Der "Trickschalter" in den Gitarren von "Musima" und "Migma"

Potis, Schalter, Tonabnehmer, Kondensatoren und Platinen;
wie verschalte ich was richtig?
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DerOnkel
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Der "Trickschalter" in den Gitarren von "Musima" und "Migma"

#1

Beitrag von DerOnkel » 21.06.2010, 16:07

Auch der folgende Artikel ist, wie beim Onkel jetzt üblich, ein "wenig" länger und enthält die eine oder andere Grafik zuviel. Deshalb gibt es hier wieder einen kleinen Appetizer. Wer dann weiter lesen will...

Der "Trickschalter" in den Gitarren von "Musima" und "Migma"

Einleitung

Neben der Auswahl der Hölzer und der mechanischen Konstruktion einer Elektrogitarre stellt ihre Elektronik eine wesentliche Einflußgröße für den entstehenden Klangeindruck dar. Dabei reicht die Spanne von einer puristischen Lösung mit nur einem Tonabnehmer ohne weitere Bedienelemente bis hin zu vier Tonabnehmern mit mehreren Potentiometern. Entsprechend gibt es Instrumente die mit bis zu einem halben Dutzend Schaltern und (manchmal) aktiver Elektronik auftrumpfen, welche die Aufgabe von Verstärker und Effektgeräten teilweise in das Instrument verlagern. Über Sinn oder Unsinn läßt sich gepflegt streiten ohne wirklich zu einer Lösung zu gelangen, denn letztendlich ist erlaubt, was gefällt!

Abseits der bekannten Standardschaltungen, gibt es einige Hersteller, die mit ihren Gitarren sehr interessante Konzepte verfolgen. Viele dieser Instrumente kommen jedoch nicht aus dem Geburtsland der Elektrogitarre. Haben die japanischen Hersteller sich in den 70er und 80er Jahren darauf beschränkt, die bekannten Schaltungen ein wenig zu verbessern, indem zum Beispiel ein Split eines Humbuckers oder eine Umschaltung von seriellem auf parallelen Betrieb der beiden Spulen realisiert wurde, gingen einige europäische Hersteller schon wesentlich früher deutlich weiter.

Neben einem allgemeinen Interesse, gibt es auch einen weiteren Grund sich mit solchen Schaltungen zu beschäftigen, denn manchmal leiden alte Instrumente auch unter den Jugendsünden ihrer (damals) unwissenden Besitzer. Löcher für zusätzliche Schalter mit teilweise übergroßen Formfaktoren oder mit dem Faustkeil erstellte Öffnungen für weitere Tonabnehmer sind da nur zwei von vielen Möglichkeiten. Selbst wenn sich noch alle Bauteile im Originalzustand befinden, wurde häufig die Schaltung verändert. Dann stellt sich die Frage, wie die Elektronik wohl ursprünglich verdrahtet war?

In diesem Artikel geht es hauptsächlich um ein Schaltungskonzept, welches in alten Instrumenten von "Musima" und "Migma" zu finden ist. Ja lieber Leser, sie haben richtig vermutet. Beide Hersteller kommen aus der ehemaligen DDR! Als Einleitung und Appetizer mag der Artikel "Die Ost-Gitarre am Beispiel von Musima und Migma" dienen. Wir wagen jetzt also wirklich in mehrfacher Hinsicht einen Blick über den berühmten Tellerrand!

1. Gitarrenelektronik "Hüben" und "Drüben"

Im Westen wenig Neues!

Bei den meisten Elektrogitarren findet man heute immer noch die gleiche Schaltung, wie sie auch schon in den 40er oder 50er Jahren verwendet wurde. Es gab einen Schalter, der die Auswahl eines Tonabnehmer ermöglichte, sowie mindestens eine sogenannte Tonblende und einen Lautstärkeeinsteller. Das folgende Bild zeigt einen entsprechenden Verdrahtungsplan:
Bild
Bild 1: Optimierte Verdrahtung für eine typische Elektrogitarre mit HH-Konfiguration
Die hauptsächlichen Unterschiede ergaben sich aus der Anzahl der Potentiometer. Bei "Gibson" wurde für jeden der beiden Tonabnehmer eine eigene Klang- und Lautstärkeeinstellung vorgesehen. "Fender" beschränkte sich häufig auf eine Einstelleinheit für alle Tonabnehmer, was dann zur Einsparung von zwei Potentiometern führte.

Es gab nur sehr wenige Instrumente, die von diesem Konzept abwichen. Lediglich die "Jazzmaster" und die "Jaguar" von "Fender" oder die "L-6" und die "Les Paul-Recording" von "Gibson" stellen bekannte Ausnahmen dar, deren kommerzieller Erfolg jedoch vergleichsweise gering war. Für die meisten Hersteller schien daher zu gelten: "Never change a running system!"

Innovation aus der "freien alten" Welt

Amerika hat der Welt zwar die Elektrogitarre geschenkt, bezüglich der elektrischen Schaltung schienen jedoch die Entwickler der europäischen Hersteller die Nase vorn zu haben. Viele Instrumente unterschieden sich im Schaltungskonzept deutlich von den amerikanischen Standards und boten dem Musiker mehr Klangfarben zur Auswahl. Besonders bemerkenswert sind hier einige Modelle des italienischen Herstellers "Eko". Hier kam es schon einmal vor, daß der erstaunte Musiker mit einem halben Dutzend Drucktaster konfrontiert wurde.
Bild
Bild 2: Eine italienische Eko 700 V4 mit vier Humbuckern aus dem Jahre 1960
Um diesen schaltungstechnischen "Irrsinn" zu verstehen, muß man wissen, daß die damaligen Verstärker vergleichsweise einfache Geräte waren. Mehrkanalige Lösungen, die per Fußschalter fernbedienbar sind, waren damals allein aus Sicht der Kosten undenkbar. Also versuchte man, die gewünschte klangliche Flexibilität dem Musiker "näher" zu bringen, indem alle notwendigen Bedienelemente in die Gitarre integriert wurden. Daß das Instrument dabei immer mehr an den Befehlsstand des Raumschiffes Orion erinnerte, nahm man dabei billigend in Kauf.

"Der Osten schlägt zurück"

Natürlich waren die Arbeiter- und Bauernstaaten in der Lage, diesen imperialistischen Größenwahn zu überbieten, um den Klassenfeind so in seine Schranken zu verweisen. Diese leicht ironische Aussage scheint zumindest für die Größe der verwendeten Druckschalter zu gelten, wie das nächste Bild beweist:
Bild
Bild 3: Jolana Tornado aus der CSSR (1963)
Wenn man sich diese Bilder ansieht, könnte man fast auf die Idee kommen, daß die verwendeten Druckschalter eigentlich in ein Radio oder ein Fernsehgerät gehören. Mit dieser Vermutung wird man wohl nicht so falsch liegen und für das nächste Instrument mußte wohl eine Heimorgel die eine oder andere Taste opfern:
Bild
Bild 4: Jolana Alfa (1965)
Und was hat es gebracht?

Man sieht, hüben wie drüben scheinen die Entwickler in den 60er Jahren ein gewisses Faible für "schräge" - heute heißt es bizarre - Schaltungen und Bedienkonzepte gehabt zu haben. Am gesellschaftlichen oder gar ideologischen Ansatz hat es also definitiv nicht gelegen!

So vielversprechend und innovativ diese europäischen Instrumente auch aussehen, sind die klanglichen Ergebnisse jedoch häufig ernüchternd. Falsch dimensionierte Bauteile und Schaltungen, die einfach aus der Rundfunktechnik übernommen wurden, verschluckten die Höhen, dämpften die Resonanz der Tonabnehmer (so denn überhaupt eine vorhanden ist) und verhindern die Übertragung von Bässen.

Aber auch bei den Tonabnehmern selber konnte man einiges verkehrt machen, denn der unbesehene Einsatz von keramischen Magneten führte schnell zu übergroßen Güten, welche den Klang dann unter Umständen "spitz" und "schneidend" machten. Natürlich hätte man das mit der Schaltung leicht... hat man in der Regel dann aber meist doch nicht!

Versierte Elektrotechniker finden hier also ein weites Feld an möglichen Verbesserungen, die, einmal ausgeführt, natürlich zu Lasten der Orginalität gehen.

2. Der Trick mit dem Schalter

Kommen wir jetzt zu dem eigentlichen Anliegen dieses Artikels, welches wir einleiten, indem wir zunächst zwei Instrumente betrachten, deren Verwandschaft unverkennbar ist: Die "Elgita" und die "Eterna" von "Musima" aus dem Jahre 1973:
Bild
Bild 5: "Elgita" und "Eterna" aus dem Hause "Musima"
Neben der offensichtlich identischen Korpusform haben beide Instrumente eine große Gemeinsamkeit: Sie verfügen über einen Drehschalter mit vier Positionen und zwei Potentiometer. Auf den ersten Blick würde man auf einen Tonabnehmerwahlschalter, eine Tonblende (Tone) und einen Lautstärkeeinsteller (Volume) tippen. Ein Blick auf den Katalog aus dem Jahre 1973 belehrt einen jedoch eines Besseren. Dort kann man über das sogenannte "Mischpult" der "Elgita" folgendes lesen:
Mischpult:
...Trickschalter für Rhythmus-, Solo-, Banjo- und Shearing-Effekt. Volumenregler für Rhythmus, Volumenregler für alle Effekte...
Die "Eterna" verfügt noch über einen weiteren Schalter. Über Ihr "Mischpult" sagt der Katalog:
Mischpult:
...Trickschalter mit Einblendemöglichkeiten des mittleren Tonabnehmers in Banjo- und Solo-Effekt...
Sieht man sich einmal die verschiedenen Instrumente von "Musima" und "Migma" an, so findet man diesen "Trickschalter" nachweislich auf folgenden Modellen:
  1. Musima Elgita,
  2. Musima Record,
  3. Musima 1655,
  4. Musima 1657,
  5. Musima Deluxe 25,
  6. Musima Deluxe 25K,
  7. Musima Eterna und
  8. Migma Elektra Deluxe.
Ganz offensichtlich handelt es sich also um eine Art Standardschaltung die mit großer Wahrscheinlichkeit auch in weiteren Instrumenten verwendet wurde.

Der Begriff "Trickschalter" weckt natürlich schon einmal gewisse Erwartungen! Sowas findet man in den Westgitarren schließlich nicht, oder? Was sich dahinter tatsächlich verbirgt, werden wir uns im weiteren Verlauf genauer ansehen.

Im Zuge einer Anfrage zur Schaltung der "Record" erhielt ich von Heiko Berbalk ein paar Bilder von den Resten der Elektronik, von denen ich hier einige mit seiner freundlichen Genehmigung zeigen kann.
Bild
Bild 6: Die Bedienelemente einer Musima Record
Man erkennt auf der rechten Seite einen vierstufigen Drehschalter mit zwei Kontaktebenen. Daneben befinden sich zwei Potentiometer mit einem Kennwiderstand von 1MOhm, wie dem Aufdruck zu entnehmen ist. Über die Charakteristik kann man in gewisser Weise spekulieren. Da es Potis mit einem Kennwiderstand von 1,1MOhm jedoch nicht gibt, liegt die Vermutung nahe, daß die "1" nach dem "M" ein Hinweis auf die Potentiometercharakteristik erlaubt. Bei vielen Herstellern steht diese "1" für ein lineares Potentiometer. Tatsächlich handelt es sich hier um lineare Potentiometer, wie mir von capricky aus dem Forum GitarreBassBau.de bestätigt wurde. Ihm zufolge steht die 2 dann für ein Potentiometer mit logarithmischer Charakteristik.

Im Vergleich zu anderen Elektrogitarren ist ein Widerstand von 1MOhm schon ein recht großer Wert für ein Potentiometer. Normalerweise findet man hier Werte von 250kOhm oder 500kOhm. Ob diese Wahl begründet ist, wird sich später zeigen.

Ulf

(Die Fortsetzung dieses Artikels findet sich in der Knowledge Database der Guitar-Letter.
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Re: Der "Trickschalter" in den Gitarren von "Musima" und "Mi

#2

Beitrag von capricky » 21.06.2010, 17:46

Die Musima Record gibt es auch mit anderer Schaltung. Ich habe gerade eine "restauriert", mit original 3-Wege 1-Ebenenschalter. 1 = Halspickup, 2 = Stegpickup, 3 Stegpickup mit Reihenkondensator (Banjo, ätzend), 1 Vol = 1M2, 1 Ton = 1M2. Die 1 steht für linear und die 2 für log.
Ich repariere nun seit über 40 Jahren "Ostgitarren", Höhenarmut und gedämpfte Resonanzen sind keine Eigenschaften der Pickups und Schaltungen dieser Gitarren, das Gegenteil ist der Fall. So musste ich auch die Record "entätzen". Im allgemeinen kann man sagen, die Schaltungen der "alten" DDR-Gitarren sind zwar exotisch bis bizarr, aber nicht wirklich bühnentauglich oder musiker- bzw bedienungsfreundlich.


Eine Bitte habe ich -
Der Osten schlägt zurück
Natürlich waren die Arbeiter- und Bauernstaaten in der Lage, diesen imperialistischen Größenwahn zu überbieten, um den Klassenfeind so in seine Schranken zu verweisen.
Kannst Du diese Kacke nicht einfach lassen? Ich bekomme Ausschlag wenn ich so etwas lese und wahrscheinlich auch jeder, der sich mit dem Sprachgebrauch und den Realitäten dieser Zeit auskennt. Das ist schlicht Blödsinn und keine Satire.

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Re: Der "Trickschalter" in den Gitarren von "Musima" und "Mi

#3

Beitrag von DerOnkel » 21.06.2010, 18:13

capricky hat geschrieben:Die Musima Record gibt es auch mit anderer Schaltung. Ich habe gerade eine "restauriert", mit original 3-Wege 1-Ebenenschalter. 1 = Halspickup, 2 = Stegpickup, 3 Stegpickup mit Reihenkondensator (Banjo, ätzend), 1 Vol = 1M2, 1 Ton = 1M2. Die 1 steht für linear und die 2 für log.
Das ist im Hinblick auf die Record sicherlich sehr interessant!
capricky hat geschrieben:Ich repariere nun seit über 40 Jahren "Ostgitarren", Höhenarmut und gedämpfte Resonanzen sind keine Eigenschaften der Pickups und Schaltungen dieser Gitarren, das Gegenteil ist der Fall. So musste ich auch die Record "entätzen".
Damit deckt sich Deine Aussage sehr gut mit meinen Simulationsergebnissen, denn eine Resonanzspitze von über 7dB ist nicht nur ungewöhnlich, sondern sogar ziemlich deftig, um nicht zu sagen spitz!

Da ich nur die Tonabnehmer zur Verfügung hatte, mußte ich bei der klanglichen Beurteilung etwas vorsichtig sein.
Bild
Wenn ich es jetzt noch einmal überdenke... Dieses Simetos haben vier keramische Magnete. Da ist natürlich nicht viel mit Wirbelströmen. Der Tonabnehmer selber hat vergleichsweise wenig Eisen und wie stark die Kappen tatsächlich dämpfen, kann ich meßtechnisch leider noch nicht ermitteln. Vielleicht kommt da in Summe noch einmal eine effektive Dämpfung von 1MOhm zusammen. Damit wäre die resultierende Spitze aber immer noch "verdammt" hoch! Ich werde das im Artikel mal entsprechend anpassen!
capricky hat geschrieben:Im allgemeinen kann man sagen, die Schaltungen der "alten" DDR-Gitarren sind zwar exotisch bis bizarr, aber nicht wirklich bühnentauglich oder musiker- bzw bedienungsfreundlich.
Das scheint mir, bei aller Raffinesse dieser Schaltung, allerdings auch so.
capricky hat geschrieben:Eine Bitte habe ich...
...Kannst Du diese Kacke nicht einfach lassen?
Gut möglich, daß der Unterschied zwischen Ironie und Ernsthaftigkeit hier nicht besonders gut zu erkennen ist! :(

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Re: Der "Trickschalter" in den Gitarren von "Musima" und "Mi

#4

Beitrag von capricky » 21.06.2010, 19:16

Die Simeto Pickups klingen in einer "klassischen" Gibsonschaltung für meinen Geschmack ausgezeichnet. Die Charakteristik ist "durchsetzungsfähigerer" P90 Sound, kein Mulm. Wicklungswiderstände zwischen 8,1 bis 8,3k sind eine weitere Ähnlichkeit. Das Problem - sie sind nicht gewachst und pfeifen bei der ersten besten Gelegenheit wie die Tinitushölle. Wachsen allein reicht nicht, sie müssen anschließend auch noch mit Wachs vergossen werden, damit aber auch gar kein Blech oder eine Schraube wieder anfangen kann zu singen.

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Re: Der "Trickschalter" in den Gitarren von "Musima" und "Mi

#5

Beitrag von Reverend Sykes » 21.06.2010, 23:01

DerOnkel hat geschrieben:Als Einleitung und Appetizer mag der Artikel "Die Ost-Gitarre am Beispiel von Musima und Migma" dienen.
Mag er vielleicht, aber nicht mit dieser URL. :?

Grüße

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Re: Der "Trickschalter" in den Gitarren von "Musima" und "Mi

#6

Beitrag von bigherb » 21.06.2010, 23:35

Alle Achtung Herr Onkel. Ich freue mich schon auf die Fortsetzung. Sehr informativ...klasse.
Edit Capricky.:
Ich war 1975 im Arbeiter und Bauernparadies sehr privat zu Besuch. Vollkommen unpolitisch und naiv stellte ich Montags morgens auf dem Kreisamt in Löbau die Frage: "Wer ist dat denn da auf den Fotos an der Wand"....? (wir waren bereits Samstags angekommen aber das Amt hatte natürlich zu, somit 2 Tage unangemeldet im Land...)
meine Fresse, war danach eine Stille im Amt...man hörte die berühmte Stecknadel zu Boden fallen. Ich stand als vierter in der Reihe vor dem Schalter....lange Haare, 18 Jahre und äußerst unbekümmert.....
Nun, was soll ich sagen.....es wurde uns Burschen mal eben der Arsch aufgerissen und danach war ich von der Überlegenheit des sozialistischen Systems sowat von überzeugt....Karl Eduard von Schnitzler hätte seine wahre Freude an mir gehabt...und im "Schwarzen Kanal" die Co-Moderation möglich gewesen.
"Kacke" würde ich das nicht nennen sondern "so war es eben anno dazumal"

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Re: Der "Trickschalter" in den Gitarren von "Musima" und "Mi

#7

Beitrag von DerOnkel » 21.06.2010, 23:58

capricky hat geschrieben:Die Simeto Pickups klingen in einer "klassischen" Gibsonschaltung für meinen Geschmack ausgezeichnet. Die Charakteristik ist "durchsetzungsfähigerer" P90 Sound, kein Mulm.
Wenn ich sie in einer Paula "einsetze", komme ich zu einem vergleichbaren Schluß:

Der P-90 liefert 2kHz/5,5dB und der SIMETO 2,3kHz/6,1dB.

Der SIMETO ist also einen Tick heller oder brillanter.
capricky hat geschrieben:Das Problem - sie sind nicht gewachst und pfeifen bei der ersten besten Gelegenheit wie die Tinitushölle. Wachsen allein reicht nicht, sie müssen anschließend auch noch mit Wachs vergossen werden, damit aber auch gar kein Blech oder eine Schraube wieder anfangen kann zu singen.
Das war auch mein Eindruck, also ich sie mit neuen Anschlußkabeln versehen habe.
bussela hat geschrieben:
DerOnkel hat geschrieben:Als Einleitung und Appetizer mag der Artikel "Die Ost-Gitarre am Beispiel von Musima und Migma" dienen.
Mag er vielleicht, aber nicht mit dieser URL. :?
Aber genau mit dieser... ;)

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Re: Der "Trickschalter" in den Gitarren von "Musima" und "Mi

#8

Beitrag von capricky » 22.06.2010, 10:48

bigherb hat geschrieben:Alle Achtung Herr Onkel. Ich freue mich schon auf die Fortsetzung. Sehr informativ...klasse.
Edit Capricky.:
Ich war 1975 im Arbeiter und Bauernparadies sehr privat zu Besuch. Vollkommen unpolitisch und naiv stellte ich Montags morgens auf dem Kreisamt in Löbau die Frage: "Wer ist dat denn da auf den Fotos an der Wand"....? (wir waren bereits Samstags angekommen aber das Amt hatte natürlich zu, somit 2 Tage unangemeldet im Land...)
meine Fresse, war danach eine Stille im Amt...man hörte die berühmte Stecknadel zu Boden fallen. Ich stand als vierter in der Reihe vor dem Schalter....lange Haare, 18 Jahre und äußerst unbekümmert.....
Nun, was soll ich sagen.....es wurde uns Burschen mal eben der Arsch aufgerissen und danach war ich von der Überlegenheit des sozialistischen Systems sowat von überzeugt....Karl Eduard von Schnitzler hätte seine wahre Freude an mir gehabt...und im "Schwarzen Kanal" die Co-Moderation möglich gewesen.
"Kacke" würde ich das nicht nennen sondern "so war es eben anno dazumal"
edit: @bigherb
Dein Erlebnis teile ich in vielen Dutzend Varianten. Trotzdem möchte ich diese Diskussion hier nicht. Sicher aus meinen persönlichen, subjektiven und somit völlig egoistischen Gründen. Die DDR habe ich 39 Jahre lang täglich in ihrer gesellschaftlichen Schizophrenie und Paranoia erlebt, als Augen- Ohren- und Zeitzeuge und zwar nicht als Nutznießer dieses Systems. Deshalb habe ich auch ein ganz sensibles Gespür dafür, ob jemand auch nur einen Hauch von Ahnung hat, wie so die Uhren drehten.
Ohne den Rock (damals hieß das Beatmusik) mit dem ich sozialisiert wurde, hätte ich das auch nicht ohne größere Schäden (kleinere sind geblieben ;) ) überlebt.
Eine wirksame Verteidigungswaffe im allgemeinen"Überlebenskampf war dabei feinsinniger, unterschwelliger, subversiver Humor, gelegentlich auch derb, aber immer naiv vorgetragen und vor allem Selbstironie. Es gab Bands wie Possenspiel und MTS zB, die hatten das regelrecht kultiviert.
Was ich sagen will: mir geht die Plattheit dieser Pseudosatire/-ironie, die Anlaß für mein Wunsch auf Verzicht war, gehörig auf die Nerven, es schüttelt mich. Bitte nicht als unbetroffen Ahnungsloser mit Hilfe diesen Phrasen etwas karrikieren zu wollen, es ist mir fremdschämepeinlich und es passt nicht in dieses doch eigentlich seriöse Thema. Lieber arrogant über die Qualität der Hardware herziehen (so wie ich es auch mache :badgrin: ), das ist relativ "fettnäpfchenfrei". 8)

Ich hätte jetzt aber auch nur einfach schreiben können: Danke für diesen exkrementen Kleckerbissen! ;)

capricky



Nach angemessener Halbwertszeit werde ich Deine posts bigherb und meine "zensieren", um den thread wieder keimfrei zu machen.

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Re: Der "Trickschalter" in den Gitarren von "Musima" und "Mi

#9

Beitrag von DerOnkel » 22.06.2010, 12:06

Auf die Gefahr hin, daß es jetzt wirklich offtopic wird
capricky hat geschrieben:Trotzdem möchte ich diese Diskussion hier nicht. Sicher aus meinen persönlichen, subjektiven und somit völlig egoistischen Gründen.
Wie verträgt sich denn Deine persönliche Sicht der Dinge (oder vielleicht Befindlichkeit) in diesem Zusammenhang mit der Meinungsfreiheit und -pluralität, die hoffentlich auch in diesem Board gilt?

Wenn Du als Moderator kraft Amtes persönlich motivierte Änderungen forderst, mußt Du Dich unter Umständen mit dem Vorwurf der Zensur auseinandersetzen!

Finde ich persönlich etwas unglücklich!
capricky hat geschrieben:Nach angemessener Halbwertszeit werde ich Deine posts bigherb und meine "zensieren", um den thread wieder keimfrei zu machen.
Auch dieses nachträgliche "bereinigen" finde ich nicht sehr glücklich! Was ich geschrieben habe, habe ich geschrieben und dazu kann ich auch morgen noch stehen! Ich gehe davon aus, daß dieser Ansatz auch für die anderen Mitglieder dieses Boards gilt!

Also warum? Nur um zu zeigen, daß die Welt schön ist und alle sich "lieb haben"? Hmm.....

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Re: Der "Trickschalter" in den Gitarren von "Musima" und "Mi

#10

Beitrag von capricky » 22.06.2010, 12:59

Meinungsfreiheit, Zensur?
Ich hatte eine Bitte geäussert, einen Wunsch! So steht es da und ich habe auch begründet warum mich Deine "Satire" so anpisst. Um in diesen vielleicht interessanten thread etwas schreiben zu wollen und dazu könnte ich jede Menge Erfahrung einbringen, mußte ich das vorab loswerden. Es ist nicht mein Plan Deine posts zu zensieren, aber meine kann ich herausnehmen und bigherb hat sicher auch Verständnis dafür, daß ich seine Eloge um den politischen Teil, die meiner erlebten Realität entspricht, herausnehme um den thread wieder der Sachlichkeit zurückzuführen, oder einfach gesagt - ich nehme das ot heraus, dessen Initiator ich war.

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Re: Der "Trickschalter" in den Gitarren von "Musima" und "Mi

#11

Beitrag von helferlain » 22.06.2010, 13:00

DerOnkel hat geschrieben: "Der Osten schlägt zurück"

Natürlich waren die Arbeiter- und Bauernstaaten in der Lage, diesen imperialistischen Größenwahn zu überbieten, um den Klassenfeind so in seine Schranken zu verweisen. Diese leicht ironische Aussage scheint zumindest für die Größe der verwendeten Druckschalter zu gelten, wie das nächste Bild beweist...
Hallo Onkel, die Ironie in deinem Beitrag ist durchaus als solche zu erkennen... Allerdings muß man bei Benutzung historisch belasteter Begrifffe auch mit belasteten Reaktionen rechenen. Das liegt nicht an Dir oder diesem Beitrag sondern an dem was der Leser mit diesen Begriffen verbindet. Und das kann man einfach nur hinnehmen, nachvollziehbar ist das meistens nicht (wie will man die Summe der Erlebnisse eines Menschen auch nachvollziehen...) Daher bitte auch Verständnis haben wenn mal jemand gereizt auf die Verwendung von gewissen Formulierungen reagiert, das hat nichts mit Zensur zu tun, es ist für den Betreffenden schlicht unangenehm.

Die überdimensionierten Schalter würde ich nicht einem Größenwahn oder gar "Wettrüsten" zuschreiben - so wie ich den realexistierenden Sozialismus in jungen Jahren selbst erlebt habe, hatte der Hersteller wahrscheinlich keine andere Wahl als auf vorhandenes Material zurückzugreifen. Das waren dann eben manchmal typische Radio Knöpfe, zu anderen Zeiten eben Tasten. Nicht Jedes Merkmal von Kleinserienprodukten wurde von vornherein so geplant, ich kann mir gut vorstellen mit welchem großen Maß an Improvisationsvermögen diese Gitarren gefertigt wurden. Das war real existierende Plan bzw Mangelwirtschaft. Da muß man nehmen was gerade da ist. Für Randprodukte wie E-Gitarren war mit Sicherheit kein großes Budget vorgesehen.

Grüße
h.
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Re: Der "Trickschalter" in den Gitarren von "Musima" und "Mi

#12

Beitrag von capricky » 22.06.2010, 14:07

helferlain hat geschrieben: Die überdimensionierten Schalter würde ich nicht einem Größenwahn oder gar "Wettrüsten" zuschreiben - so wie ich den realexistierenden Sozialismus in jungen Jahren selbst erlebt habe, hatte der Hersteller wahrscheinlich keine andere Wahl als auf vorhandenes Material zurückzugreifen. Das waren dann eben manchmal typische Radio Knöpfe, zu anderen Zeiten eben Tasten. Nicht Jedes Merkmal von Kleinserienprodukten wurde von vornherein so geplant, ich kann mir gut vorstellen mit welchem großen Maß an Improvisationsvermögen diese Gitarren gefertigt wurden. Das war real existierende Plan bzw Mangelwirtschaft. Da muß man nehmen was gerade da ist. Für Randprodukte wie E-Gitarren war mit Sicherheit kein großes Budget vorgesehen.

Grüße
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Gerade die gewählten Bildbeispiele einschließlich des Kommentars dazu sind leider auch Ausdruck für die Unkenntnis des damaligen "regionalen Zeitgeistes". Die tschechischen Jolanas und die Tornado speziell waren im Ansehen der damaligen Gitarristenszene 1965 - 70 technisch und optisch die Topgitarren überhaupt. Die kostete 545,- Ostmark - 1 1/2 Monatslöhne. DDR E-Gitarren wie Musimas, Migmas, Marmas, Herrnsdorf waren in der damaligen "Inszene" absolut verpönt, zu spießig und zu piefig. Die tschechischen Jolanas waren im Design und Klang Ausdruck der "Moderne". Wenn auch aus heutiger Sicht die Schalter groß und bizarr wirken (Alfa), sind sie kein Ausdruck von Mangelwirtschaft, sondern der kreativen Freiheit der tschechischen Konstrukteure die mit der Tornado sicherlich ihren Höhepunkt erreichte. Die hardware, besonders das Tremolo ist absolut top. Jolanas wurden gegen harte Währung nach Westeuropa exportiert (vorwiegend Großbritannien), DDR Gitarren in die Sowjetunion für Rubel :?

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Re: Der "Trickschalter" in den Gitarren von "Musima" und "Mi

#13

Beitrag von helferlain » 22.06.2010, 14:38

1965-70... so alt bin ich nun doch nicht. Dann war das Design tatsächlich gewagt und gewollt. Und ich hatte so eine schöne Theorie... :)

Die Beliebtheit tschechischer Gitarren deckt sich mit der Begeisterung meines Musiklehrers auch lange nach der Wende für seine Jolana.
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Re: Der "Trickschalter" in den Gitarren von "Musima" und "Mi

#14

Beitrag von bigherb » 24.06.2010, 23:31

nachdem ich den ganzen Thread nochmals gelesen habe glaube ich, das alles dazugehört was bisher geschrieben wurde. Der Informationsgehalt wird um die eingeflossenen persönlichen Erfahrungen nur noch erhöht. Als "oller Westler" bin ich sehr erfreut mehr über die aus meiner Sicht sehr exotische Szene der "Ostinstrumente" zu erfahren. Die alten Gitarren aus westlicher Fertigung sahen auch nur ähnlich den amerikanischen Modellen aus. Eine "Fender" hatte einen ganz anderen "Tiefgang" in der Wertung.
In den 70ern sah ich die Pudhys erstmals bei einem Festival mit ihrem seltsamen Instrumentarium und sie spielten Udo Lindenberg glatt an die Wand.
Also hoffe ich hier noch mehr zu erfahren aus der Zeit des instrumentalen Aufbruchs.....

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Re: Der "Trickschalter" in den Gitarren von "Musima" und "Mi

#15

Beitrag von capricky » 25.06.2010, 12:38

bigherb hat geschrieben:
In den 70ern sah ich die Pudhys erstmals bei einem Festival mit ihrem seltsamen Instrumentarium und sie spielten Udo Lindenberg glatt an die Wand.
Also hoffe ich hier noch mehr zu erfahren aus der Zeit des instrumentalen Aufbruchs.....
Seltsames Instrumentarium? Das war dann sicher nicht die Anlage der Puhdys, sondern eine Leihanlage aus dem Westen! Das muss so 1975/76 gewesen sein? So mutig waren die DDR Veranrwortlichen wohl dann doch nicht, die Band mit ihrer kompletten Anlage ausreisen zu lassen.
Die Puhdys hatten schon 1969 eigentlich fast die komplette Anlage "aus dem Westen" und waren damit lange nicht die Ersten, hatten aber immer einen Vorsprung im "instrumentarischen Wettrüsten".Unser "Schaufenster" war der Beatclub von Radio Bremen. Fender, Gibson, Marshall, Schaller (Verstärker), Dynacord, Selmer, Echolett, AKG, Sennheiser, Farfisa, Watkins usw waren fast schon Standard selbst in der oberen Amateurstufe. Das ermöglichten finanziell entweder wohlgesonnene Großeltern, Onkels (nee, nich der) und Tanten aus dem Westen oder Diplomaten und/oder deren erwachsenen Kinder aus Östereich, Jugoslawien und Bulgarien. Letzere tauschten Ostgeld in Westgeld zum Kurs von 4 bis 5:1 (das man sich über Privatkredite von privaten Geschäftsleuten und Handwerkern pumpte) und brachten dann die Verstärker und Boxen Im Kofferraum nach Ostberlin. Strats und Marshalls wurden in der Zeit beispielsweise so zwischen 5000 - 8000 Ostmark gehandelt (Durchschnittslöhne damals sicher unter 500 Ostmark). Eine jähe Unterbrechung dieses munteren Handels war dann einem "Kollegen" aus dem Westen zu verdanken. "Lord" Knud", Schlagzeuger der damals schon legendären Lords (Poor Boy), hatte bei einem Unfall ein Bein verloren und moderierte dann beim Rundfunksender RIAS Berlin die Sendungen "Schlager der Woche" und "Evergreens a gogo". Dieser ewig bekiffte Dauerschwätzer war zu einem Besuch im ostberliner (Rock-) Musiktempel der damaligen Zeit , dem Eisenbahnerkulturhaus (keine 500m von meiner Wohnung entfernt 8) ) und hatte am nächsten Tag nichts besseres zu tun, in seiner Sendung zu erzählen, dass die Ostmucker bessere Anlagen und Instrumente haben, als die aus dem Westen! :( Die Stasi hörte aber leider wohl auch "Schlager" oder "Evergreens" und somit war das das Ende der Veranstaltungen im "Eisenbahner" (wie kann ein Mitarbeiter des feindlichsten Senders überhaupt da eingelassen werden?) und die Bands hatten den Zoll auf dem Hals. Offizieller Umtauschkurs war eigentlich 1:1, aber der Zoll legte den "Schwindelkurs" also die tatsächlich gezahlen Preise in Ostmark als Bemessung an. Das ergab Angst und Schrecken in der Szene und ich erinnere mich an einige (erfolglose) Versuche die Geräte "umzulabeln". Ich glaube die Stasi wusste besser über das Inventar der Bands bescheid, als diese selbst. Warum dieser "Hammer" aber nicht alle Bands traf, gibt den Betroffenen bis heute und wahrscheinlich alle Ewigkeit Grund zu Spekulationen.

Lieber bigherb, Du siehst selbst- jeder Versuch Deinen Wunsch zu erfüllen, treibt diesen thread noch hoffnungsloser in das offtopic.

capricky

edit: Bassist war er, nicht Schlagzeuger, der Knud....wie komm ich denn darauf.., wahrscheinlich der ewige allegorische einbeinige Schlagzeuger

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Re: Der "Trickschalter" in den Gitarren von "Musima" und "Mi

#16

Beitrag von bigherb » 25.06.2010, 18:24

Herrlich...dieses abdriften.....ins Offtopic. Um das aber mit den exotischen ollen Schaltungen verstehen zu können hilft dieser background. Aber war denn nun nicht an der tschechischen Grenze schon in grauer Vorzeit eine historische Landschaft für den Gitarrenbau. Aus dem Erzgebirge kamen viele Gitarrenbauer.
Das muß in der alten DDR für Unmut gesorgt haben als "Beatmusiker" nach Instrumenten fragten die aus dem Westen kopiert wurden.
Aber auch im Westen hieß das rhythmische Stampfen im Jargon der konservativen Kreise "Negermusik" oder "Halbstarkenkrawall"

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Re: Der "Trickschalter" in den Gitarren von "Musima" und "Mi

#17

Beitrag von capricky » 26.06.2010, 09:37

bigherb hat geschrieben:Herrlich...dieses abdriften.....ins Offtopic. Um das aber mit den exotischen ollen Schaltungen verstehen zu können hilft dieser background. Aber war denn nun nicht an der tschechischen Grenze schon in grauer Vorzeit eine historische Landschaft für den Gitarrenbau. Aus dem Erzgebirge kamen viele Gitarrenbauer.
Na da muß man aber weit zurückgehen, etwa 350 Jahre Und auch nicht in das Erzgebirge, sondern in das Vogtland an die böhmische, nicht tschechische Grenze. Wie so oft haben dieses Wissen und die Fertigkeiten Flüchtlinge, Migranten mitgebracht, damals Leute die Ärger mit der katholischen Kirche hatten (hat man das nicht immer?)
bigherb hat geschrieben:Das muß in der alten DDR für Unmut gesorgt haben als "Beatmusiker" nach Instrumenten fragten die aus dem Westen kopiert wurden.


Ähh nee, das ist jetzt irgendwie voll missverstanden. Die Technik der E-Gitarren (Tonabnehmer) gab es ja auch schon in der DDR der 50er Jahre, lange vor Rock'n Roll und Beat in den Schlaggitarren, ua. auch in der Entwicklung von Wenzel Rossmaisl, dem Vater von Roger Rossmaisl der später bei Rickenbacker legendäre Modelle entwarf, befördert. Roßmaisel, der erst in Berlin und später dann im Vogtland Jazzgitarren baute, "recycelte" Wehrmachtskopfhörer zu Tonabnehmern u.a. für Coco Schuhmann (der Gitarrist von Auschwitz) und hat dabei wohl aus Versehen den Humbucker erfunden, ohne es zu wissen. Es gab da auch noch andere kreative Köpfe, die Tonabnehmer produzierten wie Goller "Rellog" usw, ich habe da auch noch irgendwo einen Presseausschnitt von der Leipziger Messe Ende der 40er Jahre, wo ein Tonabnehmer vorgestellt wurde (den reiche ich nach, wenn ich ihn finde), das war also politisch völlig wertfrei. Es gab auch Tonabnehmer für Zittern, Akkordeons, Kontrabässe, Tasteninstrumente (Clavisett) usw. Es wurde nicht kopiert, sondern selber entworfen und entwickelt. Zur "Blütezeit" des Beats, um 1964 - 65 herum gab es auch keinen Mangel an Elektrogitarren (Brettgitarren) und kleinen Verstärkern, die Geschäfte (in Ostberlin) waren voll und die Käufer unkritisch.
Politisch und damit unter staatliche Kontrolle kam diese ganze Sache erst, als die Fans 1965 die westberliner Waldbühne nach einem Konzert der Rolling Stones zerlegten. Da dämmerte den Machthabern wohl welche Kraft (und Gefahr) in dieser durch die Musik initiierte beginnende Jugendbewegung lag (mich bewegt sie noch heute :D ).

bigherb hat geschrieben:Aber auch im Westen hieß das rhythmische Stampfen im Jargon der konservativen Kreise "Negermusik" oder "Halbstarkenkrawall"
So hieß das schon im dritten Reich bei Adolf dem nasenbärtigen und in der DDR der 50er und 60er jahren nicht anders, da kam dann noch das "monotone Yeah, Yeah, Yeah der englischen und amerikanischen Beatmusik dazu (Walter Ulbricht).

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Re: Der "Trickschalter" in den Gitarren von "Musima" und "Mi

#18

Beitrag von bigherb » 26.06.2010, 10:44

...extremes näseln......
"Meine sehr geehrten Damen und Herren...liebe Neger...."
EGAL; ob es Heinrich Lübke tatsächlich gesagt hat....gemeint war es bestimmt genau so. Aber auch nicht böse sondern ehrlich. Diese Subkultur mit wild ekstasisch sich im Trommelrhythmus wiegender Menschen war halt "fremd"!
Erstaunlich für den verwöhnten jungen WIlden aus dem Westen war schon der Einfallsreichtum in der Mangelverwaltung des Ostens. Ich habe noch den dreiteiligen kleinen Buchband in Heftgröße Postkarte..Din-A5...zum Selbstbau einer Heimorgel mit einfachsten Mitteln.
Ja, es gab eine Zeit, da wäre ich fast Keyboarder geworden.....
Vieleicht kann der ONKEL den Faden wieder aufnehmen und noch weitere interessante Dinge zum Thema berichten

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Re: Der "Trickschalter" in den Gitarren von "Musima" und "Mi

#19

Beitrag von capricky » 26.06.2010, 11:58

bigherb hat geschrieben: Ja, es gab eine Zeit, da wäre ich fast Keyboarder geworden.....
Vieleicht kann der ONKEL den Faden wieder aufnehmen und noch weitere interessante Dinge zum Thema berichten
...und ich Basser! 8)

Meine liebe rheinische Frohnatur ;) , Du hast immer noch nicht gemerkt, was für ein Problem ich mit den Exkursen des Themenstarters habe? Das liest sich mir mit jedem Wort wie die schlichte Ahnungslosigkeit. Der sprichwörtliche "Blinde" schreibt über die Farbe und die "Größe" der Welt. Das war leider im Teil 1 über die "Ostgitarren" nicht anders. Die Reparatur einer Ostgitarre und ein Gespräch mit einem ehem. Musimamitarbeiter ist wenig Basis, um über "die Ostgitarren" technisch wie im politischen Kontext publizieren zu können. Deshalb doch jetzt mein diplomatisch wohl mißglückter Versuch durch die ot - Eskalation tatsächliche Information statt Spekulation anzudeuten. Ich hätte schon Fakten beitragen wollen/können.

Der "elektrische" Teil der "Letter" ist immer absolut brilliant, auch wenn er vielleicht in seinen Feinheiten "nur" Nischenprogramm für wenige bereits gut "Vorbelastete" ist. Ach wenn er doch bitte bloß dabei bleiben könnte!

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Re: Der "Trickschalter" in den Gitarren von "Musima" und "Mi

#20

Beitrag von DerOnkel » 28.06.2010, 19:34

Eigentlich wollte ich mich zu diesem Off-Topic nicht mehr zu Wort melde, aber ich denke zwei bis drei "Worte" werde ich mir noch herausnehmen.

Natürlich kann will sich der Onkel nicht erdreisten und behaupten, daß er den damaligen Zeitgeist hinter dem "antifaschistischer Schutzwall" (ja, so hieß das wirklich nach Horst Sindermann) aus eigener Anschauung kennt. Nachdem Capricky sich hier ja deutlich als ehemaliger Ossi geoutet hat, der vermutlich Jahrgang 51 ist, wird er das mit Sicherheit besser können! Allerdings... aber dazu vielleicht später mehr.

Der Onkel hat gegenüber Capricky aber einen eindeutigen Vorteil: Als gebürtiger Wessi kann er den Zeitgeist auf der anderen Seite eben jenes "Schutzwalles" sehr gut und aus eigener Anschauung beurteilen!

Mir scheint es, als ob sich die Kritikin erster Linie daran entzündete:
Der Osten schlägt zurück
Natürlich waren die Arbeiter- und Bauernstaaten in der Lage, diesen imperialistischen Größenwahn zu überbieten, um den Klassenfeind so in seine Schranken zu verweisen.
Aber mit genau solchen Floskeln, die im Westen immer nur mitleidiges Lächeln auslösten, präsentierten sich die ehemaligen Ostblockstaaten, allen voran die DDR, offiziell gegenüber dem Westen. Wer konnte hat damals im Osten eher Westfernsehen gesehen. Nachvollziehbar, aber vielleicht liegt hier auch der Grund für eine gewisse Amnesie begründet. In der "Aktuellen Kamera" und natürlich im "Schwarzen Kanal" waren solche Formulierungen Gang und Gebe. Ich habe mir lediglich erlaubt, diese als Stilmittel der Überspitzung zu verwendet und ich kann daran nach wie vor nichts Verwerfliches finden!

Mir ist klar, daß die Verwendung solcher Formulierungen unter Umständen nicht immer auf Gegenliebe stoßen. In so fern stimme ich helferlain voll und ganz zu, der da schrieb:
helferlain hat geschrieben:Allerdings muß man bei Benutzung historisch belasteter Begriffe auch mit belasteten Reaktionen rechnen.
Capricky ist der einzige, der bisher in dieser Form, die für mich auch stark persönlich motiviert scheint, Kritik geübt hat. Ich habe nicht ohne Grund ein gutes halbes Jahr verstreichen lassen, bis ich den hier schon erwähnten Artikel "Die Ost-Gitarre am Beispiel von Musima und Migma" veröffentlicht habe, denn ich wollte sichergehen, daß ich da möglichst wenig "Mist" verzapfe". Während dieser Zeit war ich mit einigen Menschen von "drüben" in Kontakt. Einige Reaktionen auf diesen Artikel sind hier nachzulesen. Soweit scheine ich in der Beurteilung der Dinge ja nicht von der Wahrheit entfernt zu sein.

Ich habe kurz nach der Wende einige Erfahrungen mit ehemaligen DDR-Bürgern gemacht. Gerade die älteren unter Ihnen taten sich mit der jüngeren (ost-)deutschen Geschichte sehr schwer. Am liebsten hätte man sie wohl vergessen, so war mein damaliger Eindruck!

So ungewöhnlich ist das allerdings nicht und "wir im Westen" kennen das leider auch. Unmittelbar nach dem Krieg wußte niemand etwas von den Konzentrationslagern und auch das spurlose Verschwinden von tausenden von Menschen war niemandem aufgefallen. Und natürlich hatte keiner seinerzeit den Nationalsozialisten per Wahl zur Macht verholfen! Niemand hatte, konnte,...

Viele dieser Menschen haben diese nachweislichen Vorgänge bis zu ihrem Tod verdrängt und wenn man sie dann doch darauf ansprach, mußte man mit sehr ärgerlichen bis unschönen Reaktionen rechnen! Meine Generation (der Onkel ist Jahrgang 64) ist wohl die erste, die diese Vorgänge eher objektiv und aus historischer Sicht betrachtet, da sie nicht unmittelbar davon betroffen ist. Gleichwohl müssen wir auch heute noch unter den Folgen dieser Zeit leiden und so mußte sich meine Frau noch in den 80er Jahren von alten Franzosen als "dreckige Deutsche" beschimpfen lassen.

Ich gehe davon aus, daß die Gesellschaft der ehemaligen DDR nach der Wende eine ganz ähnliche Entwicklung durchmacht, was sich mit meinen persönlichen Erfahrungen deckt.

Vielleicht wird man ungern an diese Zeit erinnert, aus welchem Grunde auch immer. Aber verdrängen sollten wir das nicht!

Ich hatte an anderer Stelle schon geschrieben, daß der Ostgitarren-Artikel eigentlich ein Abfallprodukt war, aber im Fazit steht dann zu lesen:
Es hat Spaß gemacht und es hat sich gelohnt!
und
Auch wenn viele Brettgitarren aus der ehemaligen DDR nicht den westlichen Standards entsprachen, so sollte man nicht pauschal die Nase rümpfen, denn auch hier gab es solche und solche! Spätestens, wenn man auch die sogenannten Schlag- oder Jazzgitarren in die Betrachtung mit einbezieht wird klar, daß auch "drüben" durchaus gute Instrumente gebaut wurden, die sich hinter einer Höfner, Framus oder Hoyer nicht verstecken mußten! Unabhängig von der Qualität der einzelnen Instrumente sind sie jedoch alle ein wichtiger Bestandteil des deutschen Instrumentenbaus seit dem Krieg und allein aus diesem Grund wert, daß man sich mit ihnen und der Geschichte ihrer Erbauer beschäftigt!
In diesem Zusammenhang stellt sich mir die brennende Frage, warum sich ausgerechnet ein Wessi dieses Themas annimmt und nicht jemand aus dem Osten, der die Dinge doch besser beurteilen könnte (oder sollte?) Aber vielleicht ist gerade aufgrund dieser "ostdeutschen" Befindlichkeiten ein westlicher Chronist die bessere Wahl?
capricky hat geschrieben:Die Reparatur einer Ostgitarre und ein Gespräch mit einem ehem. Musimamitarbeiter ist wenig Basis, um über "die Ostgitarren" technisch wie im politischen Kontext publizieren zu können.
Ich bin ehrlich erstaunt, daß Du weißt, mit wie vielen Menschen ich im Zusammenhang mit diesem Artikel Kontakt hatte!

Wenn ich Dich richtig verstanden habe, hast Du jede Menge dieser alten Ostgitarren zwecks Reparatur und Modifikation in den
Händen gehabt und ich respektiere Deine diesbezüglichen Erfahrungen, aber weißt Du damit automatisch, wie es damals bei der Musima war? Wem soll ich da glauben? Einem ehemaligen und langjährigen Mitarbeiter oder Dir? Ich will mir da keine Entscheidung anmaßen. Du tust das, zumindest aus meiner Sicht, schon!
capricky hat geschrieben:Ich hätte schon Fakten beitragen wollen/können.
Prima, fang' an zu schreiben! Das Thema ist es mehr als wert!! Wir können das Update des Ostgitarren-Artikels auch gemeinsam schreiben... Aber dazu mußt Du dann leider hinter Deinem Pseudonym hervorkommen. ;)
Keine Angst, die Stasi ist jetzt Geschichte und ihr offizieller Jäger wird hoffentlich der 10. Bundespräsident dieses unseren Landes!
capricky hat geschrieben:Der "elektrische" Teil der "Letter" ist immer absolut brilliant,...
Danke! Aber auch andere Artikel, wie die Geschichte der Musician oder die Marktanalyse von Epiphone haben große Zustimmung erfahren. Ich werde mich daher von niemandem auf die pure Technik reduzieren lassen!
capricky hat geschrieben:Ach wenn er doch bitte bloß dabei bleiben könnte!
Das wird der Onkel mit Sicherheit nicht machen! Ich werde immer über die Themen schreiben, die mich gerade interessieren und dabei versuchen so gut wie irgend möglich zu recherchieren. Für konstruktive Kritik bin ich dabei immer offen!

Anmerkung:

Auch wenn mir die Begriffe "Wessi" und "Ossi" eigentlich zuwider sind, habe ich sie hier der Einfachheit halber genutzt. Persönlich halte ich es im übertragenen Sinne da eher mit Wilhellm II, der da sagte: "Ich kenne keine Parteien mehr, ich kenne nur noch Deutsche!"

In diesem Sinne

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Re: Der "Trickschalter" in den Gitarren von "Musima" und "Mi

#21

Beitrag von bigherb » 28.06.2010, 23:43

hallo zsammen
da kann man mal wieder sehen welche Befindlichkeiten 21 Jahre nach dem Mauerfall das Thema immer noch erzeugt. Der Onkel hat aus der Sicht des "Westlers" überhaupt nichts Verwerfliches von sich gegeben. Bis 1975 war mir das Land jenseits des Eisernen Vorhangs äußerst unbekannt und geradezu suspekt. Nach einem 14 tägigen privaten Besuch kam ich aus dem Staunen erst mal nicht heraus. Zu exotisch war der Alltag dort aus Sicht dreier 17 bis 18 jähriger, die mit ihrem alten VW Käfer jedesmal einen Kinderauflauf verursachten wenn sie im Dorf vorfuhren.
1977 im Dienste der BRD und im "Kleid der Ehre" wunderte ich mich, dass unsere Panzer alle mit den Rohren nach rechts auf der Deutschlandkarte von Kiel bis Berchtesgaden standen.....und die "andere Seite" ihre Panzerrohre nach Links....obwohl es kein offinzielles Feindbild gab.....
Warum schweife ich so ab....?
Nun, hier in der ollen BRD wurde schon die Überlegenheit der sozialistischen Lebensart "erfühlt" und gleichzeitig belächelt.....wobei nicht 25 verschiedene Schokoladensorten ausschlaggebend waren sondern die "Alltäglichkeit" die Regale "immer" mit den 25 Sorten gefüllt vorrätig zu haben....
Letztendlich mußte diese Irrsinnsgrenze für die soziale Marktwirtschaft und das Wirtschaftswunder dienen....denn hätten die Alliierten keinen "Zoff" unter einander bekommen wäre es im Westen ebenfalls niemals vorangekommen.
So mußte das kapitalistische System einen sozialen Anstrich erhalten und "Hinz und Kunz" ihren Fernseher oder Käfer erwerben können, damit im Osten erkennbar würde was das "bessere" System sei.
Den Realitätssverlust der alten DDR Ostführung erleben wir zur Zeit auch in den ersten Ansätzen bei unserer aktuellen Regierung. Die Weltwirtschaftskrise, Europakrise, Managerversagen, Bankenkriegserklärungen, Milliardenhilfsgelder ect. schiebt unsere Kanzlerin so ganz nebenbei den Bürgern in die Schuhe, die über ihre Verhältnisse leben würden.....
Die nächsten Jahre werden immer interessanter.....

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Re: Der "Trickschalter" in den Gitarren von "Musima" und "Mi

#22

Beitrag von capricky » 29.06.2010, 13:10

Du machst mir fertich, bigherb! :roll:

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Re: Der "Trickschalter" in den Gitarren von "Musima" und "Mi

#23

Beitrag von bigherb » 29.06.2010, 15:51

genau...deshalb ist es doch so interessant und wichtig was der Onkel schreibt!! Wenn alles "fertich" gemacht wurde ist möglicherweise das ganze Wissen um die alten Gitarren zum Deuffel.....

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Re: Der "Trickschalter" in den Gitarren von "Musima" und "Mi

#24

Beitrag von Lex Luthier † » 29.06.2010, 18:25

ist ja ganz schön verzwickt hier inzwischen (think)

eigentlich gilt wie wir wissen ja generell die Regel in Foren " keine Politik, keine Religion keine Frauen usw

Ein Thema so einzufärben ist im Grunde ja nichts anderes wie eigenen Geschmack und Meinung in die Sachlichkeit mit einfließen zu lassen, also theoretisch wär die ganze Ost West Gegenüberstellung überflüssig wenn man nur vom Schaltbild und der Ausstattung redet, man kann auch einen Toggle Switch und einen Bladeswitch nebeneinander vergleichen ohne das Herkunftsland zu erwähnen, es sei denn einen der beiden Schalter gäbe es z.B. nur in einem einzigen Land, dann ist das Zusatzinformation

aus der Sicht unterstütze ich caprickys Anregung, bestimmte Dinge einfach wegzulassen, wir haben das bei Chrom-Gold Diskussionen usw auch immer eingehalten

Offensichtlich ist sture Sach- und Fachdarstellung einigen aber zu trocken und unsympathisch oder persönliche Gefühle aufzumischen überhaupt erst die Würze des Themas :?:

schwer hier zu differenzieren, die Veröffentlichung eines Artikels, der außerhalb eines Forums natürlich die Berechtigung hat jede nur erwünschte persönliche Färbung auszuleben ... hier eigentlich nicht ...und dann dem Author nicht das Gefühl zu geben das seine Artikel grundsätzlich nicht erwünscht oder zensiert werden...also bitte mal objektiv bleiben, "Ich mag Deine Anwesenheit aber Du brichst hier ne Regel ich würde es sehr bedauern auf Deine Anwesenheit verzichten" zu müssen - das ist der Konflikt, nicht Zensur

dann kommt der Vorschlag ob man nicht zugunsten aller Vorteile .... und es wär doch sehr schade wenn man als Reaktion darauf nur " wer mich nicht so liebt wie ich mich gebe muss auf mich verzichten" bekommt - also da stimmt auch was nicht mit dem Selbstbewusstsein oder dem Ego finde ich, obwohl ich ja selbst auch mal schnell unter Spaßverderberei leiden kann :|

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Re: Der "Trickschalter" in den Gitarren von "Musima" und "Mi

#25

Beitrag von DerOnkel » 30.06.2010, 00:51

Das wird jetzt aber eine andere Front. Also erst einmal sortieren:

[sort]
Der hier schon mehrfach zitierte Ostgitarren-Artikel wurde weder in diesem Board, noch im alten Gearbuilder-Forum veröffentlicht, da ich ihn thematisch nicht für geeignet hielt und halte.

Wenn ich hier also gegen irgendwelche Regeln verstoßen habe, dann ist dieser Artikel davon keinesfalls betroffen, da ich in anderen Beiträgen lediglich auf diesen Artikel verwiesen habe (auch wenn er - damals und heute - vieleicht persönliche Befindlichkeiten bei capricky berührt)!

Geht es um einen Regelverstoß, dann dreht sich die Diskussion also nur um meinen im Post 1 veröffentlichten Artikel!
[/sort]

Ich habe mir den Nutzungsvertrag dieses Boards noch einmal angesehen und kann nicht finden, daß ich mit meinem Artikel in irgendeiner Weise gegen diesen Vertrag verstoßen habe!

Ich kann nicht verhehlen, daß mich der Verlauf dieser Diskussion jetzt doch ein wenig befremdet!

Zuerst kommt ein Moderator, der offensichtlich durch persönliche Empfindungen motiviert, mehr oder weniger eine inhaltliche Änderung meines Beitrages anmahnt.

Dann taucht ein Administrator auf, der einen Regelverstoß ins Spiel bringt, der - zumindest für mich - keinesfalls erkennbar ist!

Was soll ich jetzt davon halten??

Wenn mein Beitrag einen Regelverstoß darstellt, warum hat der Moderator dann nicht seine Arbeit getan und den Beitrag mit Hinweis auf die entsprechende Regel gelöscht, statt zu jammern?

Alle meine größeren Beitrage werden für http://www.guitar-letter.de geschrieben und von mir - je nach Entscheidung und Sachlage - in einigen ausgewählten Foren veröffentlicht. Ich bin in den letzen Jahren von einer ganzen Reihe von Foren eingeladen worden, wie es auch unlängst hier zum Start der Fall war. Ganz offensichtlich ist man wohl der Meinung, daß die "Anwesenheit" des Onkel für ein Gitarrenforum einen Vorteil darstellt.

Das klingt jetzt zwar etwas überheblich, aber seit dem Start meiner Aktivitäten im Jahre 2004 ist der Onkel im Bereich der Gitarrenelektronik (zumindest im Internet) eine Größe geworden und ab und zu (wenn ich alleine bin) bildet sich der Onkel darauf denn doch was ein! ;)

Die Aufbereitung von Artikeln für die einzelnen Foren stellt für mich zusätzliche Arbeit dar. Ich mache das gerne und ich erhalte aus den daraus entstehenden Disussionen ja auch jede Menge Anregungen, aber ich kann und werde nicht für jedes Forum eine inhaltlich eigene Version generieren! Das gebietet alleine schon die notwendige Konsistenz!

Ob, wann und wo ich einen Artikel veröffentliche, entscheide alleine ich! Im Falle eines Forums ist das ein Angebot an den Betreiber, daß er annehmen, aber auch ablehnen kann. Dieses Recht ist unbenommen!

Eine Anforderung nach inhaltlicher Änderung aus Board-politischen oder persönlich motivierten Gründen stellt für mich jedoch einen Eingriff in meine publizistische Freiheit da, den ich auf das entschiedenste ablehne!

Sollte ich feststellen, daß in irgendeinem Forum ein Moderator oder Administrator ohne meine Kenntnis Änderungen an meinen Artikeln vornimmt, dann fahre ich mit dem betreffenden "Schlitten" und das entsprechende Board ist für mich gestorben! Aus dieser Tatsache werde ich dann auch keinen Hehl machen!

Natürlich bin ich für konstruktive inhaltliche Kritik immer offen und capricky hat mit seiner Kritik bei den Gearbuildern den Anlaß zu umfangreichen Änderungen am Ostgitarren-Artikel gegeben, die freilich noch nicht online sind (aber auf meiner defekten Platte :( ).

Also, um die Dinge auf den Punkt zu bringen: Artikel aus den Guitar-Letters "sind so, wie sie sind"!

Da ich an meinem Artikel "Der Trickschalter in den Gitarren von Musima und Migma" keinen Verstoß gegen die Boardregeln erkennen kann, erwarte ich von der Board-Leitung eine klare Aussage, wie und in welcher Form ich hier in Zukunft weitermachen kann.
Schön wäre es, wenn man das dann auch in den Nutzungsbedingungen nachlesen könnte!

Bis dahin werde ich weitere Veröffentlichungen ruhen lassen.

Darüber hinaus möchte ich anregen, darüber nachzudenken, ob und in wie weit sich persönliche Befindlichkeiten mit einer objektiven Moderation vereinbaren lassen! Das, was ich hier erlebe, stellt für mich ein Novum dar, das eigentlich nicht meine Zustimmung findet!

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