[Akustik] 000 Kopie oder nicht Kopie?

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[Akustik] 000 Kopie oder nicht Kopie?

#1

Beitrag von elektrojohn » 07.03.2011, 22:07

Um die Anzahl der Starter im Bereich Akustik hier etwas zu erhöhen, gehe ich mit meinem aktuellen Projekt, das ich gerade begonnen habe, an den Start. Es soll eine 000 werden, bei der Form werde ich mich an der 000-42 von Martin orientieren. Die Gestaltung der Details werde ich aber nach meinem Geschmack ausführen. Ich würde das Projekt nicht als Kopie ansehen, aber das mögen andere anders sehen.
Ob ich den zeitlichen Rahmen einhalten kann, weiß ich im Moment nicht (die Erfahrung mit den letzten dreien sagt:Nein!), aber ich werde mich davon nicht stressen lassen.

Zurück zur Gitarre:

Ich möchte vorwiegend einheimisches Holz verwenden, und zwar:
Decke: Fichte
Zargen & Boden: Walnuss
Hals: Ahorn
Griffbrett: Birne
Steg & Kopfplattenfurnier: Zwetschge
einziges exotisches Holz ist Mahagoni für die Reifchen, weil ich zu faul bin, was anderes zu besorgen :D

Ich werde das meiste von Hand machen weil
a) ich nicht viele Maschinen habe,
b) ich keinen Termindruck habe,
c) es mir einfach Spaß macht!

Viel Spaß beim Zuschauen

Christian

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#2

Beitrag von elektrojohn » 07.03.2011, 22:33

Zuerst habe ich die Decke gefügt.
Mit dem Bankhobel wurde die Leimfuge bearbeitet. Als Auflage für Decke und Hobel verwende ich zwei alte Regalbretter. Auf das oberste Brett kommen die beiden Deckenhälften, die ich mit einem Gewicht beschwere. Der Hobel läuft dann auf dem unteren Brett.
Danach habe ich die beiden Hälften mit Titebond verleimt:
Ich verkeile die beiden Hälften gegen die am Rand aufgespannten Leisten. Die Gewichte verhindern, dass die Decke nach oben ausweichen kann.

Anschließend bringe ich die Decke ganz langsam mit dem Handhobel auf die gewünschte Stärke. Ich peile hier etwa 2,8mm an. (Hier sollte eigentlich stehen: Durch Klopfen und Biegen ermittle bzw. höre und fühle ich die optimale Stärke. Da ich das aber nicht kann, muss ich auf ein festes Maß hinarbeiten)
Zum Kontrollieren der Dicke verwende ich einen selbstgebauten Dickenmesser mit einem Messtaster vom Schrottplatz. (Das Ding ist zwar schon ziemlich lädiert aber für meine Genauigkeitsanforderung +/- 0,1mm reichts noch...)

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#3

Beitrag von elektrojohn » 09.03.2011, 19:47

Mit den letzten Zehnteln der Deckenstärke warte ich noch ein Bisschen...
vielleicht kommt ja noch Input im Diskussionsthread. (whistle)
Außerdem habe ich mir die Bücher von Somogy (oder so ähnlich) bestellt, ich wills jetzt wissen. :D

Währenddessen habe ich mich mit der Beleistung der Decke beschäftigt und die nötigen Leisten angefertigt. Als Rohmaterial verwende ich schöne feinjährige Fichte.
Ich säge die Leisten mit der Hand von der Bohle runter...
... und hobele sie dann schön gemütlich auf Maß.
Das war dann schließlich das Ergebnis der Bemühungen.

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#4

Beitrag von elektrojohn » 20.03.2011, 21:09

Mittlerweile habe ich auch den Boden auf Stärke gehobelt und verleimt. Das habe ich genauso wie bei der Decke gemacht, deshalb habe ich mir und Euch die Fotos erspart. Auf die gleiche Weise wie oben beschrieben sind auch die Leisten für den Boden entstanden. Ich bin mir im Moment noch nicht im Klaren, ob ich die Leimfuge mit einem Einlegestreifen versehen soll oder nicht. Ich kann mich nicht recht entscheiden, was mir besser gefällt... (think)

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Re: [Akustik] 000 Kopie oder nicht Kopie?

#5

Beitrag von elektrojohn » 27.03.2011, 00:06

Es geht - wenn auch langsam - voran. Momentan bin ich etwas "abgelenkt": Ich habe mir die Bücher von Ervin Somogyi geleistet und verbringe ziemlich viel Zeit mit lesen. Die Bücher sind sehr interessant und gut geschrieben. Mal sehen... am Ende bringts vielleicht sogar was!
Ich habe in der Zwischenzeit die Reifchen angefertigt. Sie sind wie schon vorher geschrieben aus Mahagoni in Ermangelung eines geeigneten heimischen Holzes.

Zuerst habe ich die Leisten mit der Japansäge von der Mahagonibohle runtergesägt
Anschließend rechteckig gehobelt...
...und dann angeschrägt.
Zu guter Letzt wurden die Reifchen dann mit diesem Luxus-Jig eingesägt
So, jetzt muss ich weiter lesen!

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Re: [Akustik] 000 Kopie oder nicht Kopie?

#6

Beitrag von elektrojohn » 31.03.2011, 22:23

Als nächstes ist die Schalllochrosette an der Reihe. Ich wollte hier mal etwas Eigenes wagen, mal sehen wie es aussehen
wird.
Zuerst schneide ich den Ring, in den die Rosette eingelegt wird, mit meinem selbstgebauten Kreisschneider vor...
...und fräse dann anschließend mit dem Dremel den Kanal aus.
Innen und außen kommt jeweils ein Ring aus Bindingstreifen, den ich mit dem Biegerohr vorgebogen habe.
jetzt geht das gepuzzel los! Ich habe lauter kleine Kreissegmente aus Walnuss und Zwetschge gesägt, die getrennt von kleinen Ahornstreifen die Rosette bilden sollen.
Ich fühle mich in diesem Thread übrigens ziemlich allein :( eigentlich schade, dass niemand sonst seinen Senf dazugeben darf, aber so sind die Regeln...

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#7

Beitrag von elektrojohn » 02.04.2011, 01:56

Nach einem netten Abend in der Werkstatt ist sie fertig die Rosette. Es ist auf jeden Fall etwas anderes. Ob sie mir wirklich gefällt, kann ich noch nicht sagen... aber seht selbst:
Die Zwetschge ist in Wirklichkeit eine Idee röter als auf dem Bild. Den Kontrast zwischen Nuss und Zwetschge hatte ich mir allerdings nicht ganz so dezent vorgestellt.

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Re: [Akustik] 000 Kopie oder nicht Kopie?

#8

Beitrag von elektrojohn » 03.04.2011, 12:14

Guten Morgen,
Hier ist das gewünschte Bild bei Sonnenschein!
Zum Thread-Titel kann ich mittlerweile sagen, dass ich eindeutig für Nicht-Kopie plädiere. Je länger ich über die Gitarre nachdenke, desto weiter entfernt sie sich von dem, was ich als Grundlage genommen habe.

Aktueller Stand meiner Überlegungen:
Sie soll ein venetianisches Cutaway bekommen (Danke 12stringbassmann :D Deine Gitarre hat es mir angetan)
Die Kopfplatte wird wie bei meinen letzten beiden Gitarren.
Der Brücke wollte ich auch eine andere Form geben, da bin ich aber noch heftig am überlegen (und Entwürfe verwerfen)...

Es bleibt eignentlich nur die Korpuskontour der Vorlage übrig...

Einen schönen Sonntag!
Christian

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Re: [Akustik] 000 Kopie oder nicht Kopie?

#9

Beitrag von elektrojohn » 05.04.2011, 23:42

Das Design der Brücke ist endlich fertig.
Die Umsetzung ist zur Zeit in Arbeit.
Da ich keinen rechten Anschlag für Oberfräse oder Dremel finden konnte, habe ich mich entschlossen, die Nut für die Stegeinlage von Hand auszuheben.
Dazu habe ich die Seitenlinien mit dem Schnitzmesser angeritzt und dann mit dem Stemmeisen vertieft. Den Großteil habe ich ausgebohrt.
Das Material ist übrigens Zwetschge (absolut erstaunlich wie hart das Holz ist)

Grüße
C.

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Re: [Akustik] 000 Kopie oder nicht Kopie?

#10

Beitrag von elektrojohn » 10.04.2011, 21:52

Am Wochenende ist es ein Bisschen vorangegangen (wenn ich mich vom Liegestuhl auf der Terrasse losreißen konnte 8) )

Die Bridge ist jetzt in Rohform fertig.
Allerdings wird sie noch einer "Abmagerungskur" unterzogen. Ich werde sie noch ein paar Gramm leichter machen,aber das kommt später.
Dann habe ich das Bracing auf die Decke geleimt und bin jetzt im Moment am Schnitzen, um die Leisten in Form zu bringen. Stellenweise wäre es allerdings einfacher gewesen, wenn ich nicht alles auf einmal auf geleimt hätte...

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Re: [Akustik] 000 Kopie oder nicht Kopie?

#11

Beitrag von elektrojohn » 14.04.2011, 22:49

Die Decken-Leisten habe ich jetzt roh in Form geschnitzt. Sie sehen noch nicht so schön aus, aber darauf habe ich im Moment nicht so geachtet. Mehr kommt jetzt erst Mal nicht runter. Ich werde mich dann zu gegebener Zeit am "Voicen" der Decke versuchen... :roll:

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Re: [Akustik] 000 Kopie oder nicht Kopie?

#12

Beitrag von elektrojohn » 16.04.2011, 17:52

Da die heutige Radtour mangels Teilnehmer ausgefallen ist, habe ich mich im Keller ein wenig sportlich betätigt :) . Diese Gitarre steht ja unter dem Motto Handarbeit und so habe ich heute aus den 3,5mm Zargenrohlingen zwei Zargen angefertigt. Eine große Hilfe war mir dabei mein Bankhobel, den ich mir letztes Jahr gegönnt habe.
Anschließend habe ich die Brettchen auf das nötige Maß gesägt. Da Karlheinz großzügig beim Zuschnitt war, ist sogar noch ein schönes Stück für ein Kopfplattenfurnier übrig geblieben.
Die fertigen Zargen...
...und die Reste :D
Das Walnussholz lässt sich super bearbeiten und so war die ganze Aktion in 2 Stunden erledigt. Das ging viel schneller als ich dachte und hat mich mal wieder in meiner Ansicht bestärkt, dass Maschinen nur dann eine Zeitersparnis bringen, wenn sie betriebsbereit zur Verfügung stehen oder wenn man Stückzahlen machen will...

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#13

Beitrag von elektrojohn » 24.04.2011, 00:20

Mittlerweile sind die Zargen in Form gebracht und meine Begeisterung für die Eigenschaften des Walnussholzes wächst. Meine bescheidene Biege-Erfahrung beläuft sich auf Ahorn, Palisander und jetzt auch Walnuss. Die Biegefreudigkeit dieser Holzsorten würde ich dabei in umgekehrte Reihenfolge stellen. :D

Die Zargen in der Universalform, um die es vor einiger Zeit in einem anderen Thread hier im Forum ging. (hi aljosha ;) )
Ich bin ja immer noch am experimentieren, was die Biegeeinrichtung angeht. Mein momentaner Favorit ist in diesem Bild zu sehen. Die Apparatur ist denkar einfach, man kann relativ ungehindert daran arbeiten und es geht kaum billiger (Aldi-"Fön" für 15,-, ein paar Holzreste und Stück Eisenrohr) Die vielen Löcher im Rohr stammen übrigens vom vergeblichen Versuch, das Rohr mit einer Bügeleisenheizung zu beheizen. Das hat im Prinzip funktioniert, allerdings nur kurz... dann war der Heizstab durchgebrannt. Danach war eine Lötlampe als Heizquelle dran, ging auch irgendwie..., aber die Fön-Lösung passt mir persönlich am besten.

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Re: [Akustik] 000 Kopie oder nicht Kopie?

#14

Beitrag von elektrojohn » 25.04.2011, 23:30

Die letzten Tage habe ich mich auch dem Hals gewidmet. Da der Rohling leicht in sich verdreht war, habe ich mich dazu entschlossen, ihn einmal aufzuschneiden und gedreht wieder zusammenzuleimen. Vielleicht kompensiert sich die Verdrehneigung der beiden Hälften so gegenseitig??? (Kommentare willkommen)
Außerdem habe ich die letzte Woche dem Schreiner im Dorf einen Besuch abgestattet und den ein oder anderen Furnierrest ergattert... (danke nochmal Herr Ehrhard :D ) Daraufhin war mir klar, dass der Hals in Form von einigen Furnierlagen einen Rallystreifen bekommt.
Hier erkennbar die Furniere zwischen den beiden Halshälften:
Der Anpressdruck hätte ruhig größer sein können, an einigen wenigen Stellen sind leichte Spalten erkennbar. Ich hoffe das hat auf die Festigkeit des Halses keinen allzugroßen Einfluss.
Danach das übliche Absägen der Kopfplatte...
...mit anschließendem Planieren mit großem und kleinem Hobel. Hier kann man den Rallystreifen gut erkennen.
Die Kopfplatte habe ich dann auf Sollstärke runtergehobelt und angschäftet.

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#15

Beitrag von elektrojohn » 06.05.2011, 23:14

Weiter gings mit dem Halsfuß. Die besondere Herausforderung war, den Mittelstreifen einigermaßen gerade verlaufen zu lassen. Der Fuß besteht immerhin aus vier Schichten (,die nicht mit einer Maschine beim Tischler abgeplant waren). Es ist aber glaube ich einigermaßen gelungen. Sehen werde ich es erst, wenn der Fuß ausgearbeitet ist.
Dann habe ich den Halszapfen gesägt...
und das Gegenstück dazu im Halsklotz.
Mit dem Ergebnis bin ich sehr zufrieden. Der Zapfen am Hals passt wie angegossen in den Halsklotz.
Nachdem mir der Schwalbenschwanz an der Archtop etwas misglückt ist, habe ich mich dazu entschlossen, den Hals mit einer Schraubverbindung am Korpus zu befestigen. Das passt besser zu meinen Herstellungsmethoden ;)

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Re: [Akustik] 000 Kopie oder nicht Kopie?

#16

Beitrag von elektrojohn » 07.05.2011, 21:29

Heute habe ich mich etwas mit dem Halsklotz beschäftigt. Hier ist die Schraubverbindung zu sehen. Ich verwende ganz normale Möbelbeschläge aus dem Baumarrkt.
Hier ist das ganze dann probeweise zusammengeschraubt.
Anschließend habe ich den Halsklotz gleich auf die Decke geleimt.
Schönen Abend
C.

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#17

Beitrag von elektrojohn » 08.05.2011, 21:44

Die Reifchen sind mittlerweile eingeleimt. Nächste Woche werde ich den Zargenkranz auf die Decke leimen.
Beim Verleimen habe ich - wie so oft - zu viel Leim verwendet, so dass mir die Soße teilweise innen an den Zargen runtergelaufen ist und ich mit der Ziehklinge nacharbeiten musste. Dabei habe ich mir die grundsätzliche Frage gestellt: "Wie viel Leim ist eigentlich richtig?" Ich liege traditionsgemäß immer in Richtung "zu viel". Ich sehe es halt gerne aus der Leimfuge quellen... ;) um sicher zu sein, dass es auch wirklich genug war. Aber vielleicht ist das ja kompletter Blödsinn... Ich hab das halt schon so von meinem Vater gelernt (der auch kein Tischler war). Die Frage wäre vielleicht sogar einen eigenen Thread wert (think) gerade wiel sie so banal ist!

C.

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Re: [Akustik] 000 Kopie oder nicht Kopie?

#18

Beitrag von elektrojohn » 12.05.2011, 23:21

Nachdem ich den Zargenkranz und die Decke miteinander "befreundet" habe, sprich die Aussparungen für die ganzen Leisten ausgezinkt hatte, gings ans verleimen. Ich muss sagen, das war das erste Mal, dass mich diese Gitarre irgendwie gestresst hat. Bis ich den ganzen Zwingenwald sitzen hatte - und das alles bevor der Leim anzieht - musste ich ziemlich kämpfen...
...aber der Leim trocknet jetzt, gleich morgen schaue ich wie es geworden ist :roll:

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Re: [Akustik] 000 Kopie oder nicht Kopie?

#19

Beitrag von elektrojohn » 21.05.2011, 23:59

Nachdem die Decke erfolgreich verleimt ist, versuche ich mich ein wenig am geheimnisvollen Abstimmen der Decke. Ich versuche es nach der in "The Responsive Guitar" von Somogyi Methode. Dazu habe ich mir mangels Form ein "Voicing-Jig" :D gebastelt an dem ich den Korpus mit einer Zwinge festmache. Um das Ganze zu beobachten, mache ich dann und wann eine Aufzeichnung und schaue mir den Frequenzverlauf an.
Das funktioniert soweit ganz gut. Ich habe dann angefangen, hier und da ein Bisschen Holz wegzunehmen und zu beobachten, ob ich irgendeine Veränderung bemerke. Hmm...
Mein Eindruck war, dass das Wegnehmen von Holz an den Enden der Fan-Braces (alle die nicht zum X gehören) wirklich hörbare Veränderungen gebracht hat. Der Klopfton ist insgesamt etwas kräftiger, die Fläche, die auf Klopfen anspricht, ist etwas größer geworden. Aber vielleicht bilde ich mir das alles nur ein,ich weiß es nicht. Das Frequenzmaximum des Klopftons hat sich zumindest um 5Hz nach unten verschoben. Irgenwas hat sich also getan.
Hier der Aufbau von der anderen Seite. Im Hintergrund eine alte Ibanez, die ich zum Vergleich heranziehe. Die Gitarre klingt für meinen Geschmack gut und ist nach Somogyi definitiv overbuilt (zu steif), weil die Decke auch nach 25 Jahren noch kein Bisschen nachgegeben hat. Ich habe Bedenken, dass ich es mit dem Wegschnitzen übertreibe. Deshalb vergleiche ich mit der Ibanez, um auf der sicheren Seite zu bleiben.
Ich werde noch ein wenig weiter Jugend (bzw. Alter :) ) forscht betreiben- auch wenn es mich zeitlich zurückwirft - , bevor ich den Korpus verschließe. Das Thema finde ich recht spannend.

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Re: [Akustik] 000 Kopie oder nicht Kopie?

#20

Beitrag von elektrojohn » 22.05.2011, 13:37

Heute gibts den zweiten Teil der Sendung mit der Maus. :lol:
Nach dem Bisschen,was ich im Moment weiß, kommt es auf folgende zwei Punkte (und sicherlich noch viele andere...) besonders an:
1. die Decke spricht in einem möglichst großen Bereich um die Brücke möglichst gleichmäßig auf Klopfen an
2. Die Decke hat eine möglichst hohe Steifigkeit bei möglichst niedrigem Gewicht.

Heute habe ich den Versuch unternommen, die Steifigkeit der Decke zu untersuchen.
Als Vergleichsobjekt habe ich wieder meine Ibanez verwendet:
Die Gitarre liegt auf vier Punkten auf, leicht fixiert mit einer Gummischnur. Die Messuhr, die ich normalerweise zum Messen der Deckenstärke verwende, kommt hier in leicht modifierter Form zum Einsatz, um das Einsinken der Decke unter Belastung zu messen.
Ich habe die Decke mit einem Gewicht von 10,3kg auf der Brücke belastet. Als Reaktion darauf hat sie um ziemlich genau 1mm nachgegeben. Das hat mich erstaunt, ich hätte mit einer deutlicheren Reaktion gerechnet.
Als nächstes war dann der im Bau befindliche Korpus dran:
Das Problem hier ist natürlich der fehlende Boden. Ich habe versucht, den Boden zumindest teilweise durch Einspannen zu simulieren. Die Zargen haben an den Stellen Unterstützung, an denen sie sich am meisten weggebogen haben: An der breitesten Stelle des Korpus und an der engsten habe ich versucht den Korpus zu fixieren.
Unter der gleichen Belastung hat die Decke um 1,3mm nachgegeben.

Dieses Messergebnis hat mich dann bewogen, nicht noch mehr Holz wegzunehmen, sondern meine Experimente an dieser Stelle abzubrechen. Inwieweit die Fixierung an vier Punkten den gesamten Boden bei der Steifigkeitsmessung wirklich ersetzen kann (ich hab da so leise Zweifel), werde ich wissen, wenn der Boden drauf ist. Dann wiederhole ich die Messung nochmal.

Schönen Sonntag
C.

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Re: [Akustik] 000 Kopie oder nicht Kopie?

#21

Beitrag von elektrojohn » 03.06.2011, 21:40

Mittlerweile ist der Spannstab im Hals versenkt:
Ich verwende eine stinknormale M5-Gewindestange, die ich abschnittsweise mit Alu-Tape umwickele, um etwaiges scheppern zu vermeiden. Am Ende habe ich als Verankerung ein Stückchen Alu (mit Innengewinde) mit zwei Muttern verschraubt.
Die Mutter ist aus Messing, damit im Falle eines Falles das Gewinde der Mutter zuerst aufgibt, da sie deutlich einfacher zu wechseln ist, als der Spannstab.
Die Nut ist mittlerweile verschlossen und das Griffbrett ist geschlitzt (leider ohne Bilder). Die nächsten Bilder gibts dann vom Einlegen der Griffbrett-Inlays.

Bis dann
C.

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Re: [Akustik] 000 Kopie oder nicht Kopie?

#22

Beitrag von elektrojohn » 05.06.2011, 22:02

Nach langer, ausgiebiger Diskussion im ebenso heißenden Thread (danke nochmal für Euren Input!) will ich Euch das Ergebnis meiner Inlay-Studien nicht vorenthalten:
Die Inlays bestehen ausschließlich aus Abfall:
Zwetschgenholz, Perlmutt und Alublech. Die Perlmutt-Fräsabfälle habe ich bei meinem letzten Besuch bei Shellex in Groß-Gerau bekommen. Und das Alu-Blech ist von einer alten Luftschachtabdeckung, (die ich schon 5x in der Hand hatte und dann doch nicht weggeworfen habe :D ):
Die kleinen Stege sind wie gemacht für meine Inlays... oder?

Die Herstellung der Inlays ist eine ziemliche Fummelei. Alles ist von Hand gesägt, gefeilt und geschliffen. Das wichtigste Utensil ist der Sekundenkleber. Ich habe gute Chancen die Flasche bis auf den letzten Tropfen leer zu bekommen, bevor Sie eintrocknet (das habe ich bisher noch nie geschafft...)
Hier die einzelnen Schritte bis zum fertigen Inlay. Der Zeitaufwand beträgt pro Stück etwa eine Stunde. Die Herstellung ist eine fast meditative Übung. Immer die Ruhe, nur nicht hudeln. Bei einem bin ich z.B. kurz vor Schluß mit der Feile ordentlich über die Ecke... eine Stunde Arbeit für den "Boppes" :badgrin:
Jetzt bin ich am überlegen, ob ich es beim Inlay für den 5., 7. und zwölften Bund belasse...
Nicht, weil ich zu faul bin (ehrlich! :) ), sondern weilmich so viele Inlays beim Spielen eher verwirren.
Aber die Optik ist halt schon besser mit "allen" Inlays...

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Re: [Akustik] 000 Kopie oder nicht Kopie?

#23

Beitrag von elektrojohn » 08.06.2011, 23:50

Themenwechsel:
Nach so viel Inlay-Gefummel widme ich mich jetzt erst Mal wieder dem Korpus. Der Walnussboden hat sich, nachdem ich ihn dünner gehobelt habe, ziemlich verzogen. Keine Ahnung weshalb. :( :( Die Welligkeit folgt schon irgendwie (der welligen Maserung). Ich hoffe, dass die Dellen und Wellen mit der Beleistung wieder verschwinden.

Bei meinem letzten Besuch bei Shellex konnte ich an diesem Einlegestreifen nicht vorbei: :D
Um den welligen Boden an die Beleistung zu leimen, brauche ich verdammt viele Zwingen (um das Holz zu zwingen... :roll: )
Drückt mir die Daumen für einen wellenfreien Boden...

Grüße
C.

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Re: [Akustik] 000 Kopie oder nicht Kopie?

#24

Beitrag von elektrojohn » 16.06.2011, 22:32

Der nächste Schritt war das Verleimen des Bodens mit dem Zargenkranz:
Ich verwende dazu mein "Guitar Workboard", das ich nach Cumpiano für meine erste Gitarre angefertigt habe. Der Korpus liegt mit der Decke nach unten auf. Zum Ausgleich der Deckenwölbung dient der Korkrand.
Um das Ganze dann mit Leimzwingen zusammen zu pressen, verwende ich Beilagen, die ich aus einem alten Lattenrost für ein Bett "gewonnen" habe. Der große Vorteil dieser Latten ist ihre Biegung, die der Wölbung des Bodens sehr schön folgt. A pro pos Wölbung: Bei einer Akustikgitarre mit Cutaway steckt der Teufel im Detail: Im ersten Ansatz hatte ich den obersten Balken des Bodens gewölbt wie die anderen drei auch. Das Ergebnis war ein respektabler Spalt im Cutaway-Bereich zwischen Zarge und Boden. Also Balken nochmal runter und Wölbung verringert. Außerdem habe ich noch ein wenig Holz im Cutaway-Bereich auf dem Zargenkranz "aufgedoppelt" - wer genau hinschaut kann es im Bild oben erkennen.
So langsam fängt das Ding an, mich an eine Gitarre zu erinnern...
Christian

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Re: [Akustik] 000 Kopie oder nicht Kopie?

#25

Beitrag von elektrojohn » 19.06.2011, 18:55

Jetzt sind die Bindings an der Reihe, und da ich ein Binding-Masochist bin, kommen viele dran :D. Wobei es noch nicht so schlimm ist, dass ich das gleichnamige Bier trinken würde...
Zum Einsatz kam meine Dremel mit der selbstgebauten Fräsvorrichtung. Es funktioniert auch an den Schrägen ganz gut, allerdings ist hier und da ein wenig Nacharbeit mit Feile und Zieklinge erforderlich.
Den Kanal für das Endstück habe ich mit dem Stemmeisen ausgestochen. Leider musste ich feststellen, dass ich den Boden nicht exakt mittig verleimt habe. Ich hoffe das fällt nachher nicht gar so auf... :roll: :oops: :roll:
Ebenfalls mit dem Stemmeisen gings dann weiter an der Spitze des Cutways.
Das Ganze dann mit Dach drauf:
Und hier unser Hausfreund, der mich oft in der Werkstatt besucht - und danach oft mit Hobelspänen im Fell wieder verschwindet:
Heute Abend - wenn meine Liebste Tatort guckt - fange ich dann an die Bindings zu leimen :)
Grüße
Christian

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