[Elektrisch, Gitarre]: Das hohle Ding aus dem Baumarkt

Moderator: jhg

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cabriolet
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Re: [Elektrisch, Gitarre]: Das hohle Ding aus dem Baumarkt

#176

Beitrag von cabriolet » 21.07.2019, 10:46

penfield hat geschrieben:
20.07.2019, 20:41
...aber vielleicht hilft die Info jemand, der sie noch nicht kennt 8)
Genau dafür sind die Bauthreads ja da. Und dabei bemerke ich dann, dass ich teilweise selber nicht so genau dokumentiere und erkläre, wie ich es mir in manch anderen Bauthreads wünsche würde (whistle) .

Beispiel: Mechaniken und Gurtknöpfe montieren, gestern auf die Schnelle.
Gerade für Neulinge sind so Dinge wie Vorbohren garnicht so selbstverständlich. Deshalb hier als Nachtrag:

Ein Gurtknopf-Loch war ja schon vorhanden, dort war der Haken eingeschraubt, an dem ich die Gitarre zum Lackieren aufgehängt hatte. Den Haken hatte ich mit der annähernd gleichen Gewindegröße ausgewählt wie die Gurtknopf-Schraube. Vorgebohrt mit ungefährem Kerndurchmesser der Schraube, hier mit 2,5mm. Und auf jeden Fall tief genug, dass die Schraube später auch ´reingeht.
Deshalb musste ich nur noch das zweite Loch am oberen Horn bohren. Da ist unbedingt auf den Winkel zu achten, dass man nicht aus Versehen im Inneren des Horns mit dem Bohrer herauskommt.
Eingeschraubt werden die Schrauben dann mit etwas Kerzenwachs auf dem Gewinde, sonst ist die nötige Kraft zum Einschrauben (auch bei weicher Fichte!) so hoch, dass man den Schraubenkopf leicht vergnaddelt oder die Schraube sogar abreißt!
Ganz besonders gilt das für die kleinen Schräubchen, die die Mechaniken sichern: Die sind so weich, die gehen fast schon beim Angucken kaputt :? Deshalb bohre ich hier lieber zu groß als zu eng vor, die Schrauben sind ja eine Verdrehsicherung und nicht auf Zug belastet. Theoretisch würde es reichen, dass die Schraube nicht herausfällt. Hier habe ich mit 2mm vorgebohrt. Die Mechaniken montiere ich vorher und richte sie sehr genau aus, die Schraublasche dient mir dann als Bohrschablone. Ganz wichtig: Tiefenmarkierung oder Tiefenanschlag, damit der Bohrer nicht auf der Vorderseite der Kopfplatte wieder herauskommt!

Jetzt aber nochmal zurück zum "gebürsteten" Finish: Ja, da war die versaute Lackierung tatsächlich ein Glücksgriff. Auch wenn man aus manchen Winkeln immer noch die vorher missratene Oberfläche sieht. Es sind teilweise noch Krater vorhanden, die ich mich aber nicht traue, herauszuschleifen, weil an manchen Stellen schon winzige holzfarbene Pünktchen auftauchen.
Der Look gefällt mir aber so gut, dass ich auf jeden Fall nochmal eine Gitarre so behandeln will. Da weiss ich aber jetzt, dass ich nach Möglichkeit eine noch dickere und möglichst fehlerfreie Lackschicht brauche.

Gruß
Markus

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Re: [Elektrisch, Gitarre]: Das hohle Ding aus dem Baumarkt

#177

Beitrag von micha70 » 21.07.2019, 11:10

cabriolet hat geschrieben:
20.07.2019, 19:19
micha70 hat geschrieben:
20.07.2019, 16:56
+1 und dann nochmal das Ding mit dem glänzend schwarzen Schriftzug in anders ;)
Ich steh´grad etwas auf dem Schlauch... Was meinst du? Schriftzug gibt´s keinen und wird´s auch nicht geben, Spannstababdeckung wird einfach mattschwarz.

Gruß
Markus
Tja, ziemlich schwächer Versuch von mir. Zugegeben. Sorry, dafür!

Ich dachte an dies hier https://www.gitarrebassbau.de/viewtopic ... 62#p149858 um vollkommen eigennützig an eine, wie von Dir gewohnt, schöne Anleitung zu kommen.
Viele Grüße
Micha

Ich habe keine eigene Seite. Deswegen klemme ich mir die von meiner Tochter: www.quartetto-paganino.com

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Re: [Elektrisch, Gitarre]: Das hohle Ding aus dem Baumarkt

#178

Beitrag von cabriolet » 21.07.2019, 11:25

Ah, ok.
Da ich bisher aber noch kein eigenes Logo oder einen Schriftzug entwickelt habe, bleiben soche Dinge erstmal dem Urs überlassen :lol:.
Aber wenn ich mich recht erinnere, lackiert er seine Schriftzüge immer mit lasergeschnittenen (Klebe- ?) Schablonen, in dem Fall einfach Glanz-Schwarz auf die vorher mattlackierte Kopfplatte.

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Re: [Elektrisch, Gitarre]: Das hohle Ding aus dem Baumarkt

#179

Beitrag von thoto » 22.07.2019, 11:32

Ich finde die gebürstete Optik so klasse, dass ich überlege, das bei meiner auch so zu machen... (think)

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Re: [Elektrisch, Gitarre]: Das hohle Ding aus dem Baumarkt

#180

Beitrag von cabriolet » 27.07.2019, 21:16

Was den Steg angeht, habe ich mich immer noch nicht entschieden, also ging´s heute erstmal am anderen Ende weiter:
Sattel-Bau.

Der Sattel ist hier ja "nur" Saitenführung, wegen Nullbund. Trotzdem muss der präzise gearbeitet sein, damit die Saiten zwar am Nullbund nach unten abknicken, der Saitendruck aber auch nicht so hoch wird, dass sich die Saiten in den Nullbund eingraben. Und seitwärts bewegen dürfen sich die Saiten in der Saitenführung auch nicht, sonst gibt´s beim Saitenziehen unschöne Geräusche, wenn die Saite auf dem Nullbund rollt. Aus den gleichen Grund muss die Saitenführung auch so dicht wie möglich an den Nullbund heran.

Aber der Reihe nach...

Ich mag keine hellen Sättel (Knochen etc.) auf Gitarren, an denen sonst nichts die gleiche Farbe hat, wie z.B. elfenbeinfarbenes Binding oder auch ein Knochensteg.
Ok, hier habe ich das schmale Fake-Binding, trotzdem gefällt mir hier ein schwarzer Sattel besser. Schwarzes Tusq liegt noch hier, aber auch der Rest einer Büffelhorn-Platte. Das Horn ist zwar nicht richtig schwarz, aber ich hatte daraus schon einmal einen Steg und einen Sattel gebaut, wenn das poliert ist und kein Licht durchscheinen kann, wirkt es richtig schwarz.

Also kurzerhand ein passendes Stück abgesägt.
Zum Glück mit einem recht billigen Sägeblatt, das sah danach nämlich so aus (whistle) :
Das als Warnung für alle, die harte spröde Dinge mit einer Japansäge mit gehärteten Zähnen sägen wollen. In Zukunft mache ich sowas wieder mit der Puk-Säge mit Blättern für Metall.

Schleifen und feilen lässt sich das Horn ähnlich gut wie Knochen. Und stinkt ähnlich. Also mit Feilen in Form gebracht
und mit 400er über 600er und 1000er bis auf 2000er Papier hochpoliert. Das Papier lag dabei auf meiner Iso-Matte, die ich gern als Arbeitsunterlage verwende, damit habe ich einen weichen Untergrund und kann problemlos auch die Rundungen und die der Griffbrettwölbung angepasste Oberseite polieren.

So sieht das jetzt aus:
Der Steg ist aber nur lose aufgesetzt, denn wie gesagt soll er noch näher an den Nullbund heranrücken. Und auch die Unterseite passt noch nicht hundertprozentig. Das anzupassen macht ja aber erst Sinn, wenn die entsprechende Auflagefläche am Hals vorhanden ist.
Mit den beiden Punkten geht´s dann morgen weiter.

Gruß
Markus

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Re: [Elektrisch, Gitarre]: Das hohle Ding aus dem Baumarkt

#181

Beitrag von cabriolet » 28.07.2019, 14:08

Heute dann zuerst ein Stückchen vom Griffbrett abgesägt, möglichst nah am Nullbund, dann die Auflagefläche für den Sattel mit dem Beitel nachgearbeitet und an Stellen, wo man jetzt auch bei aufgesetztem Sattel die nackte Fichte sehe würde, vorsichtig mit schwarzem Lackstift ausgebessert. Das Fake-Binding muss ich dann später sorgfältig anpassen.
Der Sattel braucht natürlich auch noch Kerben. Die mache ich grundsätzlich mit einer sehr scharfkantigen Dreikant-Schlüsselfeile. Die Meinungen, ob genau in der Breite an die Saiten angepasste Kerben mit oder ohne gerundeten Grund oder V-förmige Kerben besser sind, gehen ja weit auseinander. Ich mag nunmal am liebsten die V-Form, die ist mit einfacheren Mitteln zu fertigen (ich brauche keine Sattelsägen und muss auch den Grund später nicht irgendwie verrunden) und ist, zumindest mit Nullbund, variabel in der verwendeten Saitenstärke.
Ohne Nullbund sähe das Thema ein bisschen anders aus, da muss eine definierte Tiefe der Kerbe her. Aber selbst da beginne ich mit der Dreikantfeile.
Zunächst etwa 3,5mm von der jeweiligen Außenkante eine Kerbe gefeilt
und dann den verbleibenden Raum von 35mm möglichst gleichmäßig verteilt. Auch das ist wieder Geschmackssache, ich mag gleichmäßige Abstände, manch Anderer bevorzugt gleichmäßige Zwischenräume zwischen den Saiten. "Anzeichnen" mache ich hier sehr vorsichtig mit einem leichten Feilenstrich, Bleistift wäre auf dem Horn kaum sichtbar.
Hier ebenso die Kerben gefeilt.
Mit der oberen Sattelkante minimal über Nullbundniveau liegen die Kerben jetzt minimal darunter. Und die tiefe E-Saite wird wohl noch nicht gut genug geführt, da muss das V noch tiefer. Das wird aber später, wenn auch der Steg fertig ist und Saiten aufgezogen werden können, final angepasst, die Gesamthöhe dann über Abschleifen auf der Unterseite eingestellt.
Nicht von der Perspektive täuschen lassen, ich komme mit der Kamera ja nicht bis auf Bund-Niveau herunter und die schräggestellten Nullbundstücke tun ihr übriges: Die Kerben sind tatsächlich alle etwa 0,2 mm unter Nullbund-Niveau.
Noch einmal kurz überpoliert, und so sieht das jetzt aus:
Gruß
Markus

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Re: [Elektrisch, Gitarre]: Das hohle Ding aus dem Baumarkt

#182

Beitrag von Poldi » 30.07.2019, 05:32

Sauber (dance a)

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Re: [Elektrisch, Gitarre]: Das hohle Ding aus dem Baumarkt

#183

Beitrag von Goldschmied » 30.07.2019, 09:31

Ja, wirklich sehr sauber! Allgemein gefällt mir die Gitarre richtig gut! Auch deine ausführlichen Erklärungen sind klasse! Da braucht man fast keine Bilder :D

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Re: [Elektrisch, Gitarre]: Das hohle Ding aus dem Baumarkt

#184

Beitrag von penfield » 31.07.2019, 08:32

Goldschmied hat geschrieben:
30.07.2019, 09:31
Ja, wirklich sehr sauber! Allgemein gefällt mir die Gitarre richtig gut! Auch deine ausführlichen Erklärungen sind klasse! Da braucht man fast keine Bilder :D
Sehe ich auch so (clap3)
SGmaster, Peacemaster 3P90, Double neck fretless/fretted,
Quickbird, Basslownia, FrameBird, Violin Bass Bausatz.
Sollte an Les Paulownia arbeiten, hat aber den Umbau der Mystery Guitar und jetzt noch der Semmelblonden JMs eingeschoben...

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Re: [Elektrisch, Gitarre]: Das hohle Ding aus dem Baumarkt

#185

Beitrag von cabriolet » 03.08.2019, 12:24

Goldschmied hat geschrieben:
30.07.2019, 09:31
Da braucht man fast keine Bilder :D
Manchmal mache ich wohl aber auch nicht genug Bilder. Sonst hätte jemand von euch bestimmt den dicken Bock auf der Lichtung stehen sehen, den ich geschossen habe :? . Aber dazu später mehr...

In kleinen Schrittchen ging´s diese Woche immer mal mit dem zweiten Versuch eines Stegs weiter. Den ersten Versuch als grobe Vorlage, ein weitere Stück Pertinax ausgesägt
und das dann, wieder mit Feilen und Schlefleinen, grob in Form gebracht. Auf der Oberseite zwei Schlitze für die Bunddraht-Stückchen gesägt und die Füße ungefähr der Deckenwölbung angepasst. So sah das dann gestern abend aus:
Heute dann feiner geschliffen, die Edelstahl-Bunddraht-Stücke abgelängt, verrundet und eingesetzt. Die Widerhaken am Tang musste ich ein wenig abfeilen, damit ich mir das Pertinax nicht sprenge und der Bunddraht später wieder heraus geht. Die Saitenerdung muss ja noch gemacht werden.
Jetzt konnte ich mal grob die spätere Saitenlage checken: Passt ungefähr (dance a) , mit leichter Halsdurchbiegung unter Saitenzug sollten sich etwa 2mm im 12.Bund ergeben, viel muss dann später an den Brücken-Füßen nicht mehr weg.
Also nicht lange gefackelt und Saiten aufgezogen. Ja, die sind neu und trotzdem rostig :evil: . Frisch aus der Versiegelung, war leider nicht das erste Mal.
Die Saiten mit möglichst gleichmäßigen Abständen auf dem Steg verteilt und dann jeweils eine nach der anderen ein Stück zur Seite gerollt und eine leichte Kerbe gefeilt, damit die Saiten später auch in Position bleiben.
Schon beim Aufziehen habe ich mich immer wieder in der Dreh-Richtung der Mechaniken vertan, aber erst beim sauberen Stimmen habe ich bemerkt, dass da etwas nicht stimmt: Die Mechaniken laufen entgegengesetzt der üblichen Drehrichtung... seltsam :? . Sicherheitshalber mit einer anderen Gitarre gegengecheckt, und... ja, ich habe linke und rechte Mechaniken vertauscht :shock: . Soviel zu Erklärungen mit wenig Bildern (whistle).
Naja, lässt sich beheben, ich muss dann eben neue Löcher für die Schräubchen bohren und die alten füllen. Aber das mache ich ein anderes Mal, jetzt darf sich die Gitarre erst einmal an den Saitenzug gewöhnen und wird auch schon mal ausgiebig probegespielt. Natürlich noch komplett akustisch, die Elektrik ist dann die nächste Baustelle. Zur Zeit liegt die Saitenlage (12.Bund) tatsächlich bei recht genau 2mm bei allen Saiten.
Interessant auch, dass das Ding recht laut ist. Mal sehen, wie weit sich das noch durch den Tonabnehmer ändert, jetzt dient sein Ausschnitt ja noch als Schalloch.
Gruß
Markus

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Re: [Elektrisch, Gitarre]: Das hohle Ding aus dem Baumarkt

#186

Beitrag von ugrosche » 03.08.2019, 14:45

sehr, sehr geil! (clap3)
Gefällt mir persönlich ausgesprochen gut. Und hat ein paar coole Details, wie die "Brush-Lackierung", der kompensierte Nullbund und die Saitenhalter. Außerdem ist das ein guter "Lern-Thread" wegen der ausführlichen Beschreibungen und Erklärungen.

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Re: [Elektrisch, Gitarre]: Das hohle Ding aus dem Baumarkt

#187

Beitrag von DoppelM » 06.08.2019, 00:17

Jepp, echt schick geworden :)
All you need for a good song is three chords and the truth.

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Re: [Elektrisch, Gitarre]: Das hohle Ding aus dem Baumarkt

#188

Beitrag von cabriolet » 09.08.2019, 11:33

Im Laufe der Woche habe ich immer mal wieder, bevor ich auf die Arbeit musste, ein bisschen weiter gemacht.

Die vertauschten Mechaniken sind an ihren richtigen Ort gewandert. Dazu zuerst natürlich die Saiten ab, dabei vorher die Position der Brücke (die ja nur aufgesetzt ist) mit Klebestreifen-Stückche markiert.
Die kleinen Schraubenlöcher auf der Kopfplattenrückseite müssen garnicht so sorgfältig verschlossen werden wie man auf den ersten Blick denkt, die verschwinden nämlich fast vollständig unter dem Gehäuse der Mechaniken. Also kurzerhand einen Schaschlikspieß am stumpfen Ende etwas konisch geschliffen (einfach ein paar Züge auf Schleifleinen, den Spieß dabei gedreht) und abgesägt, das dann sechs mal. Die Spieß-Stückchen in die Löcher hineingedrückt bis sie bündig sitzen, jeweils ein Tupfen schwarzer Lack ´drauf, das reicht.
Die Mechaniken jetzt in der richtgen Anordnung wieder eingesetzt, ausgerichtet, durch die Schraublaschen neue Löcher gebohrt und die Schräubchen eingedreht (Wachs nicht vergessen!). Fertig.
Sehen kann man das nur, wenn man schräg unter die Mechaniken schaut:
Zweite Mini-Baustelle: Der Sattel bzw. die Saitenführung. Mini-Baustelle deshalb, weil das Probespielen gezeigt hat, dass ich die Gesamthöhe und die Tiefe der Kerben genau getroffen hatte. Da musste ich garnichts "einstellen" oder nacharbeiten, also das Ding mit einem winzigen Tropfen Titebond in Position geklebt.

Am anderen Ende der Saiten hat ein bisschen mehr Arbeit gewartet. Die Saitenlage am 12.Bund lag bei allen Saiten bei etwas über 2mm (mit Fühlerlehren plus dickem Plektrum habe ich 2,2 mm gemessen). Da wollte ich gerne etwa einen halben Millimeter tiefer bei der hohen e-Saite.
Ohne Saiten, mit Aluschiene, sah das so aus, das Plek ist 1,5mm dick:
Um am 12. Bund 0,5mm herunter zu kommen, muss am Steg ein ganzer mm weg, also habe ich den diskantseitigen Fuß des Stegs um eben diesen mm abgefeilt. Und zwar nur diesen, dadurch hole ich die Bass-Saiten weniger weit herunter. Natürlich mussten dann beide Füße wieder an die Decken-Wölbung angepast werden, das mache ich am liebsten mit ständigem Anprobieren und stückweisem Zurechtfeilen, andere schleifen lieber die Füße auf einem auf die Decke geklebten Stück Schleifpapier passend.
Das ist dann das Ergebnis:
Also die Saiten wieder ´drauf, gestimmt, ein paar Töne gespielt und ein Knall :shock:
Das ist passiert:
Nix Schlimmes also. Aber ärgerlich, die Saiten kamen ja schon rostig aus der Verpackung.

Eine einzelne e-Saite habe ich nicht hier, also erst einmal die Saitenlage mittels Plektrum an der H-Saite gecheckt. Sollte so passen, sind etwa 1,7mm, an der tiefen E-Saite etwas mehr.
Jetzt muss noch ein neuer Satz Saiten ´drauf, dann wird weiter probegespielt.

Gruß
Markus

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Re: [Elektrisch, Gitarre]: Das hohle Ding aus dem Baumarkt

#189

Beitrag von ugrosche » 09.08.2019, 13:50

Die Brücke gefällt mir sehr gut. (dance a)
cabriolet hat geschrieben:
09.08.2019, 11:33
...
Also die Saiten wieder ´drauf, gestimmt, ein paar Töne gespielt und ein Knall :shock:
Das ist passiert:IMG_1724.JPG
Nix Schlimmes also. Aber ärgerlich, die Saiten kamen ja schon rostig aus der Verpackung.
...
Das kenne ich. Hatte ich bei diesem mehrfachem Probe-Setup auch schon mal mit richtig teuren Saiten. Deshalb habe ich mir bei der letzten Bestellung 10 Sätze "Hausmarke-Saiten" für 1,5€ pro Satz mitbestellt. Die kommen dann für die Setup-Anpassungen drauf und wenn sie das überleben, können sie noch ein paar Wochen draufbleiben. Die "guten" Saiten kommen dann später dran, wenn sich alles etwas gesetzt hat.

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Re: [Elektrisch, Gitarre]: Das hohle Ding aus dem Baumarkt

#190

Beitrag von Haddock » 10.08.2019, 11:36

Hallo Markus,

ich bin von Deiner Gitarre begeistert! Bravo (clap3)

Gruss
Urs

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#191

Beitrag von cabriolet » 11.08.2019, 17:16

Als Nächstes steht der Pickup-Bau an, das Format habe ich ja durch den Ausschnitt in der Decke vorgegeben. trotzdem kommt da kein "normaler" P90 ´rein, ich habe da etwas Spezielles vor:
In meiner PU-Testgitarre befindet sich noch immer eines meiner Erstlingswerke, ein Humbucker im Single-Coil-Format. Aber mit den zwei Spulen in einer Linie, jede erfasst nur 3 Saiten. Also ähnlich wie im P-Bass, aber nicht versetzt. Das Ding sieht so aus:
Zuerst hatte ich ihn in Neck-Position und war wenig begeistert: Nicht aufgrund des eigentlichen Klangs, sondern weil beim Saitenziehen der Ton der G-Saite komplett abstarb, weil das Magnetfeld zwischen den beiden Spulen eben völlig anders verläuft. In Bridge-Position ist das Problem aber verschwunden, so weit kann ich die Saiten garnicht ziehen ;) . Und da überzeugt mich das Teil völlig.
Da ich hier aber mehr Platz zur Verfügung habe, werden die beiden Spulen P90-mäßig flacher und breiter und auch deutlich "heisser" gewickelt werden und zum zusätzlichen Platzgewinn noch durch Schrägstellung versetzt. Untypisch für einen P90 werden aber die Magnete, da nehme ich die gleichen Stabmagnete werden wie die im gezeigten Singlecoil-Format verwendeten: AlNiCo (aber keine Ahnung welches :badgrin: ) 5x15mm von Conrad-Elektronik, davon habe ich noch ein ganzes Rudel hier. Und ein echtes Cover wird´s nicht geben, die Spulen bleiben von der Seite sichtbar. Nur ein "Deckel" in P90-Abmessungen kommt obendrauf.
Mal sehen, wie viel Draht ich da ´drauf bekomme, bei dem oben gezeigten wäre zwar noch Platz bei jetzt je 5.000 Wicklungen pro Spülchen, aber das war 0,050er Draht, jetzt werde ich 0,063er nehmen. Notfalls weiche ich auf 0,056er aus, den habe ich auch noch hier.
Ein paar zusätzliche Besonderheiten wird´s noch geben, aber dazu dann später mehr, wenn es soweit ist. Bilder gibt´s noch keine, weil das bisher nur Planung im Kopf ist.

Gruß
Markus

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#192

Beitrag von cabriolet » 13.08.2019, 18:36

Heute mal das Material für den Tonabnehmer zusammengesucht und dabei festgestellt, dass ich zwei angefangene Rollen 0,063er Draht hier habe. Und nicht wie gedacht je eine 0,063 und 0,056 :roll: . Da war ein wenig Hin- und Her-Rechnerei angesagt, wie das platzmäßig ausgeht. Ich werde die Spulen wohl höher machen müssen, als ursprünglich gedacht, weil ich mindestens 2x8.000 Wicklungen haben möchte.

Angefangen habe ich aber mit den Magneten, denen habe ich jeweils an einem Ende eine Fase verpasst. Dazu einfach in die Standbohrmaschine gespannt und bei höchster Drehzahl mit einem mit Schleifleinen beklebten Brett geschliffen. Den entstehenden am Magneten hängenden Schleifstaub dann (natürlich bei stehender Maschine!) mit Klebeband entfernt, lässt sich damit einfach abtupfen.
Danach dann mit etwas Stahlfix auf einem stabilen Lappen ebenfalls in der Standbohrmaschine poliert.
Das hat allein optische Gründe, ich denke nicht, dass diese minimale Änderung der Magnetgeometrie klangliche Auswirkungen hat. Deshalb reicht es auch, jeweils nur ein Ende jedes Magneten zu bearbeiten. Man muss nur das jeweils richtige nehmen, hier brauche ich ja 3 mal Süd- und 3 mal Nord-Pol oben.
Gelagert werden die Magnete bei mir immer einfach aneinandergereiht, damit ihnen nicht durch eventuelles Durcheinander in meiner Magnet-Kiste die Magnetisierung abhanden kommt. Passiert bei AlNiCo sonst recht leicht. Zusätzlich packe ich bei AlNiCo-Stäben gerne noch Neodym-Pillen dazu, so auch hier:
So bleibt das jetzt liegen, bis die Magnete in die Bobbins eingebaut werden.

Gruß
Markus

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