J wie Jazz, J wie Jolana, J wie Jahrelang

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flyaway
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J wie Jazz, J wie Jolana, J wie Jahrelang

#1

Beitrag von flyaway » 17.10.2020, 23:39

Es war einmal - so fangen ja alle Märchen an - ein Jugendlicher, der in juvenilem Übermut einen alten Gitarrenkorpus und -Hals ersteigerte um daraus eine hübsche Prinzessin zu machen...
Spornte ihn am Anfang noch die Ungeduld zu Taten an, verlor er sie aber mit nachlassender Zeit aus den Augen und schließlich schlief sie ihren langen Schlaf in einem dunklen Gitarrenkoffer....
Nach langer Zeit fand er Gleichgesinnte, die sein Interesse wiedergeweckt haben und konnte nach vergleichbar kurzer Zeit das Werk zum Ende führen und erweckte eine Prinzessin (die zwar ein paar Makel hat, aber das ist bei einem Lebensalter von 55 Jahren nunmal so), aber durch den Auftrag von genug äh etwas Makeup (naughty) und etwas Goldschmuck durchaus schön anzusehen ist und (das ist das wichtigste) Charakter und eine schöne Stimme hat.



Nunja, nach 18 Jahren konnte ich das Projekt also endlich abschließen. Und ich muss mich bei euch herzlich für die Unterstützung bedanken.
(danke1)

Fakten:
Korpus: Jolana Diskant 2, Bj 1965 Hollow-Body. http://www.jolana.info/diskant2/diskant2.html
Ahornsperrholz, die Beleistung sieht nach Fichte aus.
Hals: Framus Jan Akkermann https://www.vintage-guitar.de/detailsv ... erman.htmlReplacement Hals, Bj unbekannt.
Ahorn und Palisander-Griffbrett. Wunderschöne Einlagen.
Eingepasst durch einen Gitarrenbauer (irgendjemand aus dem Gearbuilder-Forum) mit Schwalbenschwanz.

Pickups: Rockinger Dream Team (PAF, Bellbucker)
Mechaniken, Saitenhalter: k.A., irgendwas aus der Bucht
Steg: Ebenholz, die TOM war zu flach
Pickguard / Potiknöpfe / PU-Rahmen aus Palisander geschnitzt
Lack: JoHa Öllack-Set
Schaltung: Volume, Tone, Pickup Wahl und Splitcoil (splittet beide gleichzeitig). Leider gibts den Minisschalter nicht in Gold oder Schwarz eloxiert...

Eigentlich keine große Leistung im Vergleich zu euren Projekten (Lack neu, verleimen und zusammenbauen) aber dadurch dass es mein eigentliches Erstlingswerk geworden ist bin ich ziemlich zufrieden; zumal der Klang gut ist und die Baustelle endlich fertig. Immerhin gab es ein paar Probleme zu lösen und die Lackierung war durchaus anstrengend, bedingt durch die 10+ Schichten und das immer-wieder Schleifen von Hand (in Ermangelung eines Exzenter).

Mit dem Öllack bin ich nicht 100% zufrieden; zwar ist er leicht aufzutragen (Pinsel) und riecht auch recht gut, und auch der Farbton ist toll; aber es dauert einfach ewig (Grundlack 4 Schichten, Farblack 4 Schichten und Klarlack 3 Schichten, dazwischen immer ein paar Tage bis Wochen trocknen.
Und ich bekomme ihn nicht so schön poliert wie ich gern hätte (wird aber auch als Seidenmatt beschrieben). (Vielleicht hat ja noch jemand einen Tipp)
Aufgetragen ohne Schliff hat er vielmehr Tiefe gehabt, mit dem Tripel poliert (wie es in der Anleitung steht) wirkt er etwas stumpf.

Leider habe ich beim Hals Einleimen mich beim Winkel etwas vertan; so bedarf es jetzt eine Brückenhöhe von 29mm :( Mit der Ebony-Brücke gehts, aber weniger wär schöner gewesen. Dadurch wurden auch die PU-Rahmen ziemlich hoch. :?
Aber die Halsverbindung lösen beim fast fertigen Instrument, darauf hatte ich keine rechte Lust. Quasi mit dem blauen Auge davon gekommen, immerhin jetzt viel Druck auf die Decke, dem Klang sicherlich förderlich.

Beim Binding gibts auch ein paar Fehler, das bekommt ihr sicher besser hin; aber wir oben schon erwähnt darf man mit 55 Jahren auch ein paar Makel haben. ;)
Das Pickguard wollte ich auch mit Binding versehen, bin aber aufgrund der geringen Dicke des Holzes grandios gescheitert. Das hat einfach nicht gut geklebt.
Ich hätte Sperrholz darunter leimen sollen, dann hätte es geklappt. Vielleicht probiere ich es nochmal und tausche es dann aus.

Der Klang ist klasse, der Hals ist super bespielbar. Bei Jazz bis Rock fühlt sie sich zuhause. Und sie macht viel Spaß!

Ich würde irgendwann gern nochmal was in Richtung 335 bauen; mal schauen. Erstmal Erfahrung mit Solidbodies sammeln.

Last-but-not-least:
Ich würde gern noch ein „J“ ins Pickguard und ins Trussrodcover bringen.
Dafür brauch ich aber jemanden mit einer CNC :)
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Re: J wie Jazz, J wie Jolana, J wie Jahrelang

#2

Beitrag von basementmedia » 18.10.2020, 09:03

Sieht echt richtig schick aus, sehr stimmiges Gesamtdesign. Die Arbeit hat sich gelohnt 😀 jetzt fehlt nur noch ein Video, in der das Baby zu hören ist😉
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Re: J wie Jazz, J wie Jolana, J wie Jahrelang

#3

Beitrag von Poldi » 18.10.2020, 10:29

basementmedia hat geschrieben:
18.10.2020, 09:03
Sieht echt richtig schick aus, sehr stimmiges Gesamtdesign. Die Arbeit hat sich gelohnt 😀 jetzt fehlt nur noch ein Video, in der das Baby zu hören ist😉
Dito. (clap3)
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Re: J wie Jazz, J wie Jolana, J wie Jahrelang

#4

Beitrag von hatta » 18.10.2020, 10:35

Schöne ist die geworden (dance a) (clap3)

Besonders das Schlagbrett, Poti Knöpfe und die PU Rahmen aus Holz gefallen mir sehr gut 8)

Fehlt nurnoch der Sound dazu ;) (player2)
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Gruß
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Re: J wie Jazz, J wie Jolana, J wie Jahrelang

#5

Beitrag von Drifter » 18.10.2020, 20:07

Gefällt mir unheimlich gut.

Bezüglich des Schalters: Ibanez hat goldene. Guck mal:

https://www.meinlshop.de/de/ibanez/ersa ... 0007?c=387

oder etwas billiger, dafür brauchst Du noch eine Kappe:

https://www.meinlshop.de/de/ibanez/ersa ... 3wtg?c=387

lG

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Re: J wie Jazz, J wie Jolana, J wie Jahrelang

#6

Beitrag von flyaway » 18.10.2020, 21:48

Drifter hat geschrieben:
18.10.2020, 20:07
Gefällt mir unheimlich gut.

Bezüglich des Schalters: Ibanez hat goldene. Guck mal:
(...)
oder etwas billiger, dafür brauchst Du noch eine Kappe:
Danke für den Tipp. Wird bei der nächsten Revision getauscht. :)

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Re: J wie Jazz, J wie Jolana, J wie Jahrelang

#7

Beitrag von penfield » 19.10.2020, 17:10

Sehr schön geworden (clap3)
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Re: J wie Jazz, J wie Jolana, J wie Jahrelang

#8

Beitrag von Yiti » 20.10.2020, 19:20

Zuerst mein Kompliment für die gelungene Verjüngungskur.
Wenn ich diese Gitarre sehe, habe ich starke Erinnerungen daran, als ich anfing, Gitarre zu spielen.
Jolana (Neoton, das Vorgängermodell von Diskant) war meine erste E-Gitarre.
http://www.jolana.cz/neoton/
Ich habe in den Ferien etwas Geld dafür verdient, der Rest wurde von meinen Eltern hinzugefügt und die schwarze Schönheit mit dem weißen Binding war endlich meine. Das war im Jahr 1962, ich hatte ein Jahr vor dem Abi. Sie werden also sicher mein aktuelles Alter ermitteln. Zwei Jahre später bekam ich den Drang, meine eigene Solidbody zu bauen, und nahm die Jolana Neoton als Vorbild. Die bald fertige Gitarre hat überraschenderweise gut funktioniert, sie war nur sehr schwer. Sieben Kilo :roll:
Trussrod Stahl 12 x 12 mm !!!
Trussrod Stahl 12 x 12 mm !!!
Viele Grüße
J.J. "Yiti"
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Re: J wie Jazz, J wie Jolana, J wie Jahrelang

#9

Beitrag von flyaway » 21.10.2020, 21:04

Yiti hat geschrieben:
20.10.2020, 19:20
Zuerst mein Kompliment für die gelungene Verjüngungskur.
Wenn ich diese Gitarre sehe, habe ich starke Erinnerungen daran, als ich anfing, Gitarre zu spielen.
Jolana (Neoton, das Vorgängermodell von Diskant) war meine erste E-Gitarre.
http://www.jolana.cz/neoton/
Lieber Yiti,
vielen Dank für die lieben Worte.

In der Tat sehe ich das mit Gitarren wie mit Büchern:
Es ist Frevel, solche alten Schätze wegzuwerfen (naughty) ; man sollte versuchen sie zu wertzuschätzen und wenn notwendig zu reparieren. Nicht nur wenn Fender, Martin oder Gibson drauf steht.

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