Holzbinding biegen

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Rallinger
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Holzbinding biegen

#1

Beitrag von Rallinger » 31.12.2019, 08:23

Moin. Aus aktuellem Anlass hab ich mich auf die Suche nach Methoden zum Biegen von Holzbindings gemacht. Idealerweise (mangels Vorhandensein) ohne dafür ein Biegeeisen verwenden zu müssen. Dabei bin ich auf die folgenden beiden Videos gestoßen, die eine sehr interessante (und mir komplett neue) Methode zeigen:

https://www.youtube.com/watch?v=WTbc6FDusUQ Hier wird die Methode kurz gezeigt.
https://www.youtube.com/watch?v=fUnc0KsXgs4 Hier wird die Methode ausführlichst erklärt.

Kurz zusammengefasst: Das Binding wird 30 Minuten in Ammoniak eingelegt, dann in Alufolie gewickelt, mit der Heißluftpistole erhitzt, mit einer Positiv-/Negativform gebogen, und nach dem Zwingen nochmals erhitzt. In der Demonstration (Teil 1 des Videos anzusehen reicht) hält das Holz danach ohne jedes Federn diese Form.

Es gibt sicher schöneres, als mit Ammoniak zu hantieren. Aber da ich gerade Eiche räuchere, hab ich mich fast schon dran gewöhnt (Geruchsnerven abgetötet? :? ). Damit rückt das Anfertigen von Holzbindings der Reichweite meiner Möglichkeiten jedenfalls schon mal ein gutes Stück näher. Aber da stellen sich natürlich gleich mal ein paar Fragen ...
  • Hat das schon mal jemand gemacht, und Erfahrungswerte anzubieten?
  • Der Kollege im Video verwendet 9%igen Ammoniak. Ginge 25%iger auch und brächte ggf Vorteile? Oder wäre das eher kontraproduktiv? Ich habe beides im Haus. Aber der 25iger aus der Apotheke verfliegt viel schneller und stinkt nicht ganz so krass. Den würde ich daher lieber nehmen.
  • Im Video ist von einem zweiten Mittel der Wahl die Rede, das die Holzfasern noch flexibler machen würde. Allerdings würde sich das Holz dadurch auch verdunkeln. Das Zeug nennt der Kollege "Sodium Hydroxide". Weiß jemand was das ist? Ich habe keine 1:1 Übersetzung dafür gefunden. Was dem am nähesten kam war "Natronlauge". Ich meine mich aber erinnern zu können, dass Natronlauge krass ätzend ist ...

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Re: Holzbinding biegen

#2

Beitrag von Gerhard » 31.12.2019, 09:01

Auch wenn es deine Frage nicht beantwortet: Ich sehe den Sinn nicht. Warum kein Biegeeisen verwenden? Das kostet nicht die Welt, z.B. ein kleines Geigenbiegeeisen reicht für Bindings.
Um nichts in der Welt würde ich da mit Chemie herumwurschteln. Das ist für mich die Lösung eines Problems, das nicht existiert.

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Re: Holzbinding biegen

#3

Beitrag von micha70 » 31.12.2019, 10:02

Guten Morgen,

Das Biegen von Ahornbinding hab ich auch nur einmal gemacht aber es ging erstaunlich gut. Heißluftfön, Stahlrohr und wassergetränkte Tücher. Zum Trocknen gespannt gehalten.
IMG_3701.JPG
IMG_3708.JPG
Auch um kleine Radien und da war noch nichts geleimt. War ein Test für ein Ahornbinding um Korpushörner ;) Für eine einmalige Sache geht das gut auch ohne Temperaturregelung oder ähnlichem Schnickschnack. Was noch gegen das Aufspleisen hilft ist die Metallbeilage beim Biegen. Kurzum: Ich würde die Chemie auch weglassen.

LG
Micha

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Re: Holzbinding biegen

#4

Beitrag von Rallinger » 31.12.2019, 10:04

Gerhard hat geschrieben:
31.12.2019, 09:01
Auch wenn es deine Frage nicht beantwortet: Ich sehe den Sinn nicht. Warum kein Biegeeisen verwenden? Das kostet nicht die Welt, z.B. ein kleines Geigenbiegeeisen reicht für Bindings.
Um nichts in der Welt würde ich da mit Chemie herumwurschteln. Das ist für mich die Lösung eines Problems, das nicht existiert.
Nun ja, vielleicht habe ich zu viel Respekt vor dem Biegen. Aber was ich bisher darüber gehört habe ist, dass es Erfahrung braucht und, bis man diese Erfahrung hat, mit reichlich Holzsplittern verbunden ist.

Wollte ich Akustikgitarren bauen, müsste ich halt in diesen sauren Apfel beißen und mir die Erfahrung draufschaffen. Aber bis ich mich an eine Akustikgitarre wage, will ich zuerst einmal die Qualität meiner E-Teile noch deutlich steigern. Damit habe ich einstweilen noch genügend zu tun.

Sicher kostet ein Biegeeisen nicht die Welt, und Erfolg vorausgesetzt will ich nicht ausschließen, dass ich weitere Instrumente mit einem Holzbinding versehen werde. Aber im Moment reden wir von einem Instrument. Und dafür über 100 Euro auszugeben für ein Tool, dessen Umgang ich erst erlernen muss ... sorry, aber ich hab kürzlich ziemlich viel Geld in meine Werkstatt investiert. Und wenn wieder Kohle frei ist, stehen diverse andere Dinge auf der Wunschliste, bevor ich dann irgendwann mal bei einem Biegeeisen angekommen bin.

Und schließlich bin ich auch nicht scharf darauf, mit Chemie rumzupanschen. Aber wenn man Ammoniak verwendet, um Eiche zu räuchern sehe ich keinen Grund, dasselbe Zeugs nicht auch zum Biegen von Holz zu verwenden.

Ergo, das Problem existiert. Zumindest für mich. Und ich bin ganz froh, offenbar eine mit meinen Mitteln gangbare und günstige Lösung gefunden zu haben.

Aber versteh mich nicht falsch. Ich hab nix gegen die klassische Methode, Holz zu biegen. Ich würde das gerne können, und wenn ich Gelegenheit hätte, es mir zeigen zu lassen, wäre ich ein wissbegieriger Schüler. Aber es mir für einen E-Bass selber draufzuschaffen, erscheint mir doch als Overkill. Dafür gibt's bei mir zu viele andere Baustellen.

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Re: Holzbinding biegen

#5

Beitrag von cabriolet » 31.12.2019, 11:25

Das Ammoniak brauchst du doch garnicht, weiss garnicht was das hier bewirken soll (think) . Anfeuchten reicht, der entstehende Dampf dient einfach dazu, die Temperatur im Holz gleichmäßiger zu verteilen. Wenn das Holz die richtige Temperatur hat, wird das richtig weich. Und Hitze brauchst du ja auch in den gezeigten Videos.
Also wie @micha70 ein Biegerohr improvisieren und von Hand biegen, da spürst du am besten, wann sich das Holz biegen lässt.
Oder wie im Video einpacken und erhitzen, aber ohne Ammoniak. Der Nachteil: In Alufolie gewickelt siehst du nicht, ob dir das Holz verbrennt (Temperatur zu hoch) und beim Drücken in die Form spürst du kaum, ob es weich genug ist (Temperatur zu niedrig). Die gleichen Schwierigkeiten also, wie "in groß" beim Fox-Bender.

Ich persönlich sehe und fühle am liebsten, was das Holz macht, ich habe außer Zargen so auch schon Reifchen für Akustik-Gitarren aus Fichte, Kirsche und Nussbaum auf meinem heißluftbeheizten Rohr gebogen. Und das sogar trocken (obwohl mein Bieggerohr ein Wasserrohr ist :lol: ).

Gruß
Markus
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Re: Holzbinding biegen

#6

Beitrag von Yaman » 31.12.2019, 11:55

Hier findest du Informationen über das Biegen von Holz mit Ammoniak:

https://www.e-periodica.ch/cntmng?pid=s ... 71:89::702

Mit Sodium Hydroxid ist Natriumhydroxid und in flüssiger Form Natronlauge gemeint, leider fehlt die Angabe der Prozentzahl. Ist natürlich ätzend, was für Ammoniaklösung aber auch gilt.
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Re: Holzbinding biegen

#7

Beitrag von Rallinger » 31.12.2019, 12:18

Vielleicht müsste ich das klassische Biegen einfach mal wieder mit ein bisschen mehr Geduld probieren ... Ich hab halt nur einmal ein Holzbinding für ein Griffbrett versucht, und egal wie ich da erhitzt oder benässt habe, das Holz ist mir weit vor Erreichen des notwendigen Biegeradius gebrochen. Das hat mich einigermaßen desillusioniert gelassen. Aber vielleicht habe ich das Thema zu voreilig in die "bin ich halt zu doof für" Schublade geschoben. Mal sehen. Aufs Ammoniak-Schnüffeln bin ich jedenfalls auch nicht scharf. Das hatte ich jetzt beim Eiche-Räuchern schon zur Genüge ...

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Re: Holzbinding biegen

#8

Beitrag von Gerhard » 31.12.2019, 12:43

Rallinger hat geschrieben:
31.12.2019, 12:18
Ich hab halt nur einmal ein Holzbinding für ein Griffbrett versucht, und egal wie ich da erhitzt oder benässt habe, das Holz ist mir weit vor Erreichen des notwendigen Biegeradius gebrochen.
Die Ursachen hierfür sind wie eigentlich immer: zu kalt, zu dick, kein Biegeblech verwendet. Anständig biegen lässt es sich mit 2mm bei ca. 160°C - 200°C. Manche Hölzer kann man trocken biegen, wie z.B. Ahorn, Nussbaum oder Palisander. Andere Hölzer haben es gerne etwas feuchter, wie z.B. Mahagoni.

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Re: Holzbinding biegen

#9

Beitrag von bea » 31.12.2019, 15:38

Wenn man erstmal kein Geld für ein Biegeeisen ausgeben möchte oder kann, kann man auch ein Bügeleisen verwenden. Geht zwar lange nicht so gut wie ein echtes Biegeeisen, weil von der falschen Seite geheizt wird - aber damit habe ich sogar schon Zargen gebogen. (Irgendwer in Familie oder Verwandtschaft wird doch ein abgelegtes Bügeleisen über haben, das in einer Ecke auf bessere Tage wartet?)
LG

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Re: Holzbinding biegen

#10

Beitrag von Lumael » 09.01.2020, 17:00

Heißluftfön und Stahlrohr kostet dich vielleicht 25 Euro und ist fürs Biegen von Bindings vollkommen ausreichend. Die Vorraussetzungen müssen halt stimmen. Richtige Temp. nicht zu dick (siehe Gerhard) und halt darauf achten, dass deine Bindings nicht zu abhölzig sind!...ist meiner Meinung nach (besonders, wenn man wenig Erfahrung hat) besonders wichtig.

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Re: Holzbinding biegen

#11

Beitrag von Rallinger » 09.01.2020, 18:10

Lumael hat geschrieben:
09.01.2020, 17:00
... und halt darauf achten, dass deine Bindings nicht zu abhölzig sind!...ist meiner Meinung nach (besonders, wenn man wenig Erfahrung hat) besonders wichtig.
Danke dir. Was genau bedeutet "abhölzig"?

Das Material mit dem ich arbeiten möchte sind jedenfalls mittelstark geriegelte Ahorn-Zargen, die ich in Streifen schneiden möchte. Aktuell ist das Material 2,7mm dick, da werde ich wohl noch ein Stück runterschleifen/hobeln (so auf ca 2,2mm hatte ich gedacht). Die Enddicke des Bindings ist jedenfalls auf 2mm angepeilt. Die Jahresringe verlaufen im 45 Grad Winkel durch das Holz.

Einen Heißluftföhn und ein altes Bügeleisen besitze ich bereits. Auch ein passendes Stück Stahlrohr wird sich finden.

Auf welche Weise ich es dann versuchen werde entscheide ich aus dem Bauch heraus wenn es soweit ist. Die "gstinkerte" Variante mit Ammoniak und Pos/Neg-Form erscheint mir halt etwas idiotensicherer und daher für eine (aktuell voraussehbar) einmalige Sache pragmatischer. Aber mal sehen wie es dann um meine Geduld stehen wird. Zargen oder Bindings auch ohne Gasmaske biegen zu können ist eine Sache, die ich schon gerne beherrschen würde. Wenn ich Zeit und Muße habe, probier ich das aus.

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Re: Holzbinding biegen

#12

Beitrag von Lumael » 11.01.2020, 11:22

Abhölzig bedeutet, dass die Holzfasern nicht "gerade" und durch möglichst lange Strecken des Werkstücks verlaufen, sondern sehr schräg stehen und nach bereits kurzer strecke heraus wandern. Du hast somit praktisch eine Sollbruchstelle im Material. Die Fasern erkennst du, wenn du seitlich im 90° Winkel) auf die Jahresringe blickst. Wenn du ein stück Holz biegst, reisst es meist dort wo die Faser heraus läuft.
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