Feuchtigkeitsmessgerät

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Feuchtigkeitsmessgerät

#1

Beitrag von hansg » 09.03.2014, 11:01

Ab Montag ist bei Aldi Süd ein Feuchtigkeitsmessgerät im Angebot dass laut Beschreibung
"Zum einfachen Messen von Feuchtigkeit in Holz, Wänden und Baumaterialien" geeignet ist.
Jetzt frage ich mich ob Messgeräte dieser Art dafür geeignet sind die Restfeuchtigkeit
von zu verarbeitenden Hölzern zumindest grob abzuschätzen. (think)
https://www.aldi-sued.de/de/angebote/an ... essgeraet/
Speziell geht es mir um einen kleinen Nussbaum der in ca. 4cm dicke Brettchen aufgeschnitten ist,
und schon seit einigen Jahren trocknet.

Was denkt Ihr? Ist so ein Gerät dafür brauchbar / nützlich, oder eher nicht?

Gruss
Hans

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Re: Feuchtigkeitsmessgerät

#2

Beitrag von gitarrenmacher » 09.03.2014, 11:59

Professionelle Holzfeuchtemessgeräte kosten das Vielfache.
Mit dem Ding kannst du die Restfeuchte im Kaminholz gut schätzen.
Für die Kernfeuchte in deinem Nussbaum. (naughty)
Du musst die Messspitzen ins Holz bringen. Dass geht nur im Stirnholz ohne zuviel Gewalt.
Ich habe mir auch so ein Ding mal zugelegt und die Messwerte mit dem 400,-€ Gerät von meinem Freund (Massivholztreppenbauer) verglichen. Ernüchtend.

Grüße
Christian
Munterbleiben
Chrischan
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Re: Feuchtigkeitsmessgerät

#3

Beitrag von capricky » 09.03.2014, 14:40

Es wäre sicherlich hilfreich, wenn man vorab ein Datenblatt des Gerätes lesen könnte, aber grundsätzlich sind diese einfachen Holzfeuchtemesser durchaus geeignet, um mit ausreichender Genauigkeit, die Holzfeuchte von Brettern und Bohlen zu messen, aus denen man Gitarren bauen will.
Zu den teuren, professionellen Holzfeuchtemessern (Gann Hydromette z.B.) gibt es im messtechnischen Prinzip keinen Unterschied, es sind Widerstandsmessgeräte, genau wie die es Multimeter an Board haben, nur eben für höhere Widerstandswerte. Die heißen dann Isolationsmessgeräte. Der Isolationswiderstand von Holz ist abhängig von seinem Wassergehalt, das messen diese Teile also zwischen ihren Messspitzen und wenn man die Kernholzfeuchte von Nussbaum messen will, muss man die Spitzen eben in den Kern treiben, egal ob Profigerät oder Aldiwühltischangebot. Nun ist zu allem Ärger der Isolationswiderstand von Holz nicht nur von seiner Feuchte abhängig, sondern auch noch von der Temperatur und der Holzart. Professionelle Holzfeuchtemesser kompensieren die Temperatur automatisch und für die Holzarten gibt es Tabellen mit Korrekturstufen/-klassen, die dann am Messgerät voreingestellt werden müssen. Das gibt es bei den billigen Teilen nicht so differenziert.
Aber man hat ja in seiner Restekiste meist kleine Stücke verschiedenster Holzarten und wenn die bei bekannten und einigermaßen konstanten Bedingungen (Luftfeuchte und Temperatur) gelagert werden/wurden, kann man unter zuhilfenahme einer Ausgleichsfeuchtetabelle, eines Thermometers und eines Hygrometers

Bild
immer ziemlich genaue Vergleichsproben bereithalten.

Mit Einsatz von etwas Gehirnschmalz kann man also durchaus die paar Euro Differenz zu einem professionellen Holzfeuchtemesser kompensieren 8)

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Re: Feuchtigkeitsmessgerät

#4

Beitrag von irgendwer » 09.03.2014, 14:56

Kurze Frage dazu:

Gibt's denn brauchbare Tabellen, um das ganze mit einem normalen Multimeter und ggf. einer selbstgebauten Prüfspitzenhalterung auch abbilden zu können?

Gibt es vielleicht genormte Prüfspitzendurchmesser und Abstände?

Gruss, Max

Edit:
Hab gerade mal nachgerechnet, habe nur einen Wert für trockenes Holz gefunden...
Danach liegt man im hohen zweistelligen MΩ Bereich( wirksamer Querschnitt 25mm², Abstand 20mm).
Irgendwer wird irgendwann irgendwo die Weltherrschaft an sich reissen. Irgendwie klappt das schon. Irgendwelche Leute gibt's irgendwie überall. Irgendeine Idee hat irgendwer schon.

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Re: Feuchtigkeitsmessgerät

#5

Beitrag von capricky » 09.03.2014, 15:16

irgendwer hat geschrieben:Kurze Frage dazu:

Gibt's denn brauchbare Tabellen, um das ganze mit einem normalen Multimeter und ggf. einer selbstgebauten Prüfspitzenhalterung auch abbilden zu können?

Gibt es vielleicht genormte Prüfspitzendurchmesser und Abstände?

Gruss, Max
Mit einem "normalen" Multimeter geht das nicht, ich schrieb doch: "höhere Widerstandswerte"!
Der Spitzenabstand ist absolut auch unwesentlich, die Messwerte werden ja entsprechend kalibriert, Spitzendurchmesser ist auch egal, nur die Einschlagtiefe ist wesentlich. Es muss klar sein, dass sonst unterschiedliche Werte angegeben werden würden, wenn die Spitzen mal eben nur so das Holz berühren, oder komplett eingedrückt/eingeschlagen werden.

capricky

edit: nee Spitzendurchmesser ist nicht egal, die Oberfläche ist ja wirksam, wird dann ja "mitkalibriert"

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Re: Feuchtigkeitsmessgerät

#6

Beitrag von irgendwer » 09.03.2014, 15:32

capricky hat geschrieben: Mit einem "normalen" Multimeter geht das nicht, ich schrieb doch: "höhere Widerstandswerte"!
Der Spitzenabstand ist absolut auch unwesentlich, die Messwerte werden ja entsprechend kalibriert, Spitzendurchmesser ist auch egal, nur die Einschlagtiefe ist wesentlich. Es muss klar sein, dass sonst unterschiedliche Werte angegeben werden würden, wenn die Spitzen mal eben nur so das Holz berühren, oder komplett eingedrückt/eingeschlagen werden.

capricky
Das interessante ist doch, was genau höhere Widerstandswerte sind, nicht nur Allgemeinplätze.
Dann kann man abschätzen ob's geht. Und dazu brauchts auch mal Annahmen zum wirksamen Querschnitt.

Ich habe eine Tabelle gefunden, wo ein Bereich für trockenes Holz angegeben war (was auch immer die unter "trocken" verstehen) und die Angabe war auch reichlich unspezifisch (10^10 - 10^15 Ω*mm²/m).

Wenn ich das mal für flache Einschlagelektroden(5mm breit) und 5mm Einschlagtiefe bei 2 cm Elektrodenabstand überschlage, komme ich auf einen Wert von 80 MΩ für den günstigsten Fall bei trockenem Holz.
Zum Vergleich, der Bereich für Widerstandsmessungen bei nem Standard-Fluke geht bis 50 MΩ.

Gruss, Max
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Re: Feuchtigkeitsmessgerät

#7

Beitrag von capricky » 09.03.2014, 16:33

irgendwer hat geschrieben: Das interessante ist doch, was genau höhere Widerstandswerte sind, nicht nur Allgemeinplätze.
Dann kann man abschätzen ob's geht.
Es ist der Gigaohmbereich, also das Feld der Isolationsmessgeräte. Je trockener das Holz je höher der Widerstand. Mit Multimetern kannst Du in etwa messen, was Du mit der Hand noch fühlst - feucht!
Nach dem Widerstandsmessprinzip kannst Du Holzfeuchtigkeit etwa im Bereich von 8 - 30% mit ausreichender Genauigkeit messen.

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Re: Feuchtigkeitsmessgerät

#8

Beitrag von hansg » 09.03.2014, 16:54

Besten Dank für die Infos.
Dann werde ich mir das Teil morgen holen.

Gruss
Hans

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Re: Feuchtigkeitsmessgerät

#9

Beitrag von irgendwer » 18.03.2014, 18:50

Hallo Hans,

Kannst Du uns bei Gelegenheit an Deinen Erfahrungen teilhaben lassen?
Ich hatte auch erst überlegt ob ich da zuschlage, aber hab's dann sein gelassen.

Gruss, Max
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Re: Feuchtigkeitsmessgerät

#10

Beitrag von hansg » 18.03.2014, 23:00

Servus Max,

Die ersten Erfahrungen sind eher gemischt.
Dass für diesen Preis kein hochwertiges Gerät zu erwarten ist war mir schon klar.
Das bestätigt auch der erste Eindruck beim auspacken.
Das Teil besteht aus billigstem Hartplastik.
Aber es kommt ja in erster Linie auf die inneren Werte an.

Hier können 6 verschiedene Materialien zum Messen ausgewählt werden.
Vom Holz über Beton und Mörtel bis zum Ziegelstein.
Das größte Manko dieses Geräts ist der Messbereich, der beim Holz von 6-44% geht.
alles was unter 6% liegt wird als 0% angezeigt.

Zur Zeit befinden sich bei mir im Keller nur relativ kleine Holzreste von verschiedenen Bauprojekten der letzten Jahre
Also Ebenholz und Palisanderreste von Griffbrettern , ein paar kleinere Ahorn und Erle Stücke, Etwas Baumarkt FITA und einige Merantireste.

Die Anzeige ist bei fast allen Hölzern 0%. Also gemessener Wert unter 6%.
Die Ausnahme sind dabei einige Merantistücke die bis zu 9% Feuchte anzeigen.
Interessehalber habe ich auch mal bei der Hainbuchenhecke in Garten gemessen, und die liegt bei ca 30%.

Das Gerät ist zwar grundsätzlich schon brauchbar, aber die Einschränkung beim Messbereich
ist schon nicht schön.
Wie genau die Messungen sind ist auch schwer abzuschätzen. Dafür wäre ein Vergleich mit einem anständigen Gerät notwendig.
Also für den Preis ist es ok, aber begeistert bin ich nicht wirklich davon.
Gruss
Hans

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Re: Feuchtigkeitsmessgerät

#11

Beitrag von capricky » 19.03.2014, 08:39

hansg hat geschrieben:
Das Gerät ist zwar grundsätzlich schon brauchbar, aber die Einschränkung beim Messbereich
ist schon nicht schön.
Diese Einschränkung hättest Du aber auch bei einem professionellen Holzfeuchtemesser der 500€ Klasse (Gann z.B.)
Holzfeuchtemesser nach dem Widerstandsmessprinzip können nur Holzfeuchten in dem angegeben Bereich messen. Da sind 6% schon sehr optimistisch, denn hier wird sich im einige 100 Gigaohmbereich bewegt. Über 40% Holzfeuchte misst man auch nur noch den Leitwert des Wassers. Selbst die Ablese-/Anzeigegenauigkeit professioneller Geräte und der für Heimwerker ist mit etwa 1,5 bis 3,5% gleich. Profigeräte haben aber die Möglichkeit der Eingabe von Korrekturwerte für die gemessene Holzart

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Re: Feuchtigkeitsmessgerät

#12

Beitrag von hansg » 19.03.2014, 20:36

OK, das war mir so nicht bekannt dass der Messbereich auch bei besseren Geräten nicht weiter heruntergeht.
Aber eigentlich ist es ganz logisch. Da werden ja dann Ströme im Picoamphere-Bereich gemessen.
Besten Dank für die Info.
Und wie Loddar so schön sagt again what learned :lol:


Gruss
Hans

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Re: Feuchtigkeitsmessgerät

#13

Beitrag von TinaT » 14.05.2015, 11:55

Hat wer Erfahrung mit dem hier: Wagner MMC220 Extended Range Moisture Meter... ganz ohne Nadelspitzen und den Reviews zufolge sehr verlässlich...
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Re: Feuchtigkeitsmessgerät

#14

Beitrag von capricky » 14.05.2015, 12:29

Bei dem Preis wird die Zahl der Nutzer des Gerätes hier im Forum bestimmt sehr übersichtlich zu sein...
Es lohnt sich nicht für Amateure, nicht mal für jeden Profi!

capricky

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