Die Dritte, Die Vierte, Die Fünfte und Die Sechste

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Sven2
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Re: Die Dritte, Die Vierte, Die Fünfte und Die Sechste

#201

Beitrag von Sven2 » 16.06.2018, 22:35

Heute wieder nur kurz.
Nach dem ersten Beischleifen war nun Retuschieren angesagt.
Ich habe mir einen Span aus dem gleichen Ahornfurnier angespitzt und in die Lücke gesteckt. Darauf kam dann ein Tropfen Sekundenkleber und ein Sprühstoß Beschleunigerspray.
Auf der gegenüberliegenden Seite war es etwas aufwendiger. Hier brauchte ich drei Späne.
Nach vorsichtigem Abschneiden und Beischleifen der Späne, ergab sich dieses abschließende Bild.
Ich bin ganz zufrieden. Trotzdem wäre ich ganz froh gewesen, wenn es mir wenigstens bei einer der drei Gitarren gelungen wäre, das Furnier sauber um die Ecke zu führen.
Aber das erfordert einfach viel mehr Übung. Und mehr Routine. Und eine bessere Lupenbrille. Und mehr Licht. Und ein 3mm Stecheisen ohne Kehlung auf der Spiegelseite.
Als nächstes ist das Griffbrett an der Reihe.
Sven

Der Sängerchor trinkt Bier vom Fass,
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Griffbrett die 4.

#202

Beitrag von Sven2 » 18.06.2018, 23:18

Heute habe ich am Griffbrett die Schalllochrundung ausgesägt und diese Kante verrundet. Anschließend das Griffbrett aufgeleimt und dann war schon wieder Schluss.
Jetzt haben alle vier Gitarren ihr Griffbrett.

Fehlen noch zwei Stege, alle Sattel, alle Stegeinlagen, alle Bundstäbchen, alle Lackierungen, alle Mechaniken und alle Saiten...

Sven

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Stege

#203

Beitrag von Sven2 » 22.06.2018, 18:14

Nun waren noch zwei Stege zu machen.
Ich hatte noch zwei Ovangkol-Rohlinge übrig, daher fiel die Wahl auf diese. Wie man sieht, sind die Rohlinge nicht ganz vollständig, aber ich war zuversichtlich, dass diese Teile im Bereich des Verschnitts liegen würden.
Die diversen Längsschlitze habe ich mit meiner Feinkreissäge gemacht. Zum genauen Einstellen der Säge, habe ich eine selbst gemachte Vorlage aus Buche verwendet.
Damit konnte ich die Schlitztiefe und die Schlitzposition recht genau einstellen. Die Idee habe ich aus einem Youtube-Video des Gitarrenbauers Robert O'Brien.
Da mein breitestes Sägeblatt nicht breit genug für alle Schlitze ist, musste ich manche Schlitze in zwei Durchgängen sägen. Am Knüpfblock, wo die Kantenverstärkung aus Knochen engesetzt werden, habe ich einfach einen Streifen Holz stehenlassen und später mit dem Stecheisen entfernt.
Meine Stege mache ich 17cm lang. 8cm für den Knüpfblock und 4,5cm für die Flügel. Damit ist der Steg etwas kürzer als das Stegfutter auf der Deckeninnenseite.
Die weiß eingezeichneten Querschnitte habe ich mit der Hand gesägt.
Anschließend habe ich mit der Bandsäge von den Enden her den Überschuss abgesägt. Da sich die Schnitte sauber getroffen haben, ist der Verschnitt direkt abgefallen.
Zum Bearbeiten der Flügel habe ich den Steg auf einem Holzklotz fixiert, der es mir erlaubt hat von allen Seiten gut heran zu kommen und alles gut zu sehen.
Zunächst habe ich das überschüssige Holz in den Winkeln des Knüpfblocks entfernt.
Hier hat mich mein 3mm Stecheisen wieder geärgert, weil es auf der Spiegelseite eine Kehlung hat und deswegen auf der Kante nicht plan auflag, sondern ständig kippelte und ich Angst hatte mir den rechten Winkel kaputt zu machen.
Für die Kantenverstärkung habe ich eine Stegeinlage aus Knochen verwendet. Als erstes habe ich mit dem Tellerschleifer sichergestellt, dass ich saubere rechte Winkel habe.
Dann habe ich die Stegeinlage längs durchgesägt und die Beiden Teile mit den sauberen rechten Winkeln nach unten in die Winkel des Knüpfblocks geklebt. Dafür habe ich Sekundenkleber und Einmalhandschue verwendet, um mir nicht die Finger an den Steg zu kleben...
Nachdem ich die Überlänge vorsichtig abgesägt und beigefeilt habe, habe ich den Überstand auf der Oberseite abgetragen. Mit meiner Iwasaki-Feile ging das flott und sehr kontrolliert.
Diese Iwasaki-Feilen machen eine einwandfreie Oberfläche!
Die Rampe zum Knüpfblock hin, habe ich ebenfalls mit der Iwasaki gemacht. Die weiße Buntstiftmarkierung auf der Oberseite hat mir als optische Orientierung geholfen, um parallel zum Schlitz für die Stegeinlage zu bleiben.
Danach habe ich noch mit dem Hobel den Stegeinlageblock etwa 1mm niedriger gemacht als den Knüpfblock. Eventuell gehe ich später sogar noch etwas tiefer.
Nun habe ich den Steg wieder auf dem Holzklotz fixiert und die Flügel nach Augenmaß verrundet. Die Flügel sind 4mm dick.
Die Kanten an den Flügelenden habe ich mit dem Tellerschleifer gemacht.
Das ist schön ordentlich geworden. Dieser Tellerschleifer ist echt Gold wert!
Nachdem ich die Knocheneinlagen noch verrundet habe, kam der Stegeinlageblock an die Reihe.
Die Außenwand des Stegeinlageblocks mag ich leicht nach hinten geneigt. Dafür habe ich unter den Knüpfblock ein Stück Zargenverschnitt der jeweiligen Gitarre gelegt und den dadurch entstandenen Überhang mit dem Hobel abgehobelt.
So soll das sein!
Leider ist mir beim Verrunden der Flügel am Knüpfblock ein Span ausgebrochen. Hier muss ich also noch etwas Reparaturarbeit leisten, sonst kann und will ich den Steg nicht verwenden. Aber das wird schon klappen.
Nun kommt noch der zweite Steg an die Reihe und anschließend werden die Löcher gebohrt.

Sven

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Re: Die Dritte, Die Vierte, Die Fünfte und Die Sechste

#204

Beitrag von thoto » 22.06.2018, 19:27

Sieht schon echt klasse aus! Vielen Dank für die ausführliche Darstellung der Einzelschritte! (clap3)
Thoto
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Re: Die Dritte, Die Vierte, Die Fünfte und Die Sechste

#205

Beitrag von AsturHero » 22.06.2018, 21:12

super klasse!! Schön auch für mich als NICHT Akustik-Bastler zu sehen, wie so eine klassische Bridge entsteht..nu weiss ich wie so etwas gemacht wird..lieben Dank für die ausfühgrliche Bebilderung und Beschreibung :)
lg Antonio

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Re: Die Dritte, Die Vierte, Die Fünfte und Die Sechste

#206

Beitrag von Poldi » 23.06.2018, 10:59

thoto hat geschrieben:
22.06.2018, 19:27
Sieht schon echt klasse aus! Vielen Dank für die ausführliche Darstellung der Einzelschritte! (clap3)
Dito. (clap3)

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Und weiter...

#207

Beitrag von Sven2 » 03.07.2018, 20:07

Diesmal wollte ich endlich die Doppellochbohrung auspropieren. Vom Hauptloch aus habe ich das zweite Loch in Richtung der Basssaiten gebohrt. Der Abstand beträgt 3mm. Wenn ich das zweite Loch etwas höher angesetzt hätte, dann würde das durch die Schlaufe laufende Saitenende waagerecht liegen und nicht nach oben zeigen. Dafür will ich mir aber irgendwann mal eine richtige Bohrschablone machen. Alle Löcher auf gleicher Höhe war für den ersten Versuch einfacher. Durch die Kantenverstärkung hätte ich auch nicht mehr viel Spielraum gehabt.
Vor dem Aufleimen des Stegs kam aber noch das Abrichten des Griffbrettes an die Reihe. Zunächst mal habe ich sichergestellt, dass das Griffbrett komplett plan ist. Dann wollte ich das Griffbrett auf der Basseite etwas absenken, um den Basssaiten ein weing mehr Raum zum Schwingen zu geben. Mit zwei Reststücken von Stegeinlagen, welche 2,5mm und 3,3mm dick sind habe ich an der Position der Stegeinlage meine gewünschte Höhe vorgegeben.
Dann habe ich mir mit einem dicken Aluminiumlineal die Verlängerung des Griffbretts bis zu den Markierungen angesehen.
Auf der Diskantseite hat es ziemlich genau gepasst.
Auf der Basseite war es noch zu hoch.
Wie man in der Zeilupe sieht, bin ich hier noch etwa einen Millimeter zu hoch herausgekommen.
Anschließend habe ich mir den Bereich des Griffbrettes markiert, den ich absenken musste.
Mit ein ppar Hobelzügen war das Material schnell abgetragen. Dabei musste ich natürlich mit dem Alulineal immer wieder prüfen, ob das Griffbrett auf der Bassseite immer noch plan ist.
Wie man sieht, lag das Lineal jetzt fast auf der Markierung auf. Nach dem fein Schleifen des Griffbretts hat es dann genau gepasst.
Die Idee dazu habe ich von dem Gitarrenbauer Pablo Requena: https://www.youtube.com/watch?v=gtZ3SVHvMLo
Nun kam der Steg an die Reihe. Wie man sieht, passt der Steg noch nicht genau auf die gewölbte Decke. Ich musste in die Unterseite des Stegs noch die passende Wölbung hineinarbeiten.
Zunächst habe ich etwas grobe Vorarbeit mit der Ziehklinge geleistet. Dabei kann es aber leicht passieren, dass man die Stegunterseite in Längsrichtung ballig schabt. Also musste ich die Fläche immer wieder quer mit einem Lineal prüfen.
Dann habe ich einen frischen Bogen 120er Schleifpapier auf die Decke gelegt und darauf der Stegunterseite den letzten Schliff gegeben. Das ging dann ziemlich schnell. Zwei Bleistiftmarkierungen an den Zargen haben mir dabei gezeigt, wo der Steg später sitzen wird.
Danach habe ich den Steg endlich auf die Decke geleimt.
Ähnlich wie bei der Regel "Messen-Messen-Schneiden" gilt beim Stegaufleimen "Messen-Messen-Kleben"...
Dasselbe muss ich nun noch mit der Zirikote-Gitarre machen.

Sven

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Re: Die Dritte, Die Vierte, Die Fünfte und Die Sechste

#208

Beitrag von bea » 04.07.2018, 09:14

Doppelbohrung in Brücke? Was ändert das beim Aufziehen der Saiten? Wird es nicht noch fuddeliger als es so schon ist?
LG

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Re: Die Dritte, Die Vierte, Die Fünfte und Die Sechste

#209

Beitrag von liz » 04.07.2018, 09:34

bea hat geschrieben:
04.07.2018, 09:14
Doppelbohrung in Brücke? Was ändert das beim Aufziehen der Saiten? Wird es nicht noch fuddeliger als es so schon ist?
Beim Einzelloch muss man das Saitenende unter der Saite durchziehen, was bewirkt, dass die so gebildete Schlaufe die Saite nach oben zieht - dies beeinflusst den Saitenknickwinkel negativ, manchmal so negativ, dass man einen Schnarrsteg bekommt. Beim Doppelloch fällt die Schlaufe weg. Zusätzlich kann man das erste Loch tiefer bohren als das Befestigungsloch.

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Re: Die Dritte, Die Vierte, Die Fünfte und Die Sechste

#210

Beitrag von Sven2 » 04.07.2018, 13:03

bea hat geschrieben:
04.07.2018, 09:14
Doppelbohrung in Brücke? Was ändert das beim Aufziehen der Saiten? Wird es nicht noch fuddeliger als es so schon ist?
Im Gegenteil! Der Knoten am Steg entfällt, was insbesondere bei den Basssaiten eine Erleichterung ist.
Hier ein Bild aus Liz Bauthread: https://www.gitarrebassbau.de/download/ ... &mode=view

Sven

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