Bünde abrichten mit dem Radius-Schleifklotz – warum eigentlich nicht?

Einstellung des Instrumentes: Optimaler Saitenabstand, Bundreinheit usw.
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Nobi
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Bünde abrichten mit dem Radius-Schleifklotz – warum eigentlich nicht?

#1

Beitrag von Nobi » 14.05.2025, 19:40

Wenn man sich etwas tiefer in den Gitarrenbau einarbeitet, stößt man irgendwann auf ein interessantes Phänomen: Für das Griffbrett nimmt man sich richtig viel Zeit. Der Radius wird sorgfältig gefeilt oder geschliffen, mit einer speziellen Lehre oder – wie in meinem Fall – mit einem langen Radius-Schleifklotz.

Und dann?
Dann kommen die Bünde drauf, und plötzlich wird zum Abrichten ein gerades Aluprofil oder eine Bundfeile aus dem Werkzeugkasten geholt. Moment mal... ergibt das wirklich Sinn?

Ich habe mich gefragt: Warum nicht einfach denselben Radius-Schleifklotz nehmen, mit dem ich vorher das Griffbrett bearbeitet habe? Schließlich sollen die Bünde doch diesem Radius folgen.

Der Denkfehler – oder doch keiner?

Klassischerweise heißt es: Bünde werden mit geraden Hilfsmitteln abgerichtet, weil man so besser kontrollieren kann, ob sie wirklich plan sind.
Stimmt schon – aber: Plan auf welcher Geometrie? Wenn ich ein Griffbrett für eine 7saiter Gitarre mit einem 15,75"-Radius habe, dann ist dieser Radius mein Maßstab. Und mein langer Schleifklotz bildet genau diesen Radius perfekt ab.

Wenn ich also mit genau diesem Klotz über die Bünde gehe, erhalte ich eine gleichmäßige Rundung, die exakt dem Griffbrett entspricht – ohne zu raten oder nachzukorrigieren.

So mache ich’s:

Ich markiere alle Bundkronen mit Edding, befestige 600er Schleifpapier auf meinem Radiusklotz und ziehe ihn ein paar Mal gerade über die Bundreihe – also entlang der Saitenrichtung.

Nach wenigen Zügen zeigt sich: Wo der Edding verschwindet, wurde Material abgetragen. Wo die Farbe bleibt, ist der Bund zu tief. Das ist einfach, logisch und vor allem sehr gut sichtbar. Entweder ich gleiche gezielt vorher die hohen Bünde ab, oder ich arbeite weiter mit dem Radiusklotz, bis alle Bünde gleichmäßig angeschliffen sind.

Danach folgt das übliche Prozedere: Bundkronen abrunden, polieren, fertig. Und das Beste daran: Ich bin mir sicher, dass der ursprüngliche Griffbrettradius auch wirklich über alle Bünde hinweg erhalten bleibt.

Warum das gerade beim Bending wichtig ist

Ein sauberer Radius ist nicht nur eine Frage der Optik – er spielt sich besser.
Gerade beim Bending – wenn also eine Saite seitlich gezogen wird – spielt die gleichmäßige Rundung eine entscheidende Rolle. Liegt ein Bund zu hoch oder zu tief im Verhältnis zur Radiuskurve, kann die Saite auflaufen und scheppen. Das spürt man besonders beim Ziehen über mehrere Bünde hinweg (z. B. auf der hohen E- oder H-Saite).

Mit einem Radius-Schleifklotz lässt sich dieser gleichmäßige Verlauf sehr gut erhalten – und damit auch die saubere Funktion bei Bendings.

Fazit: Mehr Radius, weniger Rätselraten

Viele Gitarrenbauer nutzen lieber gerade Feilen oder Aluminiumprofile – das ist auch in Ordnung. Aber wer einmal mit einem perfekt passenden Radiusklotz gearbeitet hat, merkt schnell: Das ist nicht nur einfacher, sondern auch sicherer, wenn es um die Erhaltung der Geometrie geht.

Warum also nicht dem folgen, was man schon sauber vorbereitet hat?
Ich tue es – und es funktioniert. Bünde abrichten mit dem Radius-Schleifklotz: eine einfache Idee, die sich für mich absolut bewährt hat.

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headstock
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Re: Bünde abrichten mit dem Radius-Schleifklotz – warum eigentlich nicht?

#2

Beitrag von headstock » 16.05.2025, 10:20

Moin,
natürlich kann man das so machen, aber wenn schon die Mathematik ins Spiel kommt, meine ich, dass z.B. ein 1mm hoher Bunddraht an de Oberseite, einen anderen Radius hat, als das darunter liegende Griffbrett.
Das ist zwar nur eine geringe Differenz, aber eigentlich brauchte man dann auch einen anderen Schleifklotz mit genau diesem neuen Radius.
Jedenfalls sehe ich das so. Ich beklebe einfach die Rückseite des Klotzes auch mit Schleifpapier und fertig...
Gruß Martin

Nobi
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Re: Bünde abrichten mit dem Radius-Schleifklotz – warum eigentlich nicht?

#3

Beitrag von Nobi » 16.05.2025, 11:49

Moin Martin,
danke für deine Rückmeldung! Ich glaube, wir meinen im Grunde dasselbe – ich verwende ja auch den Radius-Schleifklotz, mit dem ich vorher das Griffbrett bearbeitet habe, und ziehe ihn dann entlang der Bundreihe, um die Bünde abzurichten.

Dein Hinweis auf die Radiusabweichung durch die Bundhöhe ist mathematisch natürlich korrekt – theoretisch ergibt sich oben auf den Bünden ein leicht größerer Radius. Aber in der Praxis ist der Unterschied meiner Erfahrung nach so gering, dass ich ihn vernachlässige – besonders bei mittelhohen oder flacheren Bünden.

Bei deiner Formulierung mit der „Rückseite“ war ich kurz unsicher – meinst du damit auch die konkave Schleiffläche des Radiusklotzes (also die Seite, die dem Griffbrettradius entspricht)? Wenn ja, dann machen wir’s tatsächlich exakt gleich!

So oder so: Schön zu sehen, dass es bei dir auch gut funktioniert.

Viele Grüße
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Re: Bünde abrichten mit dem Radius-Schleifklotz – warum eigentlich nicht?

#4

Beitrag von jhg » 16.05.2025, 16:09

So, ich hab das Thema jetzt mal ins richtige Board verschoben und den Doppelpost gelöscht!

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Re: Bünde abrichten mit dem Radius-Schleifklotz – warum eigentlich nicht?

#5

Beitrag von kehrdesign » 16.05.2025, 22:14

Ich nutze zum Abrichten der Bünde generell sowas: -> Bild
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Re: Bünde abrichten mit dem Radius-Schleifklotz – warum eigentlich nicht?

#6

Beitrag von Yiti » 16.05.2025, 22:18

... Viele Gitarrenbauer nutzen lieber gerade Feilen oder Aluminiumprofile – das ist auch in Ordnung. Aber wer einmal mit einem perfekt passenden Radiusklotz gearbeitet hat, merkt schnell: Das ist nicht nur einfacher, sondern auch sicherer, wenn es um die Erhaltung der Geometrie geht.
Warum also nicht dem folgen, was man schon sauber vorbereitet hat?
... Der Radius wird sorgfältig gefeilt oder geschliffen, mit einer speziellen Lehre oder – wie in meinem Fall – mit einem langen Radius-Schleifklotz.
Hallo,
Die Sache wird aber noch komplizierter durch die Halsbiegung aufgrund der Saitenspannung (Relief). Ohne Saiten verändert sich dieses Relief, während der Schleifblock keine Krümmung aufweist.
(think) :?:

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Re: Bünde abrichten mit dem Radius-Schleifklotz – warum eigentlich nicht?

#7

Beitrag von kehrdesign » 16.05.2025, 22:34

Yiti hat geschrieben: 16.05.2025, 22:18 ... durch die Halsbiegung aufgrund der Saitenspannung (Relief). Ohne Saiten verändert sich dieses Relief, während der Schleifblock keine Krümmung aufweist.
(think) :?:
Bei einer Neubundierung sollte auf jeden Fall der Hals auf der GB-Seite möglichst gerade gestellt sein (nötigenfalls mittels Zweiwege-Halsstab, falls der Wegfall der Saitenspannung nicht ausreicht).

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