Alternatives Fügen von Korpushälften

Wie baue ich mir eine elektrische Gitarre?

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Alternatives Fügen von Korpushälften

#1

Beitrag von Titan-Jan » 21.09.2020, 14:45

Die übliche Vorgehensweise ist ja, die Leimflächen eben und rechtwinklig zu hobeln. Das stellt mich (und wahrscheinlich auch einige andere hier) immer wieder vor eine echte Herausforderung. Klar kann man das lernen und hobeln macht auch Riesenspaß! Aber ich wollte mal eine Alternative in den Raum werfen.

Was spricht dagegen, die Leimflächen mit so einem Verleimfräser (mit Lamellen oder Nut und Feder) zu bearbeiten?

Müsste doch rein technisch gesehen eigentlich sogar noch besser sein oder? Und (Tischfräse vorausgesetzt) müsste es auch leichter umzusetzen sein, denke ich. Nachteil (oder cooles kleines optisches Gimmick) ist halt, dass die Leimnaht an den Stirnseiten sichtbar anders aussieht...
Was denkt ihr dazu?

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Re: Alternatives Fügen von Korpushälften

#2

Beitrag von Rallinger » 21.09.2020, 15:00

Spontan fallen mir zwei Dinge ein, die dagegen sprechen. Die Fräsungen haben ja oben eine Überdeckung. D.h. entweder deine Fügenaht ist nicht auf der Centerline. Da kannst du zwar mit Versatz fräsen, aber dann hat das Zickzack an der Zarge einen Versatz dazu. Fänd ich jetzt beides nicht so sexy.

Zudem wirst du vermutlich ein Problem bekommen, einen Verleimfräser mit ausreichender Höhe zu kriegen. Der von Feinewerkzeuge hat z.B. nur 36mm. Das gibt schon einen sehr "slimmen" Body. Es mag welche mit einem größeren Fräsbereich geben. Aber Werkzeuge in "Übergröße" sind dann meist nicht gerade billig ...

Eine mögliche Lösung für beide Einwände wäre natürlich, das Top normal zu fügen und den Bodyplank darunter mit dem Verleimfräser. Das hätte schon was, so rein optisch. Aber dann bist du halt wieder beim Hobeln ...

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Re: Alternatives Fügen von Korpushälften

#3

Beitrag von KNGuitars » 21.09.2020, 15:14

einen verleimfräser/Fräser mit nuten und federn würd ich auch aus den von ralf genannten gründen nicht verwenden

was du aber machen kannst: einen herkömmlichen geraden nufräser verwenden, und dann an einem möglichst geraden anschlag die leimflächen nachfräsen
lg klaus

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Re: Alternatives Fügen von Korpushälften

#4

Beitrag von jhg » 21.09.2020, 15:50

Du hast den entscheindenden Punkt schon genannt: "Tischfräse"! Und damit sind nicht die Bastelteile mit einer Handoberfräse gemeint sondern eine richtige, stationäre Fräse. Dafür gibt es dann Messerköpfe mit entsprechenden Profilen. Um damit auch eine wirklich gerade Fläche zum Verleimen fräsen zu können, muss auch das Teil schon gerade sein und die Fräse entsprechend präzise. Denn es geht hier ja um 1/100mm die man hinterher beim Verleimen sieht.
Dazu kommt noch, dass die Verleimfräser in den Nutspitzen etwas Luft lassen, damit sich der Leim da ausbreiten kann. Du hast an den Stirnflächen dann unter Umständen Löcher in den inneren Nuten.

Also wir reden dann hier von sowas: https://www.bauartikel24.de/bernardo-tr ... zeuge-holz

Ganz ehrlich: Ein Hobel mit Schärfmitteln ist da erheblich günstiger und einfacher zu handhaben.

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Re: Alternatives Fügen von Korpushälften

#5

Beitrag von Bermann » 21.09.2020, 16:11

Und ...
So ein Handhobel ist wesentlich ungefährlicher als eine Schreinerei-Tischfräse ( = mit das gefährlichste stationäre Gerät in einer Schreinerei, auch Händefresser genannt).

Gruß Hermann

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Re: Alternatives Fügen von Korpushälften

#6

Beitrag von Kellermann » 21.09.2020, 18:21

Eventuell gibt das erstmal eine gute Passung, wenn Du in der Fläche partiell etwas wegschleifst, wird aus der Linie eine Welle oder ein S, weil da ja in der Senkrechten dann das Material des anderen Stückes kommt, die Leimfuge ist ja im Schnitt zickzack.

Grüße
Kellermann

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Re: Alternatives Fügen von Korpushälften

#7

Beitrag von capricky » 21.09.2020, 18:27

Ich denke mal das Ko- Kriterium ist nicht die Gefährlichkeit von Tischfräsen (die ist auch bei sämtlichen Fräsarbeiten mit Oberfräsen gegeben), sondern die Tatsache, daß für das Fügen mit Verleimfräsern die verwendeten Holzteile auch plan auf der Fläche und mit rechtwinkliger Kante abgerichtet werden müssen. Es wird also nichts einfacher.
Dennoch finde ich die Idee im Sinne von recycling, upcycling, "Resteverwertung" gut. Es sollte mehr Palettenbässe und -gitarren geben! 8)

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Re: Alternatives Fügen von Korpushälften

#8

Beitrag von Herr Dalbergia » 21.09.2020, 20:59

Bei der Gibson Firebird werden ja die Flügel mit einer sehr ähnlichen Fuge angeleimt.
Also, machbar ist alles.

Ich verlängere manchmal Hals kanteln in der LÄNGE nach mit sowas,
Also eine gezackte Hirnholz Verleimung. Sozusagen.

Frag nicht warum....

Gab es ja auch mal bei Taylor an der Kopfplatte, zumindest recht ähnlich.

Fakt ist, damit wird nichts einfacher, günstiger, oder schneller, das Gegenteil ist der Fall.

Klar wenn man wie bei Taylor die 5 Achs CNC für 500000 € mal eingerichtet hat, und 50 Halsrohlinge durchprobiert und dann in den Müll geworfen hat, ja dann kann man Strecke machen.... ;)

Cheers, Alex
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Re: Alternatives Fügen von Korpushälften

#9

Beitrag von thonk » 21.09.2020, 21:49

Wenn ich es richtig verstehe, besteht das Problem darin, gerade rechtwinklige Leimflächen zu bekommen?
Dieses Problem wirst du mit dem gezeigten fräser nicht umgehen können. Das Profilieren ist ein weiterer Arbeitsschritt nach dem Abrichten.
Wenn schon schweres Gerät, dann doch eher eine kleine Abricht-Dickenhobelkombi.
Damit kommt man sehr nah an das gewünschte Ergebnis und man muss dann für die perfekte Fuge nur noch die bereits erwähnten letzten paar 1/100 oder die feinen Hobelschläge entfernen.

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Re: Alternatives Fügen von Korpushälften

#10

Beitrag von jhg » 22.09.2020, 00:09

Herr Dalbergia hat geschrieben:
21.09.2020, 20:59

Klar wenn man wie bei Taylor die 5 Achs CNC für 500000 € mal eingerichtet hat, und 50 Halsrohlinge durchprobiert und dann in den Müll geworfen hat, ja dann kann man Strecke machen.... ;)

Cheers, Alex
Ein bisschen offtopic: hab letztens das biographische Buch von Bob Taylor gelesen. Er schreibt dort, dass ihn die neue Halsverbindung ca. 1.000.000$ gekostet hat, bis es funktionierte

Der Witz bei den Verleimfräsern ist ja eigentlich auch nur, dass die Teile in der Höhe nicht verrutschen können und durch die Zinkung natürlich eine größere Leimfläche haben. Das ist bei den E-Gitarrenbodys eigentlich nicht das Problem. Man hat ja nur eine Leimfuge und die bekommt man mit zwei Zwingen auch ganz gut gebändigt. Und dass Body in der Mitte aufgehen ist auch eher selten der Fall.

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Re: Alternatives Fügen von Korpushälften

#11

Beitrag von Yaman » 22.09.2020, 08:47

Ich habe eine Stanford Akustikgitarre (gebaut von Furch), bei der die Kopfplatte ebenfalls mit einer gezackten Hirnholz-Verleimung angesetzt ist.
Hals.JPG

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Re: Alternatives Fügen von Korpushälften

#12

Beitrag von Rallinger » 22.09.2020, 08:50

Yaman hat geschrieben:
22.09.2020, 08:47
Ich habe eine Furch Akustikgitarre, bei der die Kopfplatte ebenfalls mit einer gezackten Hirnholz Verleimung angesetzt ist.
Eine bessere und stabilere Verbindung kann man da wohl nicht schaffen. Und trotzdem schaut das irgendwie "billig" aus. Psychologie ist schon ein lustiges Fach ... :lol:

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Re: Alternatives Fügen von Korpushälften

#13

Beitrag von 12stringbassman » 22.09.2020, 10:16

So eine Keilzinkenverbindung als Längsstoß ist im Holzbau doch längst Standard. Konstruktionsvollholz und Brettschichtholz wird so hergestellt und daraus werden Dachkonstruktionen und Ähnliches gebaut. Für unsereins viel zu aufwändig und maschinenintensiv.

Wenn ich zwei oder mehrere Teile zu einem Korpus oder ähnmlichem zusammenfüge, dann fräse ich da manchmal zwei oder drei Lamellos rein, hauptsächlich, damit beim z'ammleimen nix verrutscht.

Grüße
vom Hiasl
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Re: Alternatives Fügen von Korpushälften

#14

Beitrag von KNGuitars » 22.09.2020, 11:06

ist auch ein unterschied wie verleimt wird. beim fügen von korpushälften hält wenn alles richtig gemacht wurde der leim besser als das holz, sprich es reisst nicht der leim, sondern vorher das holz.
bei einer hirnholzverbindung sieht das anders aus, hirnholz kann man nicht leimen, deshalb wird hier verzinkt um eine ich nenn es mal "seitliche leimfläche" zu erhalten
lg klaus

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Re: Alternatives Fügen von Korpushälften

#15

Beitrag von Gunnar » 22.09.2020, 23:12

Zum Verleimfräser kann ich nichts beitragen. Aber Bezüglich Fügen mit dem (eigenbau) Frästisch mit einer Oberfräse, hatte ich mal dieses Video gefunden und habe mit dieser Methode schon erfolgreich Top Hälften gefügt. Jedenfalls weitaus besser, als ich es mit meinen Hobel Skills hinbekommen hätte. Funktioniert vom Prinzip wie eine Abrichte mit Aufnahme- und Abgabetisch.

Mit Fräsern mit langer Arbeitslänge sollte das doch mit entsprechend wenig Abnahme und enstprechend starker Fräse auch für Korpushälften funktionieren, oder?

Wenn man einen Hand Hobel besitzt kann man sich doch zur Erleichterung des Fügens auch ein Shotingboard bauen.

Oder wie hier im Video (3:32min) einen Anschlag mit Magneten für den Metallhobel bauen um 90° einzuhalten.

Gut beim Shotingboard braucht man keine Raubank, da der Hobel schon durch das Brett gerade geführt wird.

Ich wollte die Idee mal mit aufnehmen, da ich sie cool fand.
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