Buchenholz verwendet.
Damit konnte die Säge auf die genaue Lage und Tiefe der Schlitze einstellen.
Die Schlitze zu sägen wäre dann auch kein Problem gewesen. Allerdings ist mir der Schlitz für die Stegeinlage etwas breit geraten. Ich habe aber einen passenden Rohling für die Stegeinlage gefunden, also alles gut.
Damit ist für heute Schluss.

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Steg²

#147

Beitrag von Sven2 » 11.06.2019, 22:33

Heute ging es mit dem Steg weiter. Ich habe damit begonnen, mir die Mitte und die Breite des Knüpfblocks einzuzeichnen.
Den Überstand habe ich dann abgesägt, so dass die Stegform schon erkennbarer wurde.
Die Kanten des Knüpfblocks sollten eine Verstärkung aus Knochen bekommen. Dafür hatte ich auf der Kreissäge schon einen Teil weggesägt, aber da das Sägeblatt zu schmal ist, um alles in einem Zug wegzusägen, habe ich auf beiden Seiten jeweils einen Holzgrat stehen lassen. Diesen habe ich von Hand mit dem Stechbeitel entfernt.
In den entstandenen Graben habe ich dann mit Sekundenkleber zwei Verschnittstücke von Stegeinlagen eingeklebt.
Dann habe ich mit der Iwasaki den Überstand rundherum weggelasert. (Eine andere Formulierung fällt mir da nicht ein. Diese Raspeln/Feilen sind echt genial!)
Eine Zeitlang habe ich überlegt, den Knüpfblock noch mit einer Holzeinlage zu verzieren, z.B. Resten der Deckeneinlage. Ich habe mich dann aber dagegen entschieden. Zum einen aus Zeitgründen, zum anderen, weil ich Angst hatte, dass das überladen wirken könnte.

To be continued...

Sven

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Steg fertig machen

#148

Beitrag von Sven2 » 13.06.2019, 01:23

Heute waren die letzten Arbeitsschritte am Steg fällig.
Begonnen habe ich mit dem Verrunden der Flügel.
Das geht normalerweise recht flott. Die Flügel sind etwa 3,5mm hoch und die Rundung habe ich einfach nach Augenmaß gemacht.
Danach war die Schräge vom Knüpfblock zum Stegeinlageblock an der Reihe. Das war ein wenig Friemelei, da ich dabei den Graben zwischen den beiden Blöcken noch etwas vertieft habe. Der Graben liegt nun tiefer als die Flügel. Dadurch konnte ich die Löcher tiefer ansetzen, wodurch sich ein größerer Winkel der Saite zu Stegeinlage ergeben sollte.
Die Enden der Flügel habe ich mit meinem Tellerschleifer angefast.
Die Fase hat 45°. Den letzten Steg habe ich mit 30° Fase gemacht, aber das hat mir nicht so gefallen.
Die Vorderseite des Stegeinlageblocks wollte ich ein wenig nach hinten geneigt haben. Den Winkel lege ich dabei immer mit einem Reststück Zarge fest, mit dem ich den Steg hochbocke.
Nach ein paar Hobelzügen war auch das erledigt.
Nun kamen die Bohrungen im Knüpfblock an die Reihe. Von der tiefsten bis zur höchsten Saite sollten es 60mm werden, also 12mm Abstand pro Bohrung.
Gebohrt habe ich wieder eine 12-Loch-Bohrung, aber diesmal mit erhöhtem 2. Loch. Dadurch wird das durch die Schlaufe gezogene Saitenende nicht nach oben zeigen.
Anschließend habe ich noch einige Zeit mit Kanten anfasen und fein Schleifen verbracht. Der Steg ist nun soweit fertig, dass er an die Deckenwölbung angepasst und verleimt werden kann
Sven

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Re: [Akustisch] Konzertgitarre aus Recyclingholz

#149

Beitrag von Poldi » 13.06.2019, 05:41

Sauber (clap3)

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Re: [Akustisch] Konzertgitarre aus Recyclingholz

#150

Beitrag von Yaman » 14.06.2019, 09:20

Mit welchem Durchmesser bohrst du die Steglöcher?

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