Violin Bass Bausatz

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penfield
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Violin Bass Bausatz

#1

Beitrag von penfield » 27.03.2018, 23:03

Vor Kurzem bekam ich aus gegebenem Anlass einen unerwarteten Gitarrenversandkarton überreicht. Der Inhalt war zunächst ungewiss, insbesondere weil dieser besorgniserregend lose im Karton herumrutschte. In Erwartung von Gitarrentrümmern sollte ich aber mehrfach positiv überrascht werden:

1) Der Inhalt war ein höfnerartiger Bass, der
2) trotz Verpackungsmängel unbeschädigt war.
3) Die Einzelteile waren einzeln im Karton zerstreut, aber vollständig vorhanden
(sogar die kleinen Schrauben für die Mechaniken waren alle da).

Offenbar habe ich letztens zu laut über den Bau eines höfnerartigen Basses nachgedacht und mir so unverhofft (trotz chronischer Zeitknappheit) ein kleines Nebenprojekt eingetreten.

Gut, dachte ich, dann zur Abwechslung ein Bausatz; ist ja im Wesentlichen ein "Finishprojekt" (erinnert mich an diese Geschäfte, wo man mit den Kindern hingehen kann, um Keramik zu bemalen -als Geschenke für die Omas und Opas).

Hier ein paar Bilder (gestellt, daher Einzelteile aufgeräumt)
Der Korpus besteht aus Sperrholz mit einer Schicht Ahorn obendrauf und hat eine recht schöne Maserung.
Der Hals sieht nach Ahorn aus. Insgesamt ist das Holz (für so einen Bausatz) recht schön.
Zudem stellte ich anhand der Lacknasen fest, dass das Holz irgendwie behandelt wurde.
Dass der Hals ziemlich krumm war, schreckte mich ein wenig. Als ich deshalb am Trussrod herumstellte, merkte ich gleich, dass dieses, aus welchen Gründen auch immer, ziemlich stark auf Krümmung geschraubt war. Nachdem ich die Spannung rausgenommen hatte, war der Hals sogleich kerzengerade. Die Bünde sind seitlich gut abgerichtet und brauchen hoffentlich auch oben wenig Nachbearbeitung.

Nachdem ich also erkannt hatte, was zu tun war, griff ich zum……..Schleifpapier! Endlich wieder Schleifen!
Mit 320er ging ich dann meiner Lieblingsbeschäftigung nach und schliff die Grundierungsüberschüsse glatt. Bei dieser Art Furnier muss man dabei erfahrungsgemäß sanft zu Werke gehen, um nicht durch zu schleifen.
Das rundum Schleifen war recht flott erledigt. Es gibt an den Zargen ein paar mit Leim geschlossene Kanten. Es wird sich weisen, wie sich das auf das Finish auswirkt. (Um ehrlich zu sein, das behandelte Furnier gibt mir mehr zu denken... (think) )

Während ich noch überlegte, wie das Finish überhaupt aussehen wird, begann ich mit der Gestaltung des Headstocks – der wird in Standardausführung gestaltet.
Zunächst das Emblem aus Messing gesägt und gefeilt. Dabei kommt meine neue „Juwelierssäge“ zum Einsatz – kein Vergleich zu dem Laubsägebogen, den ich bisher verwendete. Das Emblem flutschte quasi mühelos aus dem umgebenden Metall. Das Feilen geht inzwischen auch schon ganz gut. Nur das Festhalten macht den Fingern (zusehends mehr) Probleme. Anschließend mit ermatteten Händen und schmerzenden Fingern den Headstock aufgeraut ;)
Auf diesem Bild sieht man auch, dass der Bausatz auch die Höfner Variante mit Nullbund zulassen würde. (Das Bild ist also kein Porträt meines geschundenen Schleifklotzes ;))

Furnier eingepasst und Epoxy angerührt
Die Mechanikbohrungen abgeklebt, damit das Epoxy nicht durchrinnt und die Rückseite versaut
Und ordentlich Epoxy aufgelegt

Dann das Furnier
Und noch mehr Epoxy drauf

Anschließend gibt es endlich wieder ein Zwingenbild – das klassisch/traditionelle Symbol des Baufortschrittes
Während das polymerisiert, geht es an die essentiellen Fragen: Welche Farbe soll das Ding bekommen?

Weil die Maserung ganz hübsch ist, würde ich zumindest Boden und Decke gerne Beizen und Klarlacken. Die Höfner Burst Variante gefällt mir ganz gut, aber ist mir ehrlich gesagt zu viel Aufwand und ich bin mir auch nicht sicher, ob ich das ordentlich hinbekomme. Vielleicht ganzfärbig Bernstein oder Gelbbraun bzw. Eiche mittel bis dunkel oder gar nuss (quasi Richtung klassischem Kontrabass) oder schlicht und einfach edles Dunkelrot (eventuell mit schwarz lackierten Zargen, falls die Zargenklaffer stören sollten; vielleicht dann ein schwarzer Burst bei Decke und Boden?).

Ehe ich diesen schönen Visionen erliegen konnte, kamen allerdings Bedenken auf. Meiner Erfahrung nach kann man die Furniere solcher Bausätze meist nicht gut/viel schleifen. Da dieses Furnier offenbar auch schon mit irgendetwas getränkt zu sein scheint, sind meine Visionen inzwischen starken Zweifeln gewichen, ob das mit dem Beizen überhaupt funktionieren kann - nun gut, sobald die Kopfplatte fertig ist, werde ich es ausprobieren, dann wird es sich weisen.
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Re: Violin Bass Bausatz

#2

Beitrag von DoppelM » 27.03.2018, 23:39

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Re: Violin Bass Bausatz

#3

Beitrag von Poldi » 28.03.2018, 05:30

Wässer doch mal die Decke, dann kann man meist schon sehen ob das mit dem Beizen funktioniert.

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Re: Violin Bass Bausatz

#4

Beitrag von Pilpui » 28.03.2018, 08:37

Vielen Dank für die coole Dokumentation, ich bin auf Updates gespannt!
Klimper Klimper, meist folgt nix dahinter

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Re: Violin Bass Bausatz

#5

Beitrag von penfield » 28.03.2018, 09:41

DoppelM hat geschrieben:
27.03.2018, 23:39
Blattgold.
An ein Goldtop hab ich auch schon gedacht.
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Re: Violin Bass Bausatz

#6

Beitrag von penfield » 28.03.2018, 09:44

Poldi hat geschrieben:
28.03.2018, 05:30
Wässer doch mal die Decke, dann kann man meist schon sehen ob das mit dem Beizen funktioniert.
Das habe ich inzwischen gemacht.
Das Wasser stand quasi auf dem Furnier.
Habe daraufhin noch mehr geschliffen.
Hat aber nicht viel geändert.
Die Aufnahmefähigkeit ist bescheiden bis nix.

Werde das aber noch einmal anschauen
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Re: Violin Bass Bausatz

#7

Beitrag von penfield » 28.03.2018, 09:45

Pilpui hat geschrieben:
28.03.2018, 08:37
Vielen Dank für die coole Dokumentation, ich bin auf Updates gespannt!
Danke. Es gibt hier ja baumäßig nicht so viel zu tun, da bleibt mehr Zeit für Literarisches und Fotos. ;)
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Re: Violin Bass Bausatz

#8

Beitrag von bea » 29.03.2018, 01:53

penfield hat geschrieben:
28.03.2018, 09:44
Das habe ich inzwischen gemacht.
Das Wasser stand quasi auf dem Furnier.
Habe daraufhin noch mehr geschliffen.
Hat aber nicht viel geändert.
Die Aufnahmefähigkeit ist bescheiden bis nix.
So habe ich es auch kennengelernt. Am wenigsten Streß hast Du, wenn Du lackierst. Welche Farbe wäre denn gewünscht?

Geigenbraun?
LG

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Re: Violin Bass Bausatz

#9

Beitrag von penfield » 29.03.2018, 12:13

bea hat geschrieben:
29.03.2018, 01:53
penfield hat geschrieben:
28.03.2018, 09:44
Das habe ich inzwischen gemacht.
Das Wasser stand quasi auf dem Furnier.
Habe daraufhin noch mehr geschliffen.
Hat aber nicht viel geändert.
Die Aufnahmefähigkeit ist bescheiden bis nix.
So habe ich es auch kennengelernt. Am wenigsten Streß hast Du, wenn Du lackierst. Welche Farbe wäre denn gewünscht?

Geigenbraun?
Ja, Ich habe intensiv darüber nachgedacht und recherchiert und komme zum Schluss, die "klassischen" Streichinstrumentenfarben würden da (mir ;) ) am Besten passen - Am einfachsten wohl als getönter Klarlack aufgetragen.

Dafür würde sich mein 2K Autoklarlack eignen, allerdings habe ich noch kein Abtönkonzentrat dafür gefunden.
Ich besitze Farbpaste für Epoxy, die geht angeblich auch für PU Lack. Ob die für den Klarlack funktioniert, weiss ich noch nicht.
Von Mixol habe ich gelesen; Capricky schreibt hier im Forum, das ginge zum Färben von Epoxy,
aber ob das für den 2K lack geht? (think)

Dann bleibt noch die Frage, wie man so einen schönen weichen, etwas gelblichen Braunton mischt. Damit muss ich mich noch beschäftigen. Zur Verfügung habe ich hellbraun, dunkel braun, rubinrot und gelb.
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Re: Violin Bass Bausatz

#10

Beitrag von DoppelM » 29.03.2018, 19:30

Warum nicht Schellack? Passt viel besser zu so einem Instrument und ist meiner meinung nach auch einfacher zu verarbeiten. Den kann man auch mit konzentraten anfärben, zum beispiel von Joha. Mixol sollte auch gehen.
Plus: der dunklere hat eh schon nen schönen Ton. Mir wurde mal gesagt dass um von einem rötlichen zu einem Bernstein-Braun zu kommen immer ein winziges bisschen grün das geheimnis ist.
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Re: Violin Bass Bausatz

#11

Beitrag von bea » 29.03.2018, 19:40

Streichinstrumente sind übrigens bei genauerem Hinsehen nicht einfarbig. Sie haben zumindest oftmals Farbverläufe, und es werden gerne auch mehrere Farbtöne verwendet.
LG

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Re: Violin Bass Bausatz

#12

Beitrag von DoppelM » 29.03.2018, 19:52

bea hat geschrieben:
29.03.2018, 19:40
Streichinstrumente sind übrigens bei genauerem Hinsehen nicht einfarbig. Sie haben zumindest oftmals Farbverläufe, und es werden gerne auch mehrere Farbtöne verwendet.
Aber das sind dann ja auch hochkomplexe Öl-Lacke, die man sich im Alchemistenstyle selber braut :D
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Re: Violin Bass Bausatz

#13

Beitrag von bea » 29.03.2018, 20:02

Nö, das gilt auch schon für "Nullachtfuffzehn-Meistergeigen", die preislich nur gerade so 5-stellig und mit handelsüblichen Geigenlacken lackiert sind. Sprich mit Produkten von Joha.
LG

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Re: Violin Bass Bausatz

#14

Beitrag von DoppelM » 29.03.2018, 21:01

Mal ne blöde Frage: wieso sind 0815-Meistergeigen eigentlich oft teurer als ähnlich Hi-Endige Archtops? Am Material kanns ja nicht liegen...
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Violin Bass Bausatz

#15

Beitrag von penfield » 29.03.2018, 22:19

@DoppelM Deine Frage nach der Preisgestaltung dieser Instrumente kann nicht beantworten.
Das mit dem Schellack muss ich mir noch überlegen. (think)

Heute Abend habe ich jedenfalls den Headstock ausgepackt, der so aussah
Ränder getrimmt
Zuerst mit einer Schere, dann mit dem Fräser.

Danach die Mechanikbohrungen "vervollständigt"
Inzwischen weiß ich zwar, dass man das so nicht machen darf, aber meine Reibahle ist leider zu dünn für Bassmechanikbohrlöcher - hat trotzdem gut funktioniert; Ich empfehle die Nachahmung allerdings nicht (der Bohrer verkeilt leicht).

Am Halsansatz vorne sah das Ganze so aus
Das ging natürlich nicht ohne Verschönerung
Damit´s (halbwegs) bündig wird, zunächst eine Bindingdicke abgestochen
Bindingstück eingepasst, aufgeklebt und anschließend mit der Klinge angeglichen. Das Aufkleben geht am einfachsten, wenn man das Holz mit Superkleber behandelt, auf das Binding Aktivator sprüht und das dann passgenau andrückt
Anschließend die Trussrod Kanalöffnung wieder freigelegt
Und für die Umrisszeichnung das inzwischen polierte Emblem aufgeklebt
Der Umriss sah dann so aus
Fertiggerissen mit Emblem
Das Emblem wurde dann mit Epoxy eingeklebt. Dafür spannte ich den Bass so ein, dass der Headstock horizontal ausgerichtet war. Selbstverständlich erwischte ich wieder zu viel Epoxy; als ich merkte, dass die Kanten des Headstocks so scharf waren, dass das Epoxy weder durch die Bohrlöcher noch an den Rändern verrann, kam mir die Idee, gleich den ganzen Headstock mit Epoxy zu beschichten.
Das hat an sich gut funktoniert, nur ist die Werkstattluft leider voller Flankerln, die sich präferentiell auf frisch bereiteten Glanzflächen niederlassen :roll:
Schnell eine (halbwegige) Staubschutzverkleidung improvisiert
Bin ich schon neugierig, wie das wird ;)
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Re: Violin Bass Bausatz

#16

Beitrag von thoto » 30.03.2018, 11:46

Ich bin auch schon gespannt!
Bisher sieht es ja ziemlich gut aus! Weiter! :-D
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Aktuelles Projekt: viewtopic.php?p=116032

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Re: Violin Bass Bausatz

#17

Beitrag von penfield » 01.04.2018, 19:39

Danke, Thoto!

Es bleibt spannend ;)

Zunächst einmal zurück zur Beizfrage.

Trotz schlechter Prognose und ziemlich niedriger Erwartungen, musste ich natürlich ausprobieren, wie das mit dem Beizen ist. Als ich den Beizschwamm anlegte, wurden alle Befürchtungen wahr. Gleich dem Wasser vom Wässern stand die Beize auf dem Bassfurnier wie auf dem "Furnier" eines Schwedenmöbels; von Farbaufnahme wenig bis nichts zu merken. Die Beizmuster hätte ich mir also sparen können. Außerdem ist die Farbe nicht so, wie in meiner Erwartung.
Der Furnierkleber und die fabriksmäßige Grundierung lassen wohl wenig Raum für die Beize. Ich schliff noch ein wenig nach, wobei die Beize ziemlich schnell unten war, sich aber sonst nichts am Unvermögen des Holzes ordentlich Beize aufzunehmen änderte bzw. sah das Gebeizte nachher immer noch so grauslich aus wie auf dem Bild oben.

Hier ein Detailbild des furnierten Sperrholzes (Decke)
Ich werde das Finish jedenfalls an die Tatsachen anpassen müssen. Ich neige ja dazu, getönten Klarlack zu verwenden; allerdings ist da noch die Schellack Option, die DoppelM angesprochen hat. Nach meinen Recherchen könnte ich getönten Schellack auftragen und anschließend mit Klarlack übersprühen. Praktische Erfahrung mit Schellack habe ich aber eigentlich keine, mit Ausnahme einer Verwendung als Porenfüller. Wenn man mit getöntem Schellak so arbeiten könnte wie mit Beize, wäre es schon eine interessante Variante - darüber muss ich noch nachdenken.

Dann war ich auch auf das Ergebnis der Kopfplattenbeschichtung einigermaßen gespannt
Auf den ersten Blick ziemlich gut gelungen - Zumindest Prinzipiell. Die hellen Pünktchen habe ich zunächst ignoriert. Dann aber doch geschliffen. Das Ergebnis war leider nicht ganz so erfreulich.
Schon gar nicht im Detail
Ich tippe auf angeschliffene Gasbläschen (Nadelstiche?), akzentuiert durch Schleifstaub (Nassschliff). Meine Hypothese: Ursache ist die Kaltverarbeitung des Epoxy.

Hätte es nach dem Mischen wohl eine Viertelstunde erwärmen sollen und/oder nach dem Auftragen mit Flamme bzw. Heißluftföhn die Bläschen austreiben, wie ich eigentlich auch angedacht hatte, aber, weil es wieder einmal so spät war, doch nicht gemacht habe.
Wischen hilft da nichts, den Dreck bekommt man nicht aus den winzigen Löchern.

Die Erfahrung sagt, wenn sonst nichts hilft, hilft nur noch Schleifen.
Wie sich zeigte, war das eine ziemlich zähe Angelegenheit. Zuerst habe ich ja ganz vorsichtig mit 800er Korn nass herumgetan; letztendlich habe ich mit 180er Korn mehr oder weniger die ganze Auflage abschleifen müssen bis die kleinen weißen Punkte dann endlich doch weg waren.
War also ziemlich umsonst, aber wieder sehr lehrreich. Im Grunde ist nichts verloren, außer (ein paar Stunden und) der Politur vom Emblem. Ist zu verkraften. Nur die Entscheidung mit Schellack zu experimentieren oder gleich zu Lackieren, fällt mir im Moment nicht leicht.
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Re: Violin Bass Bausatz

#18

Beitrag von DoppelM » 02.04.2018, 01:04

Nein, Getönter Schellack verhält sich komplett anders.
a) solltest du ihn als Politur auftragen. Das braucht viel Geduld und etwas übung, da mann sehr viele schichten aufträgt. Dafür ist das Ergebnis eine der schönsten Oberflächen überhaupt
a) sollte man ihn nicht zu stark tönen. Nur so dass jede schicht alles etwas dunkler macht. Andernfalls läufst du Gefahr Schlieren zu erzeugen. Die Wirkung erziehlst du durch die anzahl der Schichten. So 10 oder noch mehr können das schon werden - deshalb Geduld.

Das tolle an Schellack, abgesehen vom End-Ergebnis: Es ist letztlich jeder Fehler immer reparierbar, sogar ohne schleifen. Man kriegt das Zeug nähmlich wenns mal schief läuft genau so runter wie man es drauf bekommt, mit Geduld und Spiritus. Deshalb finde ich es gerade bei solchen Furnierdecken super - keine Durchschleifgefahr.
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Re: Violin Bass Bausatz

#19

Beitrag von penfield » 02.04.2018, 10:20

DoppelM hat geschrieben:
02.04.2018, 01:04
Nein, Getönter Schellack verhält sich komplett anders.
a) solltest du ihn als Politur auftragen. Das braucht viel Geduld und etwas übung, da mann sehr viele schichten aufträgt. Dafür ist das Ergebnis eine der schönsten Oberflächen überhaupt
a) sollte man ihn nicht zu stark tönen. Nur so dass jede schicht alles etwas dunkler macht. Andernfalls läufst du Gefahr Schlieren zu erzeugen. Die Wirkung erziehlst du durch die anzahl der Schichten. So 10 oder noch mehr können das schon werden - deshalb Geduld.

Das tolle an Schellack, abgesehen vom End-Ergebnis: Es ist letztlich jeder Fehler immer reparierbar, sogar ohne schleifen. Man kriegt das Zeug nähmlich wenns mal schief läuft genau so runter wie man es drauf bekommt, mit Geduld und Spiritus. Deshalb finde ich es gerade bei solchen Furnierdecken super - keine Durchschleifgefahr.
Danke, jetzt verstehe ich. Du meintest also eine komplette Schellackpolitur.
Dass sich der getönte Schellack anders verhält, wusste ich nicht.

Hier kurz mein Gedankengang zur Erläuterung:
Ich dachte beim Stichwort Schellack zunächst an dieses Posting von Delayar (wahrscheinlich, weil ich es kurz davor gelesen hatte ;) ).
Darin beschreibt er eine Schellackbehandlung zum Anfeuern, wobei er dann über den Schellack 2K Lack gesprüht hat.
Delayar hat geschrieben:
21.03.2018, 12:09
Hi Alex,

Es wäre ja generell mal nett, ein Forumstreffen in Wien/Umgebung zu machen ;-)

Ich habe mit Pistole und Kompressor lackiert, da kann man sehr genau arbeiten und auch das Burst lackieren.
Als Lack habe ich Adler 2K PUR Glanzlack benutzt.
Vor dem eigentlichen Lack habe ich die Flammung mit stark verdünntem Schellack etwas angefeuert. Dann habe ich eine Schicht ungefärbten Klarlack gesprüht. das habe ich eigentlich primär darum gemacht, um eine Schicht unter dem gefärbten Lack zu haben, falls etwas schiefgeht und ich den nochmal runterschleifen muss.

Gefärbt habe ich den Klarlack mit den Stewart McDonald Liquid Stains. Für die Grundfarbe einfach Blau, die habe ich zuerst gesprüht. Den Burstrand habe dannach gemacht, da habe ich ein paar tropfen schwarz zum blau gemischt.

Natürlich kamen dann noch einige Schichten ungefärbter Klarlack.

Mein Lackierequipment ist in der Nähe von Tulln, ich lackiere immer im Freien, daher auch nur in der warmen Jahreszeit. Wenn du also Hilfe brauchst, kannst du dich ja mal rühren.

lg
Markus
Das hat mich auf die Idee gebracht: wenn schon die Beize nicht eindringen und so in ausreichender Menge haften möchte, könnte man sie quasi mit getöntem Schellack "aufkleben". Durch den Schellack - und die im Eingangszitat erwähnten Vorteile bei der Auftragung und Verarbeitung von Schellack - stelle ich mir vor, könnte man die Beize gut dosieren (natürlich mit Sperrschicht darunter) und so besser akzentuieren.
Theoretisch ginge da wohl auch Hozsiegel oder ähnliches, was aber den Nachteil hätte, dass es nicht einfach weggewischt werden könnte, so wie der Schellack.

Andererseits hat mich Markus Post, herzlichen Dank an dieser Stelle, dazu inspiriert, einfach den Klarlack zu tönen und durch Übersprühen mit anders/dunkler getöntem Klarlack zu akzentuieren. Darunter eine Sperrschicht...

So stelle ich mir das zumindest vor... (think)
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Re: Violin Bass Bausatz

#20

Beitrag von DoppelM » 02.04.2018, 11:15

Schellack trägt man ja bei der Politur in extrem dünnen Schichten auf - deshalb verhält sich das mit der Tönung anders. letztendlich ist aber auch nur eine Art getönter Klarlack, nur das es durch die geringe Schichtdicke halt weniger effizient ist.

Das anfeuern mit Schellack wird wohl deshalb gemacht, weil Schellack so verdammt gut im anfeuern ist. Der holt auch das letzte bisschen Tiefenwirkung extrem gut raus. Das in Kombi mit der geringen Schichtdicke macht ihn so schön - ein sehr feines, sehr lebhaftes Finish.
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Re: Violin Bass Bausatz

#21

Beitrag von penfield » 03.04.2018, 18:34

DoppelM hat geschrieben:
02.04.2018, 11:15
Schellack trägt man ja bei der Politur in extrem dünnen Schichten auf - deshalb verhält sich das mit der Tönung anders. letztendlich ist aber auch nur eine Art getönter Klarlack, nur das es durch die geringe Schichtdicke halt weniger effizient ist.

Das anfeuern mit Schellack wird wohl deshalb gemacht, weil Schellack so verdammt gut im anfeuern ist. Der holt auch das letzte bisschen Tiefenwirkung extrem gut raus. Das in Kombi mit der geringen Schichtdicke macht ihn so schön - ein sehr feines, sehr lebhaftes Finish.
Alles klar.
Danke für die Erklärung.

Ich hatte gestern ein wenig Zeit und habe deshalb herumexperimentiert. Dabei habe ich auch eine Schellackprobe gemacht, hat aber nicht wirklich was bewirkt. Habe den Schellack dann wieder weggewischt; womit auch immer das Ding oberflächenbehandelt wurde, steht auch dem Schellack und dem Anfeuern damit im Wege.

Weil die Gelegenheit gestern so günstig war, habe ich später dann ein paar Schichten getönten Lack aufgetragen. Vorversuche dazu hatte ich ja schon gemacht. Das hat gut funktioniert und sieht gar nicht schlecht aus für den ersten Versuch - habe aber noch keine Fotos gemacht.
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Re: Violin Bass Bausatz

#22

Beitrag von AsturHero » 03.04.2018, 20:09

DIe CHinesen baden anscheinend die Bodys in irgendwas..am Anfang meiner Bastelkarriere hatte ich ja sämtliche Bausätze von Thomann ausprobiert...
bei allen war deren Proenfüller, Schnellschleifgrund oder was auch immer die dafür verwenden, millimeterdick im Holz drinne, was ein beizen unmöglich machte..

dagegen klappte das direkte lackieren mit LAck ohne Probleme ohne den Untergrund vorzubereiten :D
lg Antonio

Meine neue Webseite: Antalo-Bass

Wann eigentlich wurde aus Sex and Drugs and Rock and Roll

Veganismus und Lactoseintoleranz und Helene Fischer???

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Re: Violin Bass Bausatz

#23

Beitrag von penfield » 03.04.2018, 22:28

AsturHero hat geschrieben:
03.04.2018, 20:09
DIe CHinesen baden anscheinend die Bodys in irgendwas..am Anfang meiner Bastelkarriere hatte ich ja sämtliche Bausätze von Thomann ausprobiert...
bei allen war deren Proenfüller, Schnellschleifgrund oder was auch immer die dafür verwenden, millimeterdick im Holz drinne, was ein beizen unmöglich machte..

dagegen klappte das direkte lackieren mit LAck ohne Probleme ohne den Untergrund vorzubereiten :D
Das deckt sich mit meinen Erfahrungen.
Lackieren geht gut.
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Re: Violin Bass Bausatz

#24

Beitrag von penfield » 05.04.2018, 21:06

So, nach ein paar Tagen des Trocknens und ein wenig Schleifen, sieht es so aus
Heller Bernstein (oder so ähnlich).
Mir gefällt´s

Nach anfänglicher Unsicherheit, war es dann doch nicht so schwierig ;)
Habe Lack gemischt, mit ein wenig Paste versetzt, gut gerührt und dann wie üblich aufgetragen.
Zuerst Ocker getönter Lack, dann nach großzügigen Ablüftpause mehrere Schichten braun getönter Lack darüber.
An den Rändern Burst-artig etwas mehr Farbe. Eine Ecke erwischte zuviel Braun, dort habe ich mit Schleifpapier nachgebessert.

Wenn der Bass fertig geschliffen ist, kommt noch Klarlack über alles.
Die Frage ist dann, ob der Klarlack getönt sein soll (think)
Ich bin nämlich hin und hergerissen zwischen der Intuition das Ganze etwas dünkler zu machen und der Sorge, das Binding bzw. überhaupt alles dadurch zu zerstören.
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Quickbird, Basslownia, FrameBird, Violin Bass Bausatz.
Sollte an Les Paulownia arbeiten ...

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Re: Violin Bass Bausatz

#25

Beitrag von Rallinger » 06.04.2018, 13:28

penfield hat geschrieben:
05.04.2018, 21:06
Wenn der Bass fertig geschliffen ist, kommt noch Klarlack über alles.
Die Frage ist dann, ob der Klarlack getönt sein soll (think)
Ich bin nämlich hin und hergerissen zwischen der Intuition das Ganze etwas dünkler zu machen und der Sorge, das Binding bzw. überhaupt alles dadurch zu zerstören.
Schaut gut aus. Aber ein bisschen mehr Farbe und dunkler würde der schon vertragen. Wieso sollte das Binding dadurch zerstört werden?

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